Hamburg - Öffentliche Wutreden haben in Deutschlands Südwesten derzeit Konjunktur. Nach Bruno Labbadia reihte sich jetzt auch Hoffenheims Manager Andreas Müller ein: Bei einer Pressekonferenz leistete er sich einen verbalen Ausraster vor etlichen Journalisten. "Es geht immer in eine gewisse Richtung. Aber nicht mit mir. Mich kotzt das an. Ich bin vier Monate hier, aber ich habe jetzt schon alles gesehen", schimpfte Müller und reagierte damit auf die Berichte zur Suspendierung von Abwehrspieler Marvin Compper.
Lautstark und mit zunehmend rotem Kopf ließ Müller seinem Unmut freien Lauf. "Es ist kein Possenspiel. Es sind Fakten und klare Entscheidungen getroffen. Ich mache es nicht mehr mit, dass wir für Dinge angezählt werden, die der Wahrheit entsprechen", sagte der 50-Jährige.
Die Hoffenheimer hatten am Dienstag überraschend Innenverteidiger Compper zu den Amateuren verbannt, weil dieser den Verantwortlichen gegenüber gesagt haben soll, er könne sich nicht mehr für den Abstiegskampf motivieren.
Der 27-Jährige wehrte sich gegen die Vorwürfe. "Es geht nicht darum, dass ich nicht den Konkurrenzkampf annehmen würde - ich bin keiner, der davor wegrennt", sagte Compper der "Rhein-Neckar-Zeitung": "Es ist völliger Blödsinn zu behaupten, ich hätte keinen Bock auf Abstiegskampf." Sein Berater bestätigte allerdings, dass Compper in der Winterpause um seine Freigabe gebeten hatte.
Compper gibt Probleme mit Motivation zu
Compper, der seit dem Bundesliga-Aufstieg 2008 für die TSG spielt, gab zu: "Wegen eines möglichen Wechsels im Winter und der Aussicht, unter diesem Trainer auch in den nächsten Monaten nicht zu spielen, fällt es mir schwer, mich nur auf die Aufgabe Abstiegskampf zu fokussieren." Trainer Marco Kurz habe Compper zu verstehen gegeben, dass er nicht mehr seine primäre Option in der Innenverteidigung sei.
Der Coach stärkte Müller den Rücken. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte er zu Comppers Verhalten: "Ich habe einen Haken drunter gemacht. Ich kann keine Energie für einen Spieler vergeuden, der nicht bereit ist, einen Weg mit uns zu gehen. Das ist für mich die letzte Antwort, die ich auf dieses Thema gegeben habe."
Comppers Vertrag läuft zum Saisonende aus, er ist nun beim italienischen Erstligisten AC Florenz im Gespräch. Sein Nachfolger, der Argentinier David Abraham vom FC Getafe, wurde am Donnerstag der Presse präsentiert. "Ich würde mich freuen, wenn ich die Freigabe bis zum Wochenende erhalte und vom Trainer aufgestellt werde", sagte der Zugang.
psk/dpa
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