Yeboah Ende des Steuerverfahrens nah

Der Steuerprozess um den HSV-Stürmer Anthony Yeboah geht zu Ende. Dienstag ist letzter Verhandlungstag, Donnerstag soll das Urteil gesprochen werden.


Anthony Yeboah: Hat bald alles hinter sich
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Anthony Yeboah: Hat bald alles hinter sich

Frankfurt/Main - Nach 155 Tagen, 22 Verhandlungsterminen, ungezählten Beweisanträgen und Dutzenden geladener Zeugen soll am 4. Januar 2001 im Prozeß gegen den ehemaligen Angreifer von Eintracht Frankfurt und die ehemaligen Funktionäre des hessischen Bundesligisten, Bernd Hölzenbein und Wolfgang Knispel, vor dem Landgericht Frankfurt am Main ein Schlussstrich gezogen werden.

Der für den 22. Dezember 2000 vorgesehene Urteilsspruch hatte wegen eines überraschend eingereichten Beweisdokuments der Anwälte des früheren Eintracht-Schatzmeisters Wolfgang Knispel verschoben werden müssen. Bei dem bislang noch nicht in das Verfahren eingeführten Schriftstück handelt es sich offenbar um den 1991 abgeschlossenen Kontrakt zwischen Yeboah und seinem Berater Johannes van Berk. Darin soll die Übertragung aller Werberechte des damaligen Eintracht-Profis an van Berks Werbeagentur zwischen 1991 und 1996 festgelegt worden sein.

"Ich habe offenbar den Überblick verloren"

"Ich habe bei der Vielzahl von verlesenen Urkunden und Anlagen offenbar den Überblick verloren", gestand Knispels Anwalt Josef Hillenbrand ein. Dem Dokument könnte eine entscheidende Bedeutung zukommen. Die Staatsanwaltschaft wirft Yeboah, van Berk, Knispel und dem früheren Eintracht-Vizepräsident Hölzenbein vor, im Frühjahr 1993 einen Werbevertrag lediglich zum Schein ausgehandelt zu haben, um damit verdeckte Lohnzahlungen von Eintracht Frankfurt an Yeboah zu verschleiern.

2,3 Millionen Mark sollen so am Finanzamt vorbeigeflossen sein. Damit sollten die Gehaltsforderungen Yeboahs erfüllt, Lohnsteuern vermieden und anschließend der Vertrag des Torjägers mit der Eintracht verlängert werden. Eine "große kriminelle Energie" stecke hinter diesem Plan, sagte Staatsanwalt Jürgen Radke in seinem Plädoyer.

Yeboah genervt- Stammplatz und Prämien weg

Die überraschende Verzögerung des Verfahrens nahm Hölzenbein gelassen hin: "Ich wollte zwar, dass es zu einem Ende kommt, aber wenn alles richtig aufgeklärt wird, bleibe ich auch noch bis April hier. Es geht schließlich um meine Existenz." Yeboah, für den die Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren gefordert hat, wollte sich nicht vor einem Urteilsspruch äußern.

Nach Aussage seines Verteidigers hat Yeboah seit Beginn der Ermittlungen im Jahr 1996 eine Million Mark Lohnverlust pro Jahr aufgrund des Verfahrens hinnehmen müssen. Durch die Verhandlung seien dem Stürmer, der beim HSV seinen Stammplatz verloren hat, zudem rund 400.000 Mark an Prämien verloren gegangen. Einen Tag nach der geplanten Urteilsverkündung am 4. Januar beginnt die Vorbereitung des HSV auf die Rückrunde.



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