Beckenbauer im "Aktuellen Sportstudio" Des Kaisers Vitaminspritzen

Es sollte eine lockere Talkrunde werden, das "Aktuelle Sportstudio" feierte seinen 50. Geburtstag. Franz Beckenbauer erzählte erst Anekdoten, dann wurde er auf das Thema Doping im Fußball angesprochen. Wie, Doping? "Natürlich haben wir unsere Vitaminspritzen bekommen."

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Beckenbauer (r.), Steinbrecher (Mitte): "Das habe ich gesagt?"
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Beckenbauer (r.), Steinbrecher (Mitte): "Das habe ich gesagt?"


Hamburg - 50 Jahre "Das aktuelle Sportstudio", Auftakt der 51. Bundesliga-Saison - das musste gefeiert werden, dachte sich das ZDF und lud namhafte Gäste in die Jubiläumssendung ein. Moderator Michael Steinbrecher begrüßte neben seinem Vorgänger Dieter Kürten noch Jung-Star Mario Götze vom FC Bayern, Rudi Völler und - natürlich - Franz Beckenbauer.

Im Mittelpunkt der Sendung standen Rückblicke auf Höhepunkte der Sendung aus 50 Jahren, wie etwa den berühmten Perückenklau vom Kopf der Frau von Schwimm- und Film-Star Johnny Weissmüller durch einen Schimpansen oder Beckenbauers Treffer an der Torwand vom Weißbierglas.

Doch, so Steinbrecher, "zum Sportstudio gehören auch immer Themen. So wie das Thema Doping."

Seit der Veröffentlichung der Studie "Doping in Deutschland seit 1950 bis heute" der Berliner Humboldt-Universität im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) kommen immer mehr Details über Doping in Westdeutschland an die Öffentlichkeit, auch der Fußball und vor allem die Nationalmannschaft von 1966 steht unter Verdacht.

Beckenbauer im "Stern": "Medizinisch ist alles erlaubt"

Am vergangenen Dienstag hatte Beckenbauer die Frage nach Ephedrin-Doping während der WM 1966 zurückgewiesen ("Nein, ich war ja dabei"). Man habe damals gar nicht gewusst, was Doping überhaupt ist: "Man kannte das Wort auch gar nicht. Ich wüsste auch nicht, wer uns da was hätte geben sollen. Man wusste einfach nichts, denn ich hätte da schon was mitbekommen."

Am Samstagabend nun zitierte Steinbrecher Beckenbauer aus einem Artikel, den der Fußball-Star im Jahr 1977 im "Stern" veröffentlicht hatte:

"Medizinisch ist heute in der Bundesliga praktisch noch alles erlaubt, was den Spieler zu Höchst- und Dauerleistung treibt. (...) Nicht alles was heute im Fußball gemacht wird ist harmlos, die Grenzen zum Doping sind fließend."

"Das habe ich gesagt?", reagierte Beckenbauer skeptisch blickend und kopfschüttelnd, um scherzend hinzuzufügen: "Kann es sein, dass ich einen Doppelgänger habe? Ich bin überrascht über dieses Kunstwerk."

Erst als Steinbrecher ihm versicherte, dass der Artikel tatsächlich unter seinem Autorennamen erschienen war, ging Beckenbauer inhaltlich auf das Thema ein. Doping im Fußball, so der 67-Jährige, "macht keinen Sinn. Denn jeden dritten, vierten Tag hast du ein Spiel." Der Körper würde nicht die nötige Erholungsphasen bekommen.

Beckenbauer spricht von "Vitaminspritzen"

In seinen 20 Jahren als Profi sei er weder von Managern noch von Trainern oder Vereinsärzten genötigt worden, etwas zu nehmen "von dem ich nicht wusste, was es ist". Doch schon im nächsten Satz widerspricht sich Beckenbauer, als er über die Verabreichung von Spritzen spricht und sein Vertrauen in die Ärzte.

Beckenbauer: Natürlich haben wir auch unsere Vitaminspritzen bekommen. Keine Ahnung. Der Doktor hat gesagt: Das ist eine Vitaminspritze.

Steinbrecher: Aber so genau wusste man das nicht.

Beckenbauer: Ist eine Vitaminspritze leistungssteigernd oder ist das Doping? Was ist denn Doping?

Steinbrecher: Also Sie haben etwas bekommen aber wussten nicht genau, was drin war?

Beckenbauer: Ich bin kein Arzt. Natürlich haben wir auch unsere Vitaminspritzen bekommen.

(Hier geht's zum Video in der ZDF-Mediathek, das Thema Doping wird ab Minute 10:15 diskutiert.)

Beckenbauer wirkt von den Fragen und dem zunehmenden Geraune im Publikum sichtlich genervt, doch dann wird aus dem Journalisten Steinbrecher wieder der Gastgeber Steinbrecher. Nun ist Rudi Völler an der Reihe und der ehemalige Stürmer, der unter Beckenbauer 1990 Weltmeister wurde, versichert: Doping im Fußball, oder gar in der Nationalmannschaft? "Da gab's sowas gar nicht. Man war permanent unter Kontrolle."

Doch ganz so sauber, wie Völler den Fußball zu seiner Zeit erlebt hat, war der Sport dann wohl doch nicht. Unter anderem Stars wie Kolo Touré, Deco, Edgar Davids, Josep Guardiola oder Diego Maradona wurden zu ihrer aktiven Zeit positiv getestet, viele wurden anschließend gesperrt. Zuletzt räumte der frühere niederländische Nationalspieler Johnny Rep die Einnahme von Doping ein: "Ich habe wohl mal vor einem Europapokalspiel so ein Amphetaminpillchen geschluckt." Rep stand auch im WM-Finale 1974 gegen Deutschland - mit Franz Beckenbauer.



Forum - Wie verbreitet ist Doping im Profifußball?
insgesamt 143 Beiträge
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Seite 1
orevolver 11.08.2013
1. Doping für alle
Doping ist so alt wie die Menschheit. Wen wollen Völler und Co. denn für dumm verkaufen? Klar gab und gibt es Doping im Fussball. 1954 WM - Deutschland gedopt!
mundi 11.08.2013
2. Die Vitaminen 1954
Die Vitaminspritzen bekamen bereits 1954 die Fußballer bei der WM. Die eher durchschnittliche Mannschaft gewann sensationell den Titel. Danach erkrankten viele Spieler an Gelbsucht. Die Medien waren sehr zurückhaltend, vermutlich wollten sie keine Spielverderber sein. Dies Tatsache wird heute mit dem "Wunder von Bern" umschrieben.
Stewie.119 11.08.2013
3.
Was soll Doping auch im Fußball bringen? Bei diesem Sport zählt ja bekanntlich mehr als nur eine gute körperliche Leistung zu erbringen, anders als z.B. bei Leichtathletik. Im Fußball zu dopen bringt also nicht wirklich was, denn weder Technick noch taktisches Verständnis bekommt man dadurch.
MiniDragon 11.08.2013
4. Albernes Rumstochern in der Vergangenheit
Zitat von orevolverDoping ist so alt wie die Menschheit. Wen wollen Völler und Co. denn für dumm verkaufen? Klar gab und gibt es Doping im Fussball. 1954 WM - Deutschland gedopt!
In den 60 Jahren, die seitdem vergangen sind, hat sich das Wissen der Menschheit verx-facht. Solche Diskussionen emfinde ich deshalb als albern und ineffizient.
moneysac123 11.08.2013
5.
Im grunde sind die sportler alle opfer, die ihre gesundheit verkaufen. die müssten doch am besten wissen was ein sieg unter drogeneinfluss wert ist, ideel wäre mir das nichts wert. also bleibt nur noch der deal gesundheit gegen geld. ergo: opfer.
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