Zé Robertos Wechselgedanken "Zwei Jahre unter Magath sind genug"

Mit einem gut dotierten Vertrag wollte er in Katar seine Karriere beenden. Doch nach einem halben Jahr in Arabien will Zé Roberto nur noch weg. Dem Fußball im Wüstenstaat stellt er ein vernichtendes Zeugnis aus, die Bundesliga reizt ihn - nur der VfL Wolfsburg nicht.

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Aus Doha berichten und


Zé Roberto schlendert in Sandalen durch die große Lobby des "Four Season"-Hotels in Doha. Seine kurze Hose legt die durchtrainierten Waden frei, an seinem Oberkörper ist kein Gramm Fett zu sehen. Der ehemalige brasilianische Nationalspieler sagt zur Begrüßung "Servus", das Gesicht des 37-Jährigen ist faltenlos.

Zé Roberto bezeichnet seinen Wechsel an den Arabischen Golf als "mein Regenerationsjahr, in dem ich endlich Zeit für meine Familie und mich habe". Im Sommer 2011 ging der Mittelfeldspieler zu Al-Gharafa, einem mittelmäßigen katarischen Erstligisten, der derzeit den achten Tabellenplatz belegt. Nach 336 Spielen in der Bundesliga für Bayern München, Bayer Leverkusen und den Hamburger SV sollte seine Profilaufbahn langsam ausklingen. "Natürlich ging es bei dem Transfer vor allem ums Geld. Finanziell ist Katar unschlagbar", sagt Zé Roberto, während er an seinem Pfefferminztee nippt.

Der vierfache Deutsche Meister hatte aber auch die Hoffnung, dass der Fußball im Wüstenstaat ihn wesentlich mehr fordern würde. "Doch der Sport hier ist sehr schwach. Sowohl vom Technischen als auch Taktischen ist hier fast nichts vorhanden", sagt Zé Roberto. Zudem fehlen ihm die Zuschauer, die Stimmung im Stadion. "Ich vermisse sogar die Beschimpfungen der Fans. Das ist hier alles sehr entspannt."

Der 37-Jährige hat bereits nach wenigen Monaten gemerkt, dass ihn der Wechsel nicht wirklich auslastet. "Ich vermisse den Wettkampf, den Druck, die Belastung, alle drei Tage spielen zu müssen", sagt Zé Roberto. Er kann jetzt zwar ausschlafen und seine Kinder täglich zur Schule bringen. Aber die Motivation, für Al-Gharafa die ehemals in der Bundesliga gefürchteten Tempodribblings zu zeigen, schwindet von Tag zu Tag.

Rückkehr nach Deutschland oder Brasilien

"Ich habe noch ein halbes Jahr Vertrag. Es gibt zwar eine Option, um bis 2013 zu verlängern, aber die werde ich nicht ziehen. Für mich geht es im Sommer entweder zurück nach Deutschland oder Brasilien", sagt Zé Roberto SPIEGEL ONLINE. Es gebe sogar schon erste Kontakte zu einigen Bundesligisten, aber die entscheidende Planungsphase beginne für den ehemaligen Akteur von Real Madrid erst ab Februar. Doch das Profil seines neuen Clubs ist ihm jetzt schon klar: "Ich will wieder Euro- oder Champions-League spielen. Meine Karriere soll auf hohem Niveau zu Ende gehen."

Für seine Rückkehr nimmt er viel in Kauf. Vor und nach jedem Training von Al-Gharafa macht er zusätzliche Sonderschichten im Kraftraum. Für den Musterprofi, über den sein ehemaliger HSV-Teamkollege Mladen Petric einmal sagte, er sei "ein 35-Jähriger, der im gestählten Körper eines 25-Jährigen steckt", gehören auch Extra-Ausdauerläufe zum täglichen Trainingsprogramm. "Ich werde in der Liga wenig gefordert, deshalb muss ich mein Niveau allein hochhalten."

Zé Roberto lehnt sich nach vorne, faltet seine Hände und spricht über seinen Ehrgeiz. "Ich will es noch mal wissen, ich will wieder richtig Fußball spielen." Ums Geld gehe es ihm nach 18 Profijahren und seinem Katar-Ausflug nicht mehr. Für einen ambitionierten Bundesligisten würde er finanzielle Abstriche machen. "Ich mache mir keine Sorgen, dass wir für Zé einen Verein finden. Es gibt viele Interessenten", sagt sein Berater.

"Ich werde spielen, bis ich 40 bin"

Dabei war die Planung des Brasilianers vor drei Monaten noch eine völlig andere. Eigentlich wollte er zwei Jahre in Katar bleiben, danach vielleicht die Trainerlizenz machen oder irgendwo als Spielerscout arbeiten. "Wir haben uns auch in der Familie viel darüber unterhalten. Aber ich habe nun beschlossen: Ich werde spielen, bis ich 40 bin", sagt Zé Roberto.

Im November des vergangenen Jahres ist er deutscher Staatsbürger geworden und würde für die letzten beiden Profijahre am liebsten wieder in die Bundesliga zurückkehren. "Vielleicht bleibe ich sogar ganz in Deutschland. Ich liebe die Organisation, Ordnung, Pünktlichkeit. Das hat man nirgendwo sonst auf der Welt", sagt der Linksfuß, dessen drei Kinder allesamt in Deutschland geboren wurden.

Auf einen Wunschverein will er sich jedoch nicht festlegen. "Borussia Mönchengladbach ist ein sehr guter Verein mit vielen jungen Spielern, der Hamburger SV ist wieder gut. Es gibt viele tolle Clubs in Deutschland, ich will aber über Namen nicht spekulieren."

Lediglich einen Verein kann er bereits jetzt ausschließen: den VfL Wolfsburg mit seinem Ex-Coach Felix Magath, der ihn bereits in München trainiert hatte. "Zwei Jahre unter Magath sind definitiv genug", sagt Zé Roberto und lacht laut. Bei dem im Tabellenmittelfeld dümpelnden Bundesligisten kann man sich ihn auch nicht vorstellen. Dafür ist Zé Roberto noch zu ehrgeizig.



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Seite 1
Elfenschubser 07.01.2012
1.
Zitat von sysopMit einem gut dotierten Vertrag wollte er in Katar seine Karriere beenden. Doch nach*einem halben Jahr in Arabien will Zé Roberto nur noch weg. Dem*Fußball im Wüstenstaat stellt er ein vernichtendes Zeugnis aus, die Bundesliga reizt ihn - nur*der VfL*Wolfsburg*nicht. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,807635,00.html
"Bei dem im Tabellenmittelfeld dümpelnden Bundesligisten kann man sich ihn auch nicht vorstellen. Dafür ist Zé Roberto noch zu ehrgeizig." Herrlicher Schlusssatz!
princeofpersia 07.01.2012
2. Der Persische Golf
Ich appelliere ganz höflich an die Herren Autoren, sich an internationalen Vereinbarungen und Namensgebungen zu halten. Es ist immer noch der Persische Golf und nicht der Arabische. Daher würde ich Sie bitten, Ihren Artikel an dieser Stelle zu berichtigen. Vielen Dank.
CMH 07.01.2012
3.
Zitat von Elfenschubser"Bei dem im Tabellenmittelfeld dümpelnden Bundesligisten kann man sich ihn auch nicht vorstellen. Dafür ist Zé Roberto noch zu ehrgeizig." Herrlicher Schlusssatz!
Ja, finde ich auch :-)
CMH 07.01.2012
4.
Zitat von princeofpersiaIch appelliere ganz höflich an die Herren Autoren, sich an internationalen Vereinbarungen und Namensgebungen zu halten. Es ist immer noch der Persische Golf und nicht der Arabische. Daher würde ich Sie bitten, Ihren Artikel an dieser Stelle zu berichtigen. Vielen Dank.
Das ist nicht richtig. Der Name "Arabischer Golf" kann genausogut verwandt werden - ist allerdings deutlich seltener.
drnice1983 07.01.2012
5.
Ich habe seine Karriere nun nichtmehr weiter verfolgt, nachdem er vom HSV wegging, aber wenn er noch das Selbe Niveau hat, kann er in jedem Club Europas noch gut Spielen. Ich denke eher, dass es am Gehalt scheitern wird.... Niemand wird einem 37j Fußballer (wobei mittlerweile schon 25j als zu alt angesehen werden) noch 5 Mio im Jahr hinterher werfen... Schließlich kann man in dem Alter erstrecht nicht wissen, wie sich der Körper verhält, wie es mit Verletzungen aussieht....
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