Zidane-Erklärung "Harte Worte gegen meine Mutter und Schwester"

Zinedine Zidane hat sich zum ersten Mal zu seinem Kopfstoß im WM-Finale geäußert. Demnach habe Italiens Verteidiger Marco Materazzi die Mutter und Schwester des 34-jährigen Franzosen beleidigt. Zidane entschuldigte sich für seinen Aussetzer, bedauert diesen aber nicht.


Paris - Befragt zum genauen Wortlaut der Beleidigung sagte Zidane in einer Erklärung beim französischen Pay-TV-Sender Canal Plus: "Das waren sehr persönliche Dinge, das betrifft meine Mama, meine Schwester."

"Ich habe versucht nicht hinzuhören, aber er hat die Worte immer wieder wiederholt", ergänzte der Mittelfeldstar.

Zidane entschuldigte sich für seinen Ausraster: "Ich bitte um Verzeihung bei allen Kindern, die das gesehen haben. Dafür gibt es keine Entschuldigung." So dürfe man sich nicht verhalten, erklärte der Franzose. "Ich muss es laut und deutlich sagen, weil es von zwei bis drei Milliarden Fernsehzuschauern und Abermillionen Kindern gesehen wurde."

Bedauern wollte Zidane seine Handlungsweise aber nicht. "Ich kann meine Handlung nicht bedauern, weil das bedeuten würde, dass er Recht hatte, es zu sagen. Ich kann es nicht, ich kann es nicht sagen. Nein, er hat kein Recht das zu sagen, was er sagte."

Zidanes Motivation für seine Aktion zehn Minuten vor Ende der Verlängerung hatte weltweit für Rätselraten gesorgt. Bis zu seinem TV-Auftritt hatte der Mittelfeldstar, der für seine Unbeherrschtheit die Rote Karte sah und seinem Team deswegen im Elfmeterschießen gegen die Squadra Azzurra fehlte, über den Auslöser für seinen unverständlich erscheinenden Blackout geschwiegen.

Materazzi hatte die Beschimpfung des Weltmeisters von 1998 eingeräumt. "Ich habe Zidane beleidigt", sagte der 32-Jährige der "Gazzetta dello Sport", seine exakten Worte jedoch nicht preisgegeben: "Ich habe ihn aber sicher nicht als Terroristen bezeichnet. Ich bin ein unwissender Mensch, da weiß ich doch nicht, was ein islamischer Terrorist ist. Ich habe auch bestimmt nicht Zidanes Mutter erwähnt. Für mich ist eine Mutter heilig."

Materazzis Darstellung zufolge wäre Zidanes Hochmütigkeit die Ursache für den Disput der beiden Profis gewesen: "Ich hatte ihn für einige Sekunden am Trikot festgehalten, dann schaute er mich in einer super-arroganten Art von oben bis unten an und meinte: 'Wenn du mein Trikot wirklich haben willst, dann kannst du es nach dem Spiel haben.' Danach habe ich mit der Beleidigung reagiert. Ich habe etwas gesagt, das Dutzende Male gesagt wird und auf dem Fußballfeld einfach mal rausrutscht."

Für die Analyse der TV-Bilder von der entscheidenden Szene während des Finales waren sogar Lippenleser von Medien in Brasilien und England engagiert worden. Dabei meinten Experten für Brasiliens TV-Kanal Globo, dass Materazzi Zidanes Schwester zweimal als Prostituierte bezeichnet haben soll. Nach Ansicht der Lippenleser, die für drei englische Zeitungen dem Geheimnis auf die Spur kommen sollten, war Zidane von Inter Mailands Abwehrspieler entgegen Materazzis Interview-Version "Sohn einer terroristischen Hure" genannt worden.

Ungeachtet seiner Erklärung droht Zidane die Aberkennung des "Goldenen Balles" als bester Spieler der WM in Deutschland. Weltverbands-Chef Joseph S. Blatter kündigte an, die Hintergründe für den Platzverweis im Finale gegen Italien am vergangenen Sonntag in Berlin von der Fifa-Disziplinarkommission untersuchen lassen zu wollen. Danach soll entschieden werden, ob der 34-Jährige den Goldenen Ball behalten darf. "Die Exekutive der Fifa hat die Pflicht einzugreifen, wenn die ethischen Grundsätze des Sports verletzt werden", sagte Blatter italienischen Zeitungen: "Es hat mir weh, sehr weh getan, das zu sehen. Ich kenne Zidane seit vielen Jahren. Ich kenne seine außerordentliche Persönlichkeit, seinen Lebensstil und seine Familie. Ihn so handeln zu sehen, hat mir für ihn und für das Fairplay weh getan."

pav/sid/dpa



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