Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Zidanes Aussetzer: Materazzi räumt Beleidigung ein

Jetzt ist es sicher: Italiens Spieler Materazzi hat Zidane beleidigt, bevor der ihn mit einem Kopfstoß umrannte. Doch beide schweigen dazu, was gesagt wurde. Die "Times" will per Lippenleser die Worte "Sohn einer Terroristen-Hure" identifiziert haben. Materazzi widerspricht.

Hamburg - Materazzi gab zu, dass er Zidane vor dem Kopfstoß beleidigt habe. Der Franzose habe sich vor dem Zwischenfall "super-arrogant" verhalten, verteidigte sich der italienische Verteidiger in einem Bericht der "Gazzetta dello Sport". Es sei "eine Beleidigung von der Art" gewesen, "wie man sie Dutzende Male hört und die uns auf dem Platz herausrutschen", so Materazzi.

Er habe Zidane nur kurz am Trikot festgehalten. Darauf habe ihn der Franzose herablassend gemustert und gesagt, wenn er wolle, könne er das Trikot nach dem Spiel haben. "Ich habe ihm mit einer Beleidigung geantwortet, das stimmt."

Er widersprach aber Berichten der französischen Zeitung "L'Equipe" und des englischen "Guardian", wonach er Zidane vor dessen Kopfstoß als "Terrorist" bezeichnet haben soll. "Ich bin nicht gebildet, ich weiß nicht mal, was ein Terrorist ist", sagte der 32-Jährige und beteuerte zudem: "Ich habe ganz bestimmt nicht die Mama von Zidane beschuldigt - für mich ist die Mama heilig." Die Zeitung "Corriere della Serra" verwies darauf, dass der Spieler von Inter Mailand seine eigene Mutter im Alter von 14 Jahren verloren habe.

Die britische "Times" fand dagegen mit einer Gutachterin für Kriminalverfahren und eines Dolmetschers heraus, dass der Italiener den französischen Kapitän als "Sohn einer Terroristen-Hure" beleidigt und dann "Verpiss dich doch einfach" gesagt habe. Andere Lippenleser legten dem Italiener nach Angaben des brasilianischen TV-Senders "Globo" in den Mund, dass er Zidanes Schwester zweimal als Prostituierte bezeichnet habe.

Die Lippenleser von "Globo TV" waren schon einmal in der Gruppenphase der WM in Erscheinung getreten, als sie die Worte von Carlos Alberto Parreira entschlüsselt hatten. Der brasilianische Nationalcoach hatte dies als Eindringen in seine Privatsphäre bezeichnet.

Zidanes Manager Alain Migliaccio kündigte an, sein Schützling werde in den nächsten Tagen über den Vorfall sprechen. "Bis jetzt hat er mir nur gesagt, dass Materazzi etwas sehr Ernstes zu ihm gesagt hat." Üblicherweise bleibe Zidane gelassen, am Sonntagabend im Berliner Olympiastadion sei aber "etwas in ihm explodiert".

thr/AFP/sid

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Zidanes Kopfstoß: Ende Legende

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: