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Zidanes Rote Karte: Schiedsrichter bestreitet Einsatz von Videobeweis

Es dauerte Minuten, bis Zinedine Zidane nach seiner Attacke gegen Marco Materazzi des Platzes verwiesen wurde. Italiens Trainer Lippi behauptet, ein Videobeweis habe zur Roten Karte geführt- doch dem widersprach der vierte Schiedsrichter.

London - Marcello Lippi betonte laut einem Bericht der britischen Zeitung "Guardian", sein Spieler Materazzi habe Frankreichs Mittelfeldspieler Zidane weder provoziert, noch Schiedsrichter Horacio Elizondo alarmiert, um sich über den brutalen Kopfstoß von Zinedine Zidane zu beschweren.

Vielmehr habe der Schiedsrichter, der die Attacke Zidanes nicht live gesehen habe, Hilfe von Assistenten an der Seitenlinie erhalten, sagte Lippi. Der vierte und der fünfte der Unparteiischen - die sich sonst nur um die Einwechselung von Spielern kümmern oder dafür sorgen, dass die Trainer nicht die Coachingzone verlassen - hätten die Tätlichkeit per Video festgestellt.

Bislang haben noch nie Unparteiische in den Spielverlauf eingegriffen, die nicht als Hauptschiedsrichter oder als Assistenten - also als Linienrichter - eingesetzt waren. Das wäre also ein Novum in der Fußballgeschichte.

"Wir waren es nicht, die den Platzverweis gefordert haben. Das will ich an dieser Stelle klarstellen. Es war der 4. Schiedsrichter mit Hilfe der Zeitlupe", sagte Lippi gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. "Ich weiß nicht, ob es das erste Mal war, dass die Zeitlupe in einem solchen Fall herangezogen wurde. Aber es ist so gelaufen."

Dem widersprach allerdings der vierte Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo: Er habe den Kopfstoß gesehen - und zwar mit eigenen Augen und nicht am Bildschirm. Danach habe er seine Beobachtung mit Hilfe des Kommunikationssystem an den Schiedsrichter weitergegeben.

Der italienische Trainer nahm ausdrücklich seinen Spieler Materazzi in Schutz. Er habe nicht provoziert. "Er erhielt einen Stoß und wurde verletzt", sagte Lippi. Der Trainer wollte sich gestern Abend nach dem Spiel nicht dazu äußern, was Materazzi dem französischen Spieler zugemurmelt hatte, und fügte geheimnisvoll hinzu: "Morgen wird Frankreich die Wahrheit über Zidane kennen."

Die Fifa hatte den Videobeweis bisher abgelehnt. "Solange ich Fifa-Präsident bin, wird es keinen Videobeweis geben. Der Fußball ist ein Spiel mit menschlichem Gesicht, ein Spiel mit Irrtümern von Trainern, Spielern und Schiedsrichtern", hatte Fifa-Chef Joseph Blatter zur Begründung gesagt. Kurz zuvor hatte Frankreichs Trainer Raymond Domenech die Einführung dieses technischen Hilfsmittels gefordert, nachdem beim 1:1 gegen Südkorea ein klares Tor seines Teams nicht anerkannt worden war. "Es ist schade, dass die Fifa beim größten Turnier der Welt nicht alle Hilfsmittel hernimmt, um festzustellen, ob ein Tor gefallen ist", kritisierte Domenech.

Sollte Lippi recht haben, war es jetzt Domenechs Mannschaft selbst, die im Finale gegen Italien durch den Videobeweis entscheidend geschwächt wurde. "Der Platzverweis für Zidane hat das Spiel gedreht. Es war der Schlüsselmoment des Spiels", sagte Domenech.

Zidane hatte seinen Gegenspieler Materazzi in der 110. Spielminute attackiert, indem er seinen Kopf gegen die Brust des Italieners gewuchtet hatte. Nach einer Verständigung mit dem vierten Unparteiischen zückte Schiedsrichter Elizondo daraufhin die Rote Karte.

Die erste Sperre durch Videobeweis bei der Weltmeisterschaft gab es gegen Deutschlands Nationalspieler Torsten Frings. Der Fernsehsender "Sky Italia" hatte eine Szene ausgestrahlt, in der die Faust von Frings gegen Argentiniens Spieler Julio Cruz ging. Daraufhin hatte die Fifa nach dem Viertelfinalspiel das Verfahren neu eröffnet und den Bremer wegen seiner Beteiligung an den Rangeleien für ein Spiel - das Halbfinale gegen Italien - gesperrt.

hen/dpa

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