Manchester-Angreifer Ibrahimovic 35 Jahre, 32 Titel

In diesem Alter in die härteste Liga der Welt zu wechseln - selbst für Zlatan Ibrahimovic schien das zu schwierig. Nun hat der Schwede seinen ersten großen Titel in England geholt.

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Als alles vorbei war, die Tore geschossen, der Titel gewonnen, musste Zlatan Ibrahimovic einem Teamkollegen noch mal beistehen. "Dieser Mann hier macht den Unterschied", sagte Manchester Uniteds Mittelfeldspieler Paul Pogba einem Reporter, er meinte natürlich Ibrahimovic. "Das ist der Grund, warum sie ihn gekauft haben."

Bitte? Der neben Pogba stehende Ibrahimovic zog die Augenbrauen zusammen und fiel seinem Kollegen ins Wort: "Ich bin umsonst gekommen. DICH haben sie gekauft!" Unter lautem Gelächter gab der Franzose seinen Fehler zu.

Es stimmt ja: Zlatan Ibrahimovic, der schillernde schwedische Angreifer, war vor der Saison ablösefrei von Paris St. Germain zu dem englischen Klub gewechselt. Nach einer Saison mit mehr als 50 Toren, nach vier Meistertiteln in Serie, suchte er eine neue Herausforderung. Also ging er in die Premier League, eine Liga, in der er noch nie gespielt hatte und die als die härteste der Welt gilt. Er war damals 34 Jahre alt.

"Ich soll gewinnen - und ich gewinne"

In Manchester wird man mit Blick auf die Gehaltsabrechnung des Superstars wohl nicht behaupten, dieser sei "umsonst" gekommen. 237.000 Euro soll Ibrahimovic dort gerüchteweise pro Woche verdienen. Der zahlt in seiner Währung zurück: Mit zwei Toren hat der Stürmer United den ersten großen Titel der Saison geschenkt. Ein Freistoßtreffer, ein Kopfballtor kurz vor Schluss, zuvor hatte er sogar in höchster Not im eigenen Strafraum geklärt - Ibrahimovic war beim 3:2-Finalsieg des Ligapokals gegen den FC Southampton der Matchwinner. "Dafür bin ich gekommen. Ich soll gewinnen - und das tue ich", sagte er.

Große Siege, vor allem aber Titel waren zuletzt etwas rar geworden bei United. Der letzte Ligapokalsieg lag bereits sieben Jahre zurück, international ist es sogar noch länger her. 2008 gewann der Klub die Champions League. Die Meisterschaft feierte man zuletzt 2013. Die Siegermentalität des englischen Rekordmeisters schien nach dem Abgang des langjährigen Trainers Sir Alex Ferguson verloren gegangen zu sein.

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Zlatan Ibrahimovic: Doppelkopf

Mit dem FA-Cup-Triumph 2016 gab es dann doch wieder etwas zu bejubeln - und seit der Ankunft von Ibrahimovic ist die Euphorie unter den Fans noch größer. Gleich in seinem ersten Spiel hatte der Stürmer seinen neuen Klub zum ersten Titel geschossen, auch wenn der vor der Saison gewonnene Community Shield gegen Leicester ein geringeres Ansehen hat als die anderen Pokalwettbewerbe.

"Man wertschätzt es mehr, wenn man älter wird"

Seit seinem ersten Auftritt in England hat Ibrahimovic 15 Tore in der Liga geschossen (was einem 35-Jährigen noch nie gelungen war), fünf weitere in der Europa League, darunter ein Dreierpack gegen Saint-Étienne, der den Einzug ins Achtelfinale sicherte. Ibrahimovic jubelte auch schon mal mit Fans auf dem Platz.

"Er hat sich sehr schnell zum Talismann von Manchester United entwickelt", sagte jüngst Vereinslegende Ryan Giggs. Ob sich gerade etwas Besonderes entfalte in Manchester, wurde Ibrahimovic nach dem Spiel gegen Southampton von einem Reporter gefragt. Seine Antwort: "Ich bin gekommen. Das ist besonders." Der zweite "Special One" bei Manchester neben Trainer José Mourinho.

Bei seinen bisherigen Stationen in Frankreich, Italien (Juventus Turin, Inter Mailand, AC Mailand), Spanien (FC Barcelona) und den Niederlanden (Ajax Amsterdam) gewann Ibrahimovic unzählige Titel. Obwohl, unzählig ist nicht ganz richtig - einer hat schon mitgezählt: "Das ist mein 32. Titel. Wo ich auch war, habe ich gewonnen", sagte Ibrahimovic: "Es geht nur ums Gewinnen und Trophäen sammeln. Man schätzt es mehr, wenn man älter wird."

Die Vertragsverlängerung ist noch nicht sicher

Dabei hatte nicht jeder an den Ibrahimovic-Erfolg in England geglaubt, vor allem wegen des Alters. "Viele haben gedacht, dass ich es nicht schaffe", sagt der Schwede. Sein Coach Mourinho gehörte nicht zu den Zweiflern. "Ich habe ihn in Italien (bei Inter Mailand, d. Red.) gecoacht, ich kannte sein Potenzial. "Nur ein dummer Spieler kommt mit 35 nach England, wenn er nicht fühlt, dass er es schaffen kann."

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings doch für Ibrahimovic: Eine hübsche Serie droht zu reißen, denn bislang galt: Im ersten Jahr in einem neuen Land holt Ibrahimovic den Meistertitel. Das war bei Ajax 2002 so, bei Juventus Turin 2005, beim FC Barcelona 2010 und auch bei Paris St. Germain 2013. In dieser Saison wird das kaum mehr möglich sein, United hat nach 25 Spieltagen 15 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Chelsea.

Also ein neuer Anlauf in der kommenden Saison? Das ist noch nicht sicher. Denn Ibrahimovic müsste dafür seine Option auf eine Vertragsverlängerung ziehen, er überlegt aber noch, auch ein Wechsel in die US-Liga gilt als möglich. "Ich bettle nie einen Spieler an, für mich zu spielen", sagte Mourinho. Doch der Trainer hat schon eine Idee, wie man den Schweden trotzdem überzeugen kann: "Vielleicht können die Fans eine Nacht vor seinem Haus campieren."

Mit Material von AP und Reuters



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vliege 27.02.2017
1. Genie und Wahnsinn = Ibracadabra
Für mich der kompletteste Stürmer aller Zeiten und leider nur im Schatten von den gehypten braven Messi und Ronaldo. Hätte einmal den Titel als Weltfussballer verdient gehabt. Solche "Typen" gibt's heutzutage nicht mehr. Dare to be Zlatan!
BernieistAnders 27.02.2017
2. Ibrahimovic war nie absolute Weltklasse
Sie sprechen von der härtesten Liga der Welt, was genau soll das heissen? Fakt ist sie fallen seit Jahren, mittlerweile sind sie nur die drittbesten in Europa und bald werden sie auch von Italien überholt. Insofern ist auch Ibrahimovic in der passenden Liga. Genauso wie die Liga, war auch er immer überschätzt. Aber beide sind eben sehr gut in der Aussendarstellung. Leute die wenig Ahnung haben sind Ibrahimovic-Fans und schauen vermutlich diese Liga.
jujo 27.02.2017
3. ...
Zitat von BernieistAndersSie sprechen von der härtesten Liga der Welt, was genau soll das heissen? Fakt ist sie fallen seit Jahren, mittlerweile sind sie nur die drittbesten in Europa und bald werden sie auch von Italien überholt. Insofern ist auch Ibrahimovic in der passenden Liga. Genauso wie die Liga, war auch er immer überschätzt. Aber beide sind eben sehr gut in der Aussendarstellung. Leute die wenig Ahnung haben sind Ibrahimovic-Fans und schauen vermutlich diese Liga.
Ibrahimovic hat sich in allen (!) nahmhaften Ligen Europas behauptet. In England mit 35 immer noch Spitzenspieler. In die BL wechselt er erst mit 40, das reicht noch aus um auch in Deutschland Spitzenspieler zu sein! :-)
ColdDayInTheSun 27.02.2017
4.
Also rein vom Prestige ist der Stellenwert des League Cup irgendwo um den Audi-Cup des Bayern München einzuordnen, oder dem Hallenfussball-Meistertitel... mag ja sein, dass die FA dafür gerne einen Startplatz in der Europa League springen lässt, aber fast jedes Spitzenteam in England lässt da einfach nur eine B-Mannschaft auflaufen und zeigt deutlich wie egal ihnen dieser Wettbewerb ist... Als "großer Titel" gilt in England selbst eigentlich ernsthaft nur der Premier League Titel...
rimaldo 27.02.2017
5. Er stört gute Mannschaften
Wenn Ibra in der Mannschaft ist, dreht sich alles zu sehr um ihn, obwohl er eben nicht stabil Weltklasse spielt. Seine Art zu spielen ist veraltet und deswegen hat ManU auch keine Chance in der Liga. In Paris hat er so viele Spieler blockiert, diese blühen ohne ihn wieder auf! Er ist ein toller Spieler, aber eben nicht geeignet für Spitzennannschaften, die um die Champions League spielen.
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