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Politische Statements im Stadion: Eine Botschaft, die unter die Haut geht

Er schoss, traf - und zog sich aus: Zlatan Ibrahimovics Oberkörper schmücken neuerdings Dutzende Namen, so macht er auf den Hunger in der Welt aufmerksam. Wir erinnern an Fußballer, die auf dem Platz Politik machten.

Hamburg - Dass Zlatan Ibrahimovic als Stürmer zuverlässig ist, beweist er Woche für Woche bei Paris St. Germain. Dass der schwedische Stürmerstar auch als Werbepartner funktioniert, zeigte er am Wochenende gegen Caen. Nach nur 72 Sekunden traf Ibrahimovic zum 1:0 (Endstand 2:2), jubelte kurz mit den Teamkollegen, dann zog er sein Trikot aus. Zum Vorschein kam sein mit Namen übersäter Oberkörper.

Zusätzlich zu seinen alten Tattoos trug Ibrahimovic die Namen von 50 Menschen, die Hunger leiden, zur Schau. Er unterstützte mit der Aktion das Projekt "805 Millionen Namen", mit dem das Welternährungsprogramm (WFP) auf den Hunger in der Welt aufmerksam machen will.

"Wo ich auch hingehe, erkennen mich die Leute, rufen meinen Namen, jubeln für mich", sagt Ibrahimovic im Video zu der Kampagne. "Aber es gibt Namen, um die sich niemand schert: Diejenigen der 805 Millionen Hungernden in der heutigen Welt."

Es habe Spekulationen über die Tattoos gegeben, sagte Ibrahimovic nach der Partie auf einer Pressekonferenz mit Marina Catena vom WFP in Frankreich: "Aus meiner Sicht gibt es keine schlimmere Katastrophe als den Hunger in der Welt", fügte er hinzu. Für die Aktion sah Ibrahimovic vom Schiedsrichter die Gelbe Karte. Dazu sagte er, das Ganze sei nicht genau geplant gewesen. "Es sollte zwar passieren, aber dass es schon nach zwei Minuten passierte, war ein Bonus."

Die abwaschbaren Tattoos prangten in schwarzer Schrift auf Bauch, Brust, Rücken und Armen des Sportlers. Neben der Namensaktion ruft Ibrahimovic in einem Werbespot des WFP zu einem stärkeren Bewusstsein für das Problem des Hungers auf. "Das ist das erste Mal, dass ich mich im humanitären Bereich einsetze", sagte der Sportler.

T-Shirt-Botschaften, Salutieren oder der Kommunistengruß: Ibrahimovic reiht sich mit seiner Aktion ein in die Liste der Fußballer, die sich auf dem Platz zu politischen Statements hinreißen lassen. Der Überblick:

Zlatan Ibrahimovic: Zlatan vorher, Zlatan nachher: Der ohnehin schon größerflächig tätowierte Schwede von Paris St. Germain zeigte nach seinem Tor im Spiel gegen Caen seine neuen Bemalungen.

Nach 72 Sekunden hatte Ibrahimovic getroffen, dann lupfte er sein Trikot. Darunter kamen die Namen von 50 Menschen zum Vorschein, die Hunger leiden.

Ibrahimovic beteiligt sich an einer Kampagne des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen.

"Es gibt Namen, um die sich niemand schert: Diejenigen der 805 Millionen Hungernden in der heutigen Welt", sagte Ibrahimovic. Das wolle er mit seiner Aktion ändern.

Robbie Fowler: Der Stürmer vom FC Liverpool zeigte 1997 seine Verbundenheit mit den Hafenarbeitern der Stadt, denen der Jobverlust drohte. Das T-Shirt, das an das berühmte Logo des Designers Calvin Klein angelehnt war, trugen damals viele Prominente aus Liverpool. Fowler musste für die Aktion 900 Pfund Strafe zahlen.

Paolo Di Canio: Der langjährige Kapitän von Lazio Rom fiel immer wieder mit dem Faschisten-Gruß auf, den der unverbesserliche Di Canio stets als "römischen Gruß" bezeichnete. Er zeigte diesen unter anderem 2005 im Stadt-Derby gegen AS Rom und musste dafür 10.000 Euro Strafe zahlen.

Cristiano Lucarelli: Der Stürmer aus Livorne bejubelte seine Treffer gerne mit der hochgereckten Faust, dem Gruß der Kommunisten. Dafür wurde er von der Serie regelmäßig mit höheren Strafen als Di Canio belegt.

Lucio und Ze Roberto: Jesus, immer wieder Jesus: Besonders brasilianische Bundesligaprofis zeigten ihre Religiosität gerne und oft.

Káká: Auch der ehemalige Weltfußballer aus Brasilien stand öffentlich zu seinem Glauben. "Ich gehöre zu Jesus" steht hier auf seinem Shirt.

Mario Mandzukic: Viel Ärger brachte dem Bayern-Stürmer 2012 seine Geste ein, als er nach einem Tor salutierte. Mandzukic wehrte sich gegen Behauptungen, er habe so seine Verbundenheit mit Ante Gotovina und Mladen Markac ausdrücken wollen. Die beiden kroatischen Generäle waren gerade vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag freigelassen worden. Mandzukics Manager Ivan Cvetkovic wurde von der Tageszeitung "Vecernji List" mit den Worten zitiert: "Ich bin stolz auf Mario und erfreut darüber, wie er sein Tor gefeiert hat und sich allen Kroaten angeschlossen hat in der Freude über die Rückkehr unserer Generäle." Der DFB beließ es aber bei einer Ermahnung.

Park Jong-Woo: Nach dem gewonnenen Spiel um Bronze beim olympischen Fußballturnier 2012 in London hielt der Südkoreaner ein Plakat mit dem Slogan "Dokdo ist unser Territorium" in die Höhe. Die Inselgruppe mit dem deutschen Namen Liancourt-Felsen liegt zwischen Japan und Südkorea und ist immer wieder Streitpunkt zwischen beiden Nationen. Park Jong-Woo wurde für zwei Spiele in der WM-Qualifiaktion gesperrt.

Nicolas Anelka: Der stürmende Weltreisende war einer der französischen Sportler, die in der Öffentlichkeit den Quenelle-Gruß zeigten. Frankreichs Innenminister Manuel Valls hatte die Geste zuletzt mit Antisemitismus in Verbindung gebracht. Anelka machte die Geste als Torjubel im Winter 2013 nach einem Treffer für seinen damaligen Verein West Bromwich Albion. Frankreichs Sportministerin Valérie Fourneyron sprach von einer "schockierenden Provokation". Der englische Fußballverband sperrte den Stürmer für fünf Spiele.

Anthony Ujah: Kölns Stürmer Ujah zeigte im Winter 2014 ein T-Shirt, das er unter dem Trikot getragen hatte, mit der Aufschrift "Eric Garner #cantbreathe #justice". Damit protestierte er gegen einen Polizeieinsatz in New York, bei dem der Afroamerikaner Garner gewürgt worden war. Garner starb an den Folgen des Einsatzes. Ujah wurde nicht gesperrt, sondern nur ermahnt.

Haris Seferovic: Auch der Schweizer Seferovic von Eintracht Frankfurt wurde im Dezember 2014 vom DFB nur ermahnt, als er auf seinem T-Shirt nach einem Treffer zu Zivilcourage aufrief ("Tugce - Zivilcourage, Engel, Mut, Respekt"). Er gedachte damit der verstorbenen Tugce A., die nach einer Auseinandersetzung in Offenbach im November zunächst ins Koma gefallen war und später ihren Verletzungen erlag. Die Studentin hatte andere Mädchen schützen wollen.

luk/dpa/AFP

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insgesamt 32 Beiträge
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1. ulbrichwinklern
quarry 16.02.2015
Es ist sinnvoll den kompletten Artikel zu lesen. Die Tattoos sind nicht echt haben also ganz sicher keine hunderte Euros gekostet. Im übrigen spendet er oft. KAnn man ganz leicht nachforschen.
2.
h.patrick 16.02.2015
Wow Von dem was der Westen täglich wegwirft könnte die welt 3mal ernährt werden...
3. Warum ...
MaxSeelhofer 16.02.2015
... macht er nicht darauf aufmerksam, dass es immer weniger Hunger auf der Welt gibt?
4. @ulbrichwinklern
lasterfahrer 16.02.2015
es steht doch im artikel: "abwaschbare tatoos". man muss so einen artikel natürlich nicht lesen, es reicht ihn mal zu überfliegen, um am ende schnell einen kommentar drunterzuklatschen. hauptsache man hat seinen meinung kundgetan..
5. Typisch Deutsch....
32bitoctett 16.02.2015
Anstatt einfach mal anerkennend zu nicken muss der obrigkeitshörige Deutsche empört den Kopf schütteln...
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