Zockende Fußballer Ex-Profi beschuldigt Management von St. Pauli

Der ehemalige St.-Pauli-Profi René Schnitzler hat sich als Zocker geoutet - und auch sein ehemaliger Vereinskamerad Andreas Biermann war spielsüchtig. Im SPIEGEL-Interview spricht Biermann über die Gründe und wirft seinem früheren Verein Verantwortungslosigkeit vor.

Ex-Profi Biermann: "Irgendwas ging immer."
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Ex-Profi Biermann: "Irgendwas ging immer."


Hamburg - Geld bei Poker und Sportwetten zu riskieren, ist unter Fußballprofis offenbar weit verbreitet. "Bei den Vereinen, bei denen ich war, wurde generell sehr, sehr viel gespielt", sagt Andreas Biermann, 30, ehemaliger Fußballprofi des FC St. Pauli, im Interview mit dem SPIEGEL. "Irgendwas ging immer." Unter den Spielern sei man offen mit dem Thema umgegangen. "Als neuer Spieler bekommt man schnell mit, wer im Team pokert."

Der Grund, warum Fußballprofis zu Zockern werden, liegt für Biermann nahe: "Man ist gewohnt, mit einem Spiel sein Geld zu verdienen. Man ist daher bereit, auch auf andere Art um Geld zu spielen. Wenn man auf dem Platz gewinnt, bekommt man eine Prämie - und beim Pokern ist es ja eigentlich auch so."

Verteidiger Biermann spielte bei dem Hamburger Club in der Saison 2008/2009 zusammen mit Stürmer René Schnitzler, der nach eigenen Angaben 100.000 Euro von der Wettmafia angenommen hat, um Fußballspiele zu manipulieren und Spielschulden zu begleichen. "Seine Undiszipliniertheiten hat er regelmäßig gehabt. Das war kein Geheimnis", sagt Biermann. "Er hat auch erzählt, wenn er gezockt hat. Auch wenn er verloren hat. Teilweise habe ich schon gedacht: Gott, oh Gott."

Dem FC St. Pauli wirft Biermann vor, seiner Verantwortung nicht ausreichend gerecht zu werden. "Bwin-Poker war in der Saison 2008/2009 Sponsor von St. Pauli. Das Geld vom Wettanbieter hat der Verein gerne genommen. Es wurden auch regelmäßig Spieler auf offizielle Sponsorentermine zum Pokern geschickt, auch ich und Schnitzler", berichtet er. "Da kann der Verein sich nicht aus der Verantwortung herausziehen und behaupten, man habe nichts gewusst."

Biermann ist seit dem Auslaufen seines Vertrages bei St. Pauli Ende Juni 2010 arbeitslos. Er hatte öffentlich eingestanden, unter Depressionen zu leiden, "seitdem gelte ich den Clubs als nicht vermittelbar. Meinem Berater wurde das ganz deutlich gesagt".

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langenscheidt 08.01.2011
1. Wahre Wunder
Wie böse doch eine Vereinsführung sein kann. Weil der Trikotsponsor ne Wettfirma war, "mussten" Spieler bei Sponsorenterminen pokern und spielsüchtig werden. Aber um jedes Wochenende so gut zu sein, daß man fürs Fußballspiel aufgestellt werden konnte, drängte der Fußballclub nicht, hmm? Am Besten ist, man hält seinen Mund und quatscht nicht Blech mit Soße. Ach nee, für solchen Stuß bekommt man Honorar von den Medien?
Koltschak 08.01.2011
2. So viel zu Depressionen nach Enkes Tod...
.....es ist nur noch zum Kotzen! Eben noch: Ja wir müssen alle zusammen halten und wir müssen alle lernen! ALLE!! Und jetzt will keinen Club diesen Spieler verpflichten wg. Depression! Deisleer, Enke... das macht keinen Unterschied. Egal ob vorher oder nachher - nichts hat sich geändert, absolut nichts! Außer dass einige Krokodilstränen verflossen sind! Andreas Biermann; das ist ein Fall für die BILD. Das ist das einzige Medium in Deutschland, das noch etwas bewegen kann. Heuchler, Lügner, Widerlinge. Der DFB, die Vereine, die Vereinspräsidenten.
spiozo 08.01.2011
3. so ist das
Zitat von Koltschak.....es ist nur noch zum Kotzen! Eben noch: Ja wir müssen alle zusammen halten und wir müssen alle lernen! ALLE!! Und jetzt will keinen Club diesen Spieler verpflichten wg. Depression! Deisleer, Enke... das macht keinen Unterschied. Egal ob vorher oder nachher - nichts hat sich geändert, absolut nichts! Außer dass einige Krokodilstränen verflossen sind! Andreas Biermann; das ist ein Fall für die BILD. Das ist das einzige Medium in Deutschland, das noch etwas bewegen kann. Heuchler, Lügner, Widerlinge. Der DFB, die Vereine, die Vereinspräsidenten.
Mir war klar das Deisler, Enke (das sind mal ganz Prominente, was ist mit den vielen anderen Ex-Sportlern die total abgerutscht sind?) kein Thema mehr sind wenn der Hype vorbei ist. So ist das leider nun mal, so lange es notwendig und medienwirksam ist zeigt sich die Prominenz, DFB, Kicker-Kollegen gerne im Rampenlicht. Wenn das Thema nicht mehr aktuell ist sind sie alle verschwunden.
onkel hape 08.01.2011
4. Wenn junge Spieler..
für ihre Balltreterei so unverschämt viel Geld erhalten maximal 3 Spiele pro Woche absolvieren, ansonsten außer höchstens 3 Stunden Training am Tag, sehr viel Freizeit haben, ist, wenn man sonst keine anderen Interessen oder Hobbys hat, die Gefahr natürlich groß, sein Geld zu verspielen u. dann, wenn man nicht genügend Reife, Charakterstärke hat, spielsüchtig zu werden. Offensichtlich ist das Problem bei den Liga-Spielern weit verbreitet. Da muss man sich schon fragen, warum die Manager/Trainer/Vereinsführungen, davor die Augen verschließen, sich nicht darum kümmern u. ihre Spieler in den Ruin laufen lassen. Die Vereine haben m.E. den Spielern gegenüber, die wie Schnitzler sagt, teilweise in den Beinen Weltklasse, im Kopf aber "Kreisklasse" sind, eine Fürsorgepflicht, um diesem traurigen Elend ein Ende zu machen!
Connor Larkin 08.01.2011
5. Immer sind die anderen Schuld
Ich denke schon dass es wünschenswert wäre, wenn die Vereine Ihre Spieler auch bei Problemen wie Spielsucht helfen. Aber es ist natürlich typisch für Süchtige die Schuld bei anderen zu sehen. Was Biermann da von sich gibt ist doch albern. In anderen Berufen bekommt man auch Prämien für erfolgreiche Geschäfte und deshalb wird doch keiner spielsüchtig. Einem Süchtigen kann man eh erst helfen, wenn er seine Sucht bekennt und den Willen hat dagegen anzugehen. Dem Verein wäre nur dann ein Vorwurf zu machen, wenn er Spieler, von denen er wußte dass diese spielsüchtig sind, zu Pokerturnieren geschickt hat. Es kann aber nicht vom einem Arbeitgeber verlangt werden, dass er seine Angestellten ständig psychologisch überwacht. Bzw. das ist sogar ausdrücklich verboten. Manchmal hab ich das Gefühl die gutbezahlten Herren der Fußballerzunft wollen immer wie Kleinkinder im Kindergarten betreut werden.
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