WM-Vergabe an Katar Zwanziger hält Ermittlungen gegen Beckenbauer für möglich

Muss Franz Beckenbauer eine Strafe der Fifa fürchten? Nach Ansicht von Theo Zwanziger sind zumindest Fragen an den "Kaiser" angebracht. Es geht um Beckenbauers Rolle bei der umstrittenen Vergabe der WM 2022 an Katar.

Fußball-Idol Beckenbauer: Fragebogen nicht vollständig verstanden
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Fußball-Idol Beckenbauer: Fragebogen nicht vollständig verstanden


Hamburg - Fifa-Exekutivmitglied Theo Zwanziger schließt eine Untersuchung der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes gegen Franz Beckenbauer nicht aus. "Wenn man das Ethikreglement liest, wird man zu Punkten kommen, wo man Fragen stellen kann", sagte Zwanziger in São Paulo.

Die "Welt" berichtet, dass Beckenbauer von Michael Garcia kontaktiert worden ist. Der US-Staatsanwalt leitet die 2012 von der Fifa gegründete Ethikkommission, die sich mit den Korruptionsvorwürfen rund um die WM 2022 befasst. 2010 wurde das Turnier nach Katar vergeben. Damals war Beckenbauer noch Exekutivmitglied der Fifa und stimmte mit darüber ab, welches Land den Zuschlag erhält.

Um Bestechungsvorwürfe zu untersuchen, kontaktierte Garcia alle damaligen Fifa-Exekutivmitglieder - also auch Beckenbauer. Allerdings soll das deutsche Fußballidol weder auf die erste noch auf eine weitere Kontaktaufnahme Garcias reagiert haben. Nach eigener Aussage hatte Beckenbauer einen Fragebogen auf Englisch erhalten, den er nicht komplett verstanden habe. "Deshalb habe ich darum gebeten, dass man sich trifft und die Sache auf Deutsch bespricht. Das wurde offenbar nicht gewünscht", wird Beckenbauer in der "Welt" zitiert.

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WM in Katar: Die Fifa, eine WM und viele Vorwürfe
Laut Fifa-Ethikreglement sind Personen, die ein offizielles Amt im Fußball ausüben, verpflichtet, zur Aufklärung der Vorwürfe beizutragen. "Fehlende Kooperation kann zu einer Sanktionierung gemäß diesem Reglement führen", heißt es in Artikel 42. Beckenbauer ist Ehrenpräsident des FC Bayern München. Allerdings ist unklar, ob diese Funktion von der Fifa überhaupt als aktives Amt gewertet wird.

Die "Sunday Times" hatte berichtet, dass Beckenbauer vor und nach der WM-Vergabe nach Katar auf Einladung des mittlerweile lebenslang gesperrten Fifa-Vizepräsidenten Mohamed bin Hammam im Emirat zu Besuch war. Ende Juni 2011 flog Beckenbauer unter anderem mit vier Managern aus dem Firmenkonglomerat des Hamburger Reeders Erck Rickmers nach Doha. Rickmers hatte 2010 insgesamt 250.000 Dollar an die Franz-Beckenbauer-Stiftung gespendet. Das bestätigt das Beckenbauer-Umfeld. Bin Hammam hatte die Reise und die Kontakte organisiert, wie aus den Unterlagen der "Sunday Times" hervorgeht.

Die Unternehmensgruppe "E.R. Capital Holding" teilte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit, Beckenbauer sei "zwischen April 2011 und März 2014" als "Berater und Botschafter" tätig gewesen. Beim Trip nach Katar sei es "um die mögliche Zusammenarbeit der E.R. Gruppe mit katarischen Investmentfonds und einer Beteiligungsmöglichkeit im Schifffahrtsbereich" gegangen. Es hätten sich daraus keine Beteiligungen ergeben. Bin Hammam habe nicht an Gesprächen mit potenziellen Investoren teilgenommen und die Reise der Hamburger nicht bezahlt.

ham/dpa

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educator 09.06.2014
1.
Also der Blatter ist derjenige der verhört werden müsste.
lce 09.06.2014
2.
Soso Herr Beckenbauer, das Englisch reicht also durchaus, um Fifa-Exekutivmitglied zu sein und die Emire in Fragen der Seeschifffahrt zu beraten, aber nicht, um einen Fragebogen zu verstehen? Wer Ihnen an die Haut will, der soll doch bitteschön auf Deutsch vorstellig werden? Wir haben verstanden.
Zaphod 09.06.2014
3. Kosmopoliten im Fussball
Nur die fähigsten Köpfe können eine Fußball-Weltmeisterschaft organisieren. Es bedarf Engagement und viel Idealismus, um Spiele zu ermöglichen, die die Menschen auf der ganzen Welt begeistern. Franz Beckenbauer gehört zu den wenigen Personen auf dieser Welt, die bereit und in der Lage sind, ein verantwortungsvolles Amt in der Fifa zu übernehmen. Er opfert Zeit für den Fußball und somit für alle Menschen. Insbesondere führt Franz Beckenbauer Verhandlungen auf vielerlei Sprachen. Er versteht es, Mittel zu finden, die die anderen Funktionäre überzeugen. Diese Mittel müssen gar nicht englische Konversationen sein. Es reichen häufig auch Zahlen, die niedergeschrieben werden. Wir alle müssen dem Kaiser unendlich Dankbar sein für seine Taten für uns und für den Fußball!
romaval 09.06.2014
4. Was kann ein
ehemaliger Fußballer für eine Reederei tun? Hoechstens den Sheikh aus Katar mit dem Reeder zusammenbringen.Das ließ er such fürstlich bezahlen und bei dieser Gelegenheit auch gleich seine Stimme kaufen. Ich denke so war es und daß man wegen fehlender Sprachkenntnisse einen Fragebogen nicht ausfuellen kann.......Persoenlich kann man mehr rumeiern.Hoffentlich wird das Gespraech aufgezeichnet um " Missinterpretationen " zu vermeiden.
klopkop 09.06.2014
5. Überraschung???
Alle tun so überrascht. Korruption gehört zum Fussball, wie der Ball. Und das schon seit eh und je. Das unser Selbstherrlicher Kaiser da auch mitmischt, ist doch klar wie Kloßbrühe und zumindest für mich nicht verwunderlich.
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