Zweifel an Milliardengeschäften Der Sicherheits-Weltmeister

Zuschläge für die Fußball-WM 2018 und 2022, Großaufträge für Olympia: Eine Firma aus Katar dominiert das extrem lukrative Geschäft mit der Sportsicherheit. Mittendrin ist der Deutsche Helmut Spahn. Ein Fifa-Insider bezweifelt allerdings, ob es bei allen Deals mit rechten Dingen zugeht.

Sicherheitsexperte Spahn: "Keine dubiosen Machenschaften"
ICSS M&PR

Sicherheitsexperte Spahn: "Keine dubiosen Machenschaften"

Aus Doha berichten und


Helmut Spahn ist ein besonnener Mensch. Der ausgebildete Polizist ist schlank, durchtrainiert, hat einen festen Blick. Ihn scheint nur wenig aus der Ruhe zu bringen. Seinen Jeep lenkt er unaufgeregt durch Baustellen und über zweispurige Straßen, die in Katar als vierspurige Autobahn zweckentfremdet werden.

Jemanden, der für die Sicherheit bei den Fußball-Weltmeisterschaften 2006 und 2011 in Deutschland verantwortlich war, der für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) den Fall um Schiedsrichter Robert Hoyzer sowie den Wettskandal 2009 begleitete, kann eine solche Autofahrt nicht schockieren. Für Spahns Ruhe, Umsicht und Organisation gab es in den vergangenen Jahren von vielen Seiten Applaus, er gilt weltweit als Koryphäe bei alternativen Sicherheitsmethoden.

So etwas weckt Begehrlichkeiten. Im Herbst 2010 lockte Mohammed Hanzab den Deutschen. Der weltgewandte Katari studierte viele Jahre in Europa, arbeitete einst für die katarische Armee und im Wissenschaftssektor mit dem Schwerpunkt "Internationale Sicherheit". Er hatte die Idee, eine weltweit operierende und vernetzte Sicherheitsfirma zu gründen, die das Wissen von zahlreichen Experten bündeln soll. Für das "International Centre for Sport Security" (ICSS) mit Sitz in der katarischen Hauptstadt Doha sollte Spahn als Geschäftsführer gewonnen werden.

Seit September 2011 sitzt der 50-Jährige nun im Büro des ICSS. Der Neubau, etwas abseits des Wirtschaftsviertels gelegen, erstreckt sich über zwei Stockwerke. Er beherbergt technisch hochwertig ausgerüstete Konferenzräume und große Büros voller angesehener Sicherheitsexperten aus der ganzen Welt. Etwa 20 Personen sind mittlerweile festangestellt, sie kommen vom DFB, dem englischen Militär, waren Wirtschaftssanierer in Asien, haben bei der Uno, Fifa, Uefa und der Opec gearbeitet.

ICSS betreut fast alle Top-Events der kommenden zehn Jahre

Innerhalb weniger Wochen schaffte es die Firma, den internationalen Sport-Sicherheitsmarkt völlig umzukrempeln. Spahn und Hanzab bemühten ihre Kontakte und erhielten zuletzt die Zuschläge für die Sicherheitsplanung und -betreuung der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar. Zudem wird die Firma die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 sowie die Sommerspiele 2018 organisatorisch begleiten.

Die junge Firma betreut dank ihrer Coups nun beinahe alle internationalen Top-Veranstaltungen der kommenden zehn Jahre. Der Verbandspräsident eines großen Sportdachverbands glaubt jedoch, dass es bei den Deals nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. "ICSS bekommt die Aufträge als Zusatzpaket für die WM 2022. Das war eine der Bedingungen", sagte er SPIEGEL ONLINE. Die Vorwürfe, Katar hätte die Ausrichtung der WM unrechtmäßig erworben, existieren bereits seit geraumer Zeit. Beweise dafür gibt es bislang jedoch nicht, der katarische Verband sowie die Fifa weisen alle Korruptionsvorwürfe vehement zurück.

"Der Markt ist eigentlich brutal umkämpft, das ist ein absolutes Milliardengeschäft. Es ist mehr als außergewöhnlich, dass eine Firma eine solch führende Rolle erhält", sagt ein Fifa-Insider in Zürich. Der Fußball-Weltverband hingegen spricht von einer "extrem kompetenten Zusammenarbeit mit einem absoluten Expertenteam".

Deshalb könnte es für das ICSS bald sogar noch mehr Aufträge geben. Feste Abkommen wurden bereits mit dem Handball-Weltverband IHF und dem DFB über die Ausrichtung verschiedener Turniere geschlossen. Darüber hinaus gibt es nach Informationen von SPIEGEL ONLINE Verhandlungen über die Betreuung der WM 2014 in Brasilien und der dort ebenfalls stattfindenden Olympischen Sommerspiele 2016. Das ICSS kümmert sich dabei von der Planung des Stadionbaus über die Betreuung von Fans bis hin zum Ticketing um beinahe alle Fragen der Sicherheit.

Spahn weist alle Vorwürfe von sich

Spahn sitzt in seinem geräumigen Büro im ersten Stock, lehnt sich in seinem Sessel zurück und sagt: "Es ist völliger Unsinn, uns mit irgendwelchen dubiosen Machenschaften bei der WM-Vergabe in Zusammenhang zu bringen." Er verweist darauf, dass er als ausgebildeter Polizist einem juristischen Ethos unterliegt und dass im Aufsichtsrat seiner Firma neben dem Interpol-Chef Khoo Boon Hui auch der ehemalige Sicherheitschef der englischen Premier League sitzt. "Wir sind ein völlig unabhängiges Institut, das gegründet wurde, um Expertenwissen zu sichern, und nicht, um Renditen zu erzielen."

Das ICSS ist eine Foundation, ähnlich einer gemeinnützigen Stiftung. Es wird vom katarischen Staat finanziert. Wenn das Unternehmen Gewinne abwirft, so Spahn, landen diese in einem Fonds zur Ausbildung von katarischen Sicherheitsexperten. "Auf Dauer wollen wir das Thema Sport-Sicherheit zu einem katarischen Aushängeschild formen. Hier sollen die weltweit besten Sicherheitsexperten ausgebildet werden", sagt Hanzab.

Trotz der hehren Ziele bleibt die WM 2022 das bestimmende Thema des ICSS. "Katar 2022 soll für alle wie ein Olympisches Fußball-Dorf werden, mit kurzen, sicheren Wegen", sagt Spahn. "Der Sport ist ein Türöffner und kann das Image eines Landes nachhaltig sehr positiv prägen."



insgesamt 4 Beiträge
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beebo 08.01.2012
1. Katar hat bei der Bewerbung betrogen
Katar hat in seiner Bewerbung versprochen mehr Stadien zu bauchen, als die jetzt wirklich bauen werden. Außerdem haben die klimatisierte Stadien versprochen. Das mit der Klimaanlage in Stadien wollen die Kataries jetzt auch nicht umsetzen. Jetzt soll Passive Kühlung bringen. Ob das gegen die Hitze ausreicht ist fraglich. Die werden irgendwann die WM in den Winter verlegen. Hätten die dies so in ihre Bewerbung geschrieben, hätten die keine Chance gehabt, auch wenn hohe Schmiergelder gezahlt werden.
Ragnarrök 08.01.2012
2. Wenn
ich Katar lese bekomme ich das Grausen. Nicht in erster Linie wegen der Katari selbst sondern wegen der Fifa und der Presse. Warum? Zitat: Basierend auf ihrem Verständnis der Scharia betrachten einige islamische Staaten als todeswürdige religiöse Vergehen: * Abkehr vom islamischen Glauben (Afghanistan, Iran, Jemen, Mauretanien, Pakistan, *_KATAR_*, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan) Todesstrafe (http://de.wikipedia.org/wiki/Todesstrafe#Straftatbest.C3.A4nde) Warum vergibt die Fifa die Weltmeisterschaft in so ein Land? Dazu das Klima, aber immerhin wurde *das* diskutiert. Zweitens die Presse: Warum liest man nicht darüber? Sonst ist man (die Presse) schnell bei der Sache wenn es um Menschenrechtsverletzungen geht. Wer nach Katar eine WM vergibt und wer darüber schweigt macht sich mitschuldig an der (wachsenden) Intoleranz. R.
pendejito 08.01.2012
3. Sportsicherheit
Zitat von sysopZuschläge für die Fußball-WM 2018 und 2022, Großaufträge für Olympia: Eine Firma aus Katar dominiert das Milliardengeschäft mit der Sportsicherheit. Mittendrin ist der Deutsche Helmut Spahn.*Ein*Fifa-Insider bezweifelt allerdings, ob es*bei allen Deals mit rechten Dingen zugeht. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,807811,00.html
Aus meiner Sicht, nach 6 Jahren in Brasilien, kann ich Herrn Spahn nicht um seine Aufgabe beneiden. Ich glaube nicht, dass bei den FW die Sicherheit, besonders in Rio, gewährleistet werden kann. Trotzdem: viel Erfolg Herr Spahn.
CitizenTM 08.01.2012
4. Bait and switch
Zitat von beeboKatar hat in seiner Bewerbung versprochen mehr Stadien zu bauchen, als die jetzt wirklich bauen werden. Außerdem haben die klimatisierte Stadien versprochen. Das mit der Klimaanlage in Stadien wollen die Kataries jetzt auch nicht umsetzen. Jetzt soll Passive Kühlung bringen. Ob das gegen die Hitze ausreicht ist fraglich. Die werden irgendwann die WM in den Winter verlegen. Hätten die dies so in ihre Bewerbung geschrieben, hätten die keine Chance gehabt, auch wenn hohe Schmiergelder gezahlt werden.
Ist eine der Methoden, die an Business/Law-Schools weltweit propagiert wird: BAIT AND SWITCH. Doch die Masken fallen ab. Weltweit. 2012 wird spannend. Aber nicht einfach. Denn die die mit den perfiden Methoden hochgekommen sind und noch nicht mit der medialen Echtzeit umgehen können, werden ihre Pfründe mit Zähnen und Klauen verteidigen.
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