Hamburg - Das Geld ist Arminia Bielefeld wichtiger als die Punkte: Mit der Entscheidung des Ligaverbandes, dem Club einen Kredit von 1,25 Millionen Euro aus dem Sicherungsfonds zu gewähren, tritt automatisch ein Drei-Punkte-Abzug in Kraft. Damit kann der Tabellenletzte vier Spieltage vor Saisonschluss den Klassenerhalt auch rechnerisch nicht mehr schaffen.
Arminia Bielefeld hatte aus dem Hilfetopf Gelder in Höhe von zwei Monatsgehältern angefordert, um die laufende Saison ordnungsgemäß beenden zu können. Nun kann der mit 27,1 Millionen Euro verschuldete Club die bisher ausstehenden Gehälter zahlen.
Bielefeld liegt nun mit nur noch 13 Punkten auf dem letzten Platz. Auch ohne den Punktabzug wären die Aussichten des Clubs auf den Klassenverbleib nach einer sportlich schwachen Saison gering gewesen. Ungeachtet des Abstiegs hatte die Arminia am Montag ihren künftigen Trainer Markus von Ahlen der Öffentlichkeit vorgestellt. Er wird im Sommer die Nachfolge des scheidenden Ewald Lienen antreten.
Rückzahlung erst bei Wiederaufstieg
Die mit fünf Prozent verzinste Summe muss der frühere Erstligist erst im Falle eines Wiederaufstiegs in die zweite Liga zurückzahlen. Die Summe tragen die 35 anderen Vereine der ersten und zweiten Liga anteilig nach ihrer Position in der Vierjahrestabelle der TV-Gelder. Laut Informationen des "Kicker" beträgt der Anteil von Bayern München nun 70.000 Euro, der FC Ingolstadt beispielsweise muss 12.000 Euro beisteuern.
Rudi Völler, Sportdirektor von Bayer Leverkusen, reagierte mit Kritik auf die Entscheidung der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die Zahlung zu bewilligen: "Dieser Fonds ist grundsätzlich zu begrüßen. Jetzt kann sich eine Mannschaft aber locker ein paar Punkte abziehen lassen, das ist sehr grenzwertig." Die Konstellation, dass eine Mannschaft wie Bielefeld quasi bereits abgestiegen sei und dann in den Topf greife, "finde ich ein bisschen schade", sagte Völler.
"Nun bist du eh schon abgestiegen, dann machst du es. Das hat für mich einen unangenehmen Beigeschmack. Die Idee war eigentlich, Clubs zu helfen, die unverschuldet in Not geraten sind. Ob das hier der Fall ist, kann ich nicht beurteilen", so Völler. Generell müsse man sich "aber zusammensetzen und überdenken, ob dies noch der Weg ist, den man gehen sollte."
Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dagegen sieht die Entscheidung positiv. Er verstehe insbesondere die Zweitligisten, die "das jetzt hart kritisieren", aber: "Die da jetzt rumheulen, haben es doch selbst mit beschlossen. Also bitte, wenn wir diesen Fonds haben, muss man doch davon ausgehen, dass er auch mal in Anspruch genommen wird." Ziel sei es ja in erster Linie, den Club in die Lage zu versetzen, die Saison beenden zu können, um keine Wettbewerbsverzerrung zu haben. Deswegen sei die Entscheidung immer noch richtig, so Watzke.
Zweck des Sicherungsfonds, der eine Deckung von zehn Millionen Euro pro Spielzeit für die Teams der beiden höchsten Spielklassen aufweist, ist es, kurzfristig Liquiditätsengpässe zu überbrücken, um im Interesse aller Lizenzclubs den Spielbetrieb nicht zu gefährden. Die Höhe des Punktabzugs richtet sich nach der Höhe der Summe, die aus dem Sicherungsfonds entnommen wird, und beträgt maximal drei Punkte.
ged/dpa/sid
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