RB Leipzigs Zweitliga-Premiere Zu schnell für einen Sieg

Seit der Klubgründung eilt RB Leipzig von einem Erfolg zum nächsten, die Zweite Liga soll nur ein Zwischenschritt sein auf dem Weg nach oben. Doch das Debüt gegen Aalen misslang.

Von , Leipzig

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Als das erste Zweitligaspiel der Vereinsgeschichte begann, rollten die Fans von RB Leipzig ein Spruchband aus. "16 Jahre verschollen - jetzt wieder auf Kurs", war zu Beginn der Partie gegen den VfR Aalen (0:0) zu lesen.

Dabei gab es den neuen Lieblingsfeind der deutschen Fußballszene vor 16 Jahren noch gar nicht. Gemeint war vielleicht ein anderer Leipziger Verein, der damals zum letzten Mal in der Zweiten Liga spielte: der VfB Leipzig, der am 7. Juni 1998 gegen Wattenscheid abstieg und den es heute nicht mehr gibt. Sein Nachfolger Lokomotive Leipzig spielt aktuell in der Oberliga. Der große Konkurrent, Sachsen Leipzig, hat nach mehreren Insolvenzen nicht einmal die Lizenz für die Stadtliga erhalten.

Längst ist RB, mit viel Gegenwind gestartet, die Hoffnung des Ostens - insbesondere Leipzigs. Dafür nahm man auch eine faktische Ausgliederung in Kauf und überließ es einem österreichischen Geldgeber, der ostdeutschen Großstadt wieder eine goldene Fußball-Zukunft zu ermöglichen.

Die zweite Liga soll nur eine Zwischenstation sein

Denn der Klub will noch viel höher hinaus, mindestens dorthin, wo seit zwanzig Jahren keine Leipziger Mannschaft mehr spielte: In die Bundesliga. Die zweite Liga soll eine Zwischenstation sein, wie es die dritte und vierte waren. Die Ambitionen des Aufsteigers sind genauso unbegrenzt wie die Möglichkeiten des Geldgebers. Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz persönlich sprach offensiv von der Meisterschaft. In Deutschland wohlgemerkt, nicht in Österreich, wo Partnerklub Red Bull Salzburg bereits Titel sammelt.

Leipzigs Mannschaft folgt demselben Rhythmus. Aggressives Pressing, schnelles Umschalten, hohes Verteidigen. Das sind die Maximen von Trainer Alexander Zorniger. Kapitän Daniel Frahn kürzt die gerne ab: "Sprint, Sprint, Sprint". Entsprechend setzt Sportdirektor Ralf Rangnick auf junge, top ausgebildete Talente. "Wir suchen im Teich der 17- bis 23-Jährigen, auch weil sie unseren Spielstil besser umsetzen und schneller regenerieren."

Der Däne Yussuf Poulsen, der Österreicher Georg Teigl oder U19-Europameister Joshua Kimmich verkörpern diese Wunschspieler. Oder der US-Amerikaner Terrence Boyd, der wie Poulsen auch außerhalb des Platzes eine gut vermarktbare Erscheinung ist.

Doch Boyd fällt mit einem Kreuzbandanriss lange aus, genauso wie Torhüter Fabio Coltorti, Abwehrspieler Fabian Franke und Mittelfeldakteur Henrik Ernst. Und auch die gesunden Spieler mussten gegen Aalen einer furiosen ersten halben Stunde Tribut zollen. Sie hatten ein zu hohes Tempo vorgelegt, wirkten am Ende ausgelaugt.

Auch deshalb rüstet RB Leipzig weiter auf. Die Partie gegen den VfR Aalen schauten sich bereits Marvin Compper und der kroatische WM-Teilnehmer Ante Rebic an. Während der Wechsel von Compper bereits feststeht, soll ihm sein Teamkollege vom AC Florenz bald folgen. Ebenso wird noch ein Torhüter kommen, der dem Anspruch gerecht wird, sofort als Nummer Eins parat zu stehen.

Auch das Umfeld wirkt überfordert

Nicht nur die Mannschaft befindet sich während des Saisonstarts noch im Umbruch. Auch das Umfeld scheint größere Probleme zu haben, dem vorgegebenen Tempo zu folgen. Die Technik im Stadion wurde eilig installiert. Zuletzt geriet der Klub rund um die internen Leihgeschäfte der Talente Massimo Bruno und Marcel Sabitzer nach Salzburg in Erklärungsnot. Compper ließ man am Freitag zwei Stunden an der Gepäckausgabe des Leipziger Flughafens warten, weil draußen ein Fotograf der örtlichen Boulevard-Zeitung lauerte.

Auch am Spieltag wuselten Dutzende Funktionsträger, von denen es ja eigentlich nicht allzu viele geben soll, durch die sporadisch aufgebaute Mixed Zone. Wo einem sonst mit Logos überfüllte Hintersteller begegnen, herrscht bei RB Leipzig Zurückhaltung. Viele externe Werbepartner hat und braucht der Verein ja auch nicht.

Dafür ist eben alles neu. Der Bus, der Caterer, der Ausrüster, die Fan-Utensilien. Und das alles in dieser kurzen Sommerpause. Nachdem die Zweitliga-Vorbereitung wegen der Lizenzprobleme erst verspätet beginnen konnte, ließ Leipzig auch noch die B-Jugend in der Arena ihre Endspiele um die Deutsche Meisterschaft austragen und Musiker Udo Lindenberg ein Konzert geben. Beim Testspiel gegen Paris Saint-Germain wirkte das Catering überfordert. Statt mit rund 35.000 Zuschauern schien dieser eher mit 3500 gerechnet zu haben und verhob sich gleich noch daran, an dem Tag weitere Aufträge angenommen zu haben.

Der Klub kann sich zwar vieles leisten, aber längst nicht alles planen. Bei dem sonst so professionellen Produkt wirkt das dezente Chaos fast schon sympathisch.

RB Leipzig - VfR Aalen 0:0 (0:0)
Leipzig:
Bellot - Teigl, Sebastian, Hoheneder, Jung - Demme (81. Palacios Martinez), Thomalla (58. Fandrich), Khedira - Kaiser - Poulsen, Frahn (69. Prevljak)
Aalen: Fejzic - Ofosu-Ayeh, Barth, Hainault, Feick - Andreas Hofmann, Mössmer, Leandro (84. Mockenhaupt) - Junglas, Drexler (76. Ludwig), Klauß (62. Daghfous)
Schiedsrichter: Dingert
Zuschauer: 20.000

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insgesamt 80 Beiträge
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Seite 1
supperwallyy 02.08.2014
1. Chance vertan
Hallo Herr Henning, das ist ein gefälliger Artikel über einen lokalen Fußballverein. Wenn eine Lokalzeitung so einen Artikel bringt: alles in Ordnung. Der Spiegel ist keine lokale Tageszeitung. Auch kein lokales Nachrichtenmagazin. Ich kann nicht glauben, dass keines der heissen Themen behandelt werden. Für den Spiegel ist das erbärmlich. Ich bin seit über 25 Jahren Spiegelleser und -Käufer. Gewesen. Ich hoffe, dass das auch anderen Lesern so geht. Tschüss Journalismus. Hallo Hofberichterstattung. Quer durch alle Ressorts. VG MW
Teigkonaut 02.08.2014
2. Noch ein Sposorclub
gute Nacht Fußball-BL. Wenn das Schule macht spielen bald nur noch synthetische Clubs. Die Traditionsvereine mit gewachsener Fan-Kultur haben das Nachsehen.
keksen 02.08.2014
3. Meine Güte
Zitat von supperwallyyHallo Herr Henning, das ist ein gefälliger Artikel über einen lokalen Fußballverein. Wenn eine Lokalzeitung so einen Artikel bringt: alles in Ordnung. Der Spiegel ist keine lokale Tageszeitung. Auch kein lokales Nachrichtenmagazin. Ich kann nicht glauben, dass keines der heissen Themen behandelt werden. Für den Spiegel ist das erbärmlich. Ich bin seit über 25 Jahren Spiegelleser und -Käufer. Gewesen. Ich hoffe, dass das auch anderen Lesern so geht. Tschüss Journalismus. Hallo Hofberichterstattung. Quer durch alle Ressorts. VG MW
Das ist ein Artikel aus dem Bereich Sport. Und da gehört die 2. Liga zu und deswegen wird darüber auch berichtet. Sind manche Menschen eigentlich so....oder tun sie nur so?
true2013 02.08.2014
4. KEIN OSTVEREIN-Nicht mal ein Verein
Dieser "Verein" ist NICHT die Hoffnung des Ostens ! Im Gegenteil: Alle Ostvereine und deren Fans und sehr viele Leipziger distanzieren sich.Milde ausgedrückt. Herr M. aus Ö.- bitte das Zentralstadion räumen.Danke.
SteadyRollingMan 02.08.2014
5. der meist gehasste Club
Das ist der meist gehasste Club in Deutschland. Spätestens in den Stadien wird man es merken. Fußball ist nicht Formel 1! Als Fussballfan und Anhänger von Schalke frage ich mich, wie man so ein Kunstprodukt überhaupt lieben kann. Wir werden mal sehen, wie es aussieht, wenn es mal mit diesem sog. Verein abwärts geht.
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