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Anhänger-Problematik beim Zweitligisten: Braunschweig-Vorsänger duldet Rechtsextreme

Der Vorsänger von Eintracht Braunschweig stört sich nicht an Fanclubs mit rechtsextremen Anhängern. Mit dieser Einstellung sei er nicht allein, sagte er in einem Interview. Doch die Offiziellen des Zweitliga-Tabellenführers scheinen die Problematik nicht ernst zu nehmen.

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dapd

Braunschweiger Fans: Tabellenführer in der zweiten Liga

Hamburg - Sportlich läuft es bei Eintracht Braunschweig bestens, der Club ist Tabellenführer der zweiten Liga. Doch der Verein scheint ein anderes Problem zu haben: Seine Fans sind zerstritten. Thilo Götz, Vorsänger in der Braunschweiger Südkurve, sagte in einem Interview mit dem Magazin "11FREUNDE"angesprochen auf den Fanclub die "Alten Kameraden": "Es stimmt, dass es Rechte in dieser Gruppe gibt. Mein Bauch sagt mir aber: Solange diese Leute niemandem etwas tun und keine politische Werbung im Stadion machen, dann ist mir das egal."

Diese Einstellung teilen laut Götz auch Teile der Braunschweiger Fanszene. "Und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da. Im Gegenteil. Der Grundtenor der Fans ist: 'Die tun uns nichts, dann ist das doch okay'", so Götz. So weit, so naiv.

Auslöser der Streitigkeiten innerhalb der Fanszene ist eine vergangene Woche von der "Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen" veröffentlichte Broschüre zum Thema Rechtsextremismus in der Braunschweiger Fanszene. Ein Auszug daraus: Im Anschluss an die Partie Eintracht Braunschweig gegen den FC St. Pauli (28.08.2011) werden acht antifaschistische Eintrachtfans und Ultras beim Verlassen des Stadiongeländes angegriffen. (…) Diese (die Angreifer, Anm.) drohen ihnen mit "Verpisst euch ihr Zecken" und "Ihr Juden!".

Darüber hinaus heißt es in der Broschüre, dass Ordner und Fans im Braunschweiger Stadion Kleidung der bei Rechtsradikalen beliebten Marke "Thor Steinar" tragen. "Du siehst vereinzelt Leute, die Klamotten dieser Marke tragen", bestätigte Götz im "11FREUNDE"-Interview.

"Ihr kommt hier nicht lebend raus!"

Dabei sind diese Kleidungsstücke in vielen deutschen Stadien untersagt, auch in Braunschweig. "Es gibt ein Thor-Steinar-Logo, das verfassungsrechtlich verboten ist. Kleidung mit diesem Logo ist somit auch im Eintracht-Stadion verboten", sagten Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Sebastian Ebel sowie Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt in einem Doppelinterview auf der Braunschweiger Vereins-Website.

Die Funktionäre der Eintracht spielen die Problematik runter, indem sie der Initiative eine Art Racheakt unterstellt: "Ausgangssituation für die Publikation ist die Tatsache, dass gegenüber Personen der Gruppierung 'Ultras Braunschweig' im Jahr 2008 aufgrund von Gewalttätigkeiten 22 bundesweite und 99 örtliche Stadionverbote ausgesprochen wurden. Seitdem versucht diese Gruppierung mit Unterstützung politischer Organisationen, Eintracht Braunschweig und seinen Fans ein 'Naziproblem' in Fankreisen zu unterstellen."

Eine zweifelhafte These. Zumal in der Broschüre auf Dutzenden Seiten detailliert die Vorfälle beschrieben werden. Dies als Hirngespinst persönlich Frustrierter abzutun, zeugt nicht gerade von Sensibilität im Umgang mit dem Thema Rechtsextremismus.

Zumal das Problem augenscheinlich größer ist, als die Offiziellen zugeben wollen. Am Samstag beim Heimspiel gegen den VfL Bochum mussten Mitglieder der Initiative mit Polizeischutz aus dem Stadion gebracht werden. "Ein paar Leute haben gebrüllt: 'Ihr kommt hier nicht lebend raus!'", sagte Vorsänger Götz: "Fakt ist: Wenn die Gruppe bei uns langgegangen wäre, wären deren Leute mit Bierbechern beworfen worden. Insofern war es richtig, dass die Polizei die über den Gästeparkplatz rausgebracht hat."

leh/mig

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