Fußball-Transfers Zweite Liga, erste Klasse

Fünf Spieler, fünf Geschichten, eine Erkenntnis: Talent allein reicht oft nicht, um es nach ganz oben zu schaffen. Diese Profis haben sich durchgebissen und könnten schon bald ihre zweite Chance nutzen.

Daniel Keita-Ruel
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Daniel Keita-Ruel


Der Januar gehört im Fußball den Spekulationen, den ganzen Monat ist das Transferfenster geöffnet. Die Bundesligisten bessern nach, holen Spieler aus aller Herren Länder. Aber warum in die Ferne schweifen? SPIEGEL ONLINE stellt fünf Spieler aus der 2. Fußball-Bundesliga vor, die so gut sind, dass sie bald in der Bundesliga spielen könnten.

"In deiner Birne bist du Kreisliga"

Wenn es derzeit einen Fußballer in Deutschlands Profiligen gibt, dessen Leben Stoff für eine ganze Netflix-Serie böte, ist das sicher Daniel Keita-Ruel, 29 Jahre alt, von der SpVgg Greuther Fürth. Mit 17 spielte er in der U19 von Borussia Mönchengladbach, er war gut, ein großer und dennoch technisch beschlagener Stürmer - und wurde trotzdem aussortiert. Manager Max Eberl soll ihm zum Abschied gesagt haben: "Von Hals bis Fuß bist du Bundesliga, aber in deiner Birne bist du Kreisliga."

Als Keita-Ruel im Sommer 2011 an vier Raubüberfällen beteiligt war, war er 21. Er wurde erwischt, verurteilt und musste für fast vier Jahre ins Gefängnis. Normalerweise wäre es das Ende einer Karriere gewesen, die ohnehin schon ins Stocken geraten war. Nur ist in der Geschichte von Keita-Ruel nie irgendwas normal gewesen. Im Gefängnis legte er an Muskelmasse zu, als Freigänger traf er für den Oberligisten Ratingen, als freier Mann dann für Wattenscheid (Regionalliga) und Fortuna Köln (3. Liga).

Jedes Jahr wechselte Keita, wie ihn alle nennen, eine Liga höher. Er hat ja auch keine Zeit mehr zu verlieren. Jetzt spielt er mit Fürth erstmals in Liga zwei - und wie: 18 Spiele, acht Tore. Und so wäre es keine Überraschung mehr, wenn Daniel Keita-Ruel im Sommer wieder wechselt - in die Bundesliga.

Immer wieder Schalke

Philipp Klement
imago/pmk

Philipp Klement

Man muss eigentlich gar nicht viel schreiben, um die Hinrunde von Paderborns Spielmacher Philipp Klement, 26, zusammenzufassen. Es reicht die nackte Bilanz: 17 Spiele, zehn Tore, sechs Vorlagen. Bleibt die Frage: Wo hat sich dieser Klement, der so leichtfüßig Pässe schlägt wie kein Zweiter in der Liga, eigentlich so lange versteckt?

Nun, er spielte für Kaiserslautern, Nürnberg, Rostock und Mainz, oft auch sehr gut, meist aber in den Reservemannschaften. Der Durchbruch blieb aus: Erst waren andere körperlich stärker, dann galten wieder andere als talentierter, vielleicht waren sie auch schlicht jünger. Zwei Bundesligaspiele mit insgesamt 28 Spielminuten hat Klement absolviert, beide für Mainz. Das erste im Herbst 2015 gegen Schalke, also gegen jenen Klub, der ihn nun offenbar verpflichten möchte. Das berichtet zumindest die "Bild"-Zeitung.

Training mit Heynckes

Dominick Drexler
imago/DeFodi

Dominick Drexler

Als Dominick Drexler im Sommer 2009 zu den Profis von Bayer 04 Leverkusen aufrückte, war er 19, A-Jugend-Pokalsieger und sehr talentiert. Nur reichte das nicht, um sich durchzusetzen: Für Leverkusen, das von Jupp Heynckes trainiert wurde, spielten Stefan Kießling, Arturo Vidal, Renato Augusto und Toni Kroos, auch er erst 19. Drexler blieb nur die Rolle als Trainingspartner, auf sein Bundesligadebüt wartet er noch immer.

Zehn Jahre später könnte die Geschichte von Drexler und der Bundesliga doch noch ein Happy End finden. Denn Drexler spielt seit einem halben Jahr für den 1. FC Köln und man kann seitdem vor allem eines erkennen: dass Verein und Spieler zu gut sind für Liga zwei. Drexler spielt im offensiven Mittelfeld, mal links, mal im Zentrum, und wenn es gefährlich wird, ist er meist beteiligt. Seine Bilanz: 18 Spiele, vier Tore, zehn Vorlagen. Erstklassig!

Störche, die flügge werden

Kingsley Schindler
imago/Eibner

Kingsley Schindler

In der vergangenen Saison hatte Drexler noch mit Holstein Kiel um den Aufstieg in die Bundesliga mitgespielt, trainiert wurde er von Markus Anfang. Als Anfang im Sommer nach Köln wechselte, nahm er Rafael Czichos gleich mit, wenige Wochen später unterschrieb auch Drexler im Rheinland. Und Kingsley Schindler, 25, könnte der nächste Storch sein, der flügge wird.

Schon nach der letzten Saison, in der Schindler mit 12 Toren und fünf Vorlagen in 33 Spielen auf sich aufmerksam gemacht hatte, gab es Interesse aus Bremen, Stuttgart und der Premier League. Schindler wäre wohl damals schon gern gewechselt, man ließ ihn nur nicht. Im Sommer endet sein Vertrag, verlängern wird er diesen wohl nicht. Stattdessen steht ein Wechsel nach Köln im Raum. Ablösefrei im Sommer oder gegen Entschädigung sofort - es ist die letzte Entscheidung, die Kiel in dieser Personalie treffen kann.

David Kinsombi
imago/Michael Schwarz

David Kinsombi

Anders sieht es bei Kapitän David Kinsombi, 23, aus. Sein Vertrag läuft noch bis 2021 und in Kiel wird man alles tun, um zumindest ihn zu halten. Das wird schwer genug: Kinsombi ist zweikampfstark, technisch gut und jetzt schießt er auch noch Tore (4 Saisontreffer). Kein Wunder, dass er von RB Salzburg und Klubs aus der Bundesliga und aus England umworben sein soll.



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supergrobi123 06.01.2019
1. Zweite Liga - Popelliga
Ich hätte da noch ein Beispiel parat: Simon Terodde! Schon 2015 wurde er mit 17 Buden Vize-Torschützenkönig in der 2. Liga. 2016 dann schnappte er sich Platz 1 mit satten 25 Treffern, verteidigte 2017 diesen Titel sogar mit nochmals 25 Dingern! Aktuell steht er wieder einsam an der Spitze, mit 22 Treffern in 17 Spielen (doppelt so viele Tore wie der Zweitplatzierte). Ein Wahnsinn! Einer der krassesten Spieler der Ligageschichte! Doch es gibt da einen Haken: Zwischendrin lag die Saison 17/18. Terodde musste sich in Liga 1 beweisen... und scheiterte. Erst bei Stuttgart aussortiert, dann mit dem FC abgestiegen. Am Ende standen 7 Saisontore auf der Uhr - Mittelmaß für einen Mittelstürmer, nun spielt er wieder zweitklassig. Was lernen wir daraus? Ausnahmeleistungen in der 2. Popelliga sagen kaum etwas über die Leistungsfähigkeit in Liga 1 aus. Eine wichitige Rolle spielt das Alter, das bei jungen Spielern auf zusätzliche Entwicklung und Anpassungszeit hoffen ließe. Bei den ganzen genannten Ü25 Spelern darf man aber getrost schwarz sehen.
LapOfGods 06.01.2019
2. Popelliga? Schnöseliger geht es kaum.
Zitat von supergrobi123Ich hätte da noch ein Beispiel parat: Simon Terodde! Schon 2015 wurde er mit 17 Buden Vize-Torschützenkönig in der 2. Liga. 2016 dann schnappte er sich Platz 1 mit satten 25 Treffern, verteidigte 2017 diesen Titel sogar mit nochmals 25 Dingern! Aktuell steht er wieder einsam an der Spitze, mit 22 Treffern in 17 Spielen (doppelt so viele Tore wie der Zweitplatzierte). Ein Wahnsinn! Einer der krassesten Spieler der Ligageschichte! Doch es gibt da einen Haken: Zwischendrin lag die Saison 17/18. Terodde musste sich in Liga 1 beweisen... und scheiterte. Erst bei Stuttgart aussortiert, dann mit dem FC abgestiegen. Am Ende standen 7 Saisontore auf der Uhr - Mittelmaß für einen Mittelstürmer, nun spielt er wieder zweitklassig. Was lernen wir daraus? Ausnahmeleistungen in der 2. Popelliga sagen kaum etwas über die Leistungsfähigkeit in Liga 1 aus. Eine wichitige Rolle spielt das Alter, das bei jungen Spielern auf zusätzliche Entwicklung und Anpassungszeit hoffen ließe. Bei den ganzen genannten Ü25 Spelern darf man aber getrost schwarz sehen.
Bundesligatauglich zu sein heißt nicht den FC Bayern mit 30 Toren zur Meisterschaft zu schießen, sondern z.B. mit Fortuna Düsseldorf oder Hannover 96 die Klasse zu halten. Dafür können mittelmäßige 7 Tore absolut reichen. Entscheidender ist, dass der Spieler zur Spielweise passt, die sich zwischen den Ligen unterscheiden mag. Bobby Wood, Guido Burgstaller oder Rouven Hennings zeigen, dass man auch nach x Jahren 2.Liga noch im fortgeschrittenen Alter in der Bundesliga bestehen kann. Nicht auf der Bayern-Einkaufsliste sondern als Mittelmaß und das reicht ja.
treime 06.01.2019
3. @ 1.
Terrode ist so ein typischer Kandidat: in Liga 2 alles treffen, in Liga 1 geht dann gar nichts mehr.... Einfach mal bei allen letzten Aufsteigern schauen, was die Stürmer in Liga 2 gerissen und in Liga 1 haben vermissen lassen.... Gibt genügend Beispiele. Terrode wird in Liga 1 keine 10 Tore schiessen, wenn überhaupt. #2 hat Recht. Bundesligatauglich ist, wer sich dort durchsetzen kann und dem Team zum Klassenerhalt verhilft, was nicht unbedingt Tore sein müssen.
jean-baptiste-perrier 07.01.2019
4. Mannschaftssport!
Ein Spieler ist doch extrem abhängig von seiner Mannschaft. Wenn eine Zweitliga-Mannschaft aufsteigt, dann liegt es daran, dass sie eine Spitzenmannschaft in der 2. Liga ist. Angekommen in Liga 1 ist diese dann zwangsläufig eher im untersten Qualitätsniveau angesiedelt. Das ist doch dann auch logisch, dass deren Top-Scorer aus Liga 2 viel weniger Unterstützung in der Offensive erhalten, da die gesamte Mannschaft defensiv in jedem Spiel um ihr Überleben kämpft. Würde ein Christian Ronaldo nach Kaiserslautern zwangsversetzt, dann könnte er mit 15 Toren pro Saison hoch zufrieden sein. Ein Terrode in Köln oder Freiburg in Liga 1 macht vielleicht 10 Tore. Ein Terrode als Stammspieler bei Bayern oder dem BVB würde eher 20 machen. Es ist am Ende immer nur ein Spieler unter insgesamt 10 Feldspielern. Von daher kann man einen Spieler immer nur relativ zu seinen Mitspielern bewerten.
supergrobi123 07.01.2019
5. Hui!
Zitat von LapOfGodsBundesligatauglich zu sein heißt nicht den FC Bayern mit 30 Toren zur Meisterschaft zu schießen, sondern z.B. mit Fortuna Düsseldorf oder Hannover 96 die Klasse zu halten. Dafür können mittelmäßige 7 Tore absolut reichen. Entscheidender ist, dass der Spieler zur Spielweise passt, die sich zwischen den Ligen unterscheiden mag. Bobby Wood, Guido Burgstaller oder Rouven Hennings zeigen, dass man auch nach x Jahren 2.Liga noch im fortgeschrittenen Alter in der Bundesliga bestehen kann. Nicht auf der Bayern-Einkaufsliste sondern als Mittelmaß und das reicht ja.
Bobby Wood? Ja, eine echte Granate der Kerl! Chancentod beim HSV (5 und 2 Saisontore, Endergebnis: Abstieg), nun Bankdrücker beim Tabellenvorletzten. Hennings? Dank Aufstieg nach oben gestolpert, nun 2 Saisontore, wirklich beeindruckend! Einzig Burgstaller konnte überzeugen, ist inzwischen aber auch schon wieder raus und war gerademal 2 Jahre in der 2. Liga unterwegs. Aber hey, immerhin sind Sie in der Lage satte eins Spieler zu nennen, die mal halbwegs was gerissen haben. Es tut mir sehr leid, aber die 2. Liga ist definitionsgemäß zweitklassig, da ist es völlig egal, ob Sie das "schnöselig" finden. Wer da nicht spätestens mit 25 raus ist, hat nicht ausreichend Talent um oben was zu reißen. Mehr als Erstliga-Mittelmaß wird da dann nicht bei rum kommen. Also, nichts gegen Mittelmaß, wird auch gebraucht! Aber dem Mittelmaß einen eigenen Artikel zu widmen, ist schon merkwürdig.
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