Von Peter Ahrens
Wenn irgendwo im deutschen Fußball Wolfgang Wolf auftaucht, dann ist das ein Zeichen dafür, dass ein Verein ziemlich verzweifelt sein muss. Der 54-Jährige ist ein Coach der groberen Sorte, einer für die hoffnungslosen Fälle, eine Art Trainer-Brechstange - und genau so einen schien Hansa Rostock nötig zu haben, als der Club Wolf als Retter verpflichtete.
Das ist jetzt fünf Monate her, und selbst der Retter Wolf konnte in Rostock wenig ausrichten. Das Team ist nach dem turbulenten 4:5 bei Union Berlin abgestiegen und muss in die Dritte Liga zurück. Bestenfalls - wenn alles gegen den Verein läuft, findet sich Hansa Rostock vielleicht sogar in der Fünftklassigkeit wieder.
Der letzte DDR-Meister, der Club, der zwölf Jahre in der Bundesliga spielte - so lange wie sonst kein Ostverein - steht vor dem Aus. Hansa ist mit über zehn Millionen Euro verschuldet, dazu kommen weitere Steuerrückforderungen in Millionenhöhe. Die letzten Hoffnungen, der Pleite zu entgehen, ruhen auf der Stadt Rostock, die dem Verein helfen könnte. Aber der Finanzausschuss hat sich geweigert, einem Teilerlass der Steuerlast und der Freigabe einer Finanzspritze von 750.000 Euro zuzustimmen. Am 9. Mai entscheidet die Rostocker Bürgerschaft. Es spricht manches dafür, dass die Parlamentarier der Empfehlung des Ausschusses folgen werden.
Nur wenige Spieler mit Verträgen für die Dritte Liga
In diesem Falle müsste der Traditionsclub Insolvenz anmelden - was einer sportlichen Rückstufung in die vierte oder fünfte Liga gleichkäme. Präsident Bernd Hofmann und Manager Stefan Beinlich sprechen davon, dass dies "verheerende Folgen für den Verein" hätte. Hansa Rostock würde von der Fußball-Landkarte verschwinden.
Eine schnelle Rückkehr in den Profifußball wäre aber auch dann schwer denkbar, wenn die Stadt noch einmal Gnade walten lassen und den Verein weiterhin alimentieren würde. Der Spielerkader wird sich nach dieser Saison weitgehend von selbst auflösen, nur sieben Profis haben einen Vertrag, der auch für die Dritte Liga gültig ist.
Hofmann und Beinlich dagegen wollen weitermachen. Vor allem Beinlich ist immer noch ein Hoffnungsträger. Allein der Name des früheren Nationalspielers, der nicht nur für Hansa, sondern auch für Bayer Leverkusen, Hertha BSC und den Hamburger SV spielte, steht noch für die große Fußballwelt. Es ist aber fast das einzige, was in Rostock noch an Spitzenfußball erinnert.
Beinlich wird sich als erstes einen neuen Hauptsponsor suchen müssen - keine leichte Aufgabe. Hansa hat das Image des Schmuddelclubs, eines Vereins, der sein Fanklientel nicht in den Griff bekommt. Der bisherige Sponsor, ein Umweltservice, hat den Vertrag auslaufen lassen, nachdem es bei der Partie gegen den FC St. Pauli zu Krawallen kam. In dieser Zweitligasaison wurde der Verein zu einem Geisterspiel gegen Dynamo Dresden verdonnert. Zur Rückspielreise nach Hamburg beim FC St. Pauli wurden keine Gästekarten ausgegeben.
In Rostock selbst beklagt man sich gern darüber, dass Hansa, ähnlich wie Dynamo Dresden, zu schnell und zu hart von den Gremien des deutschen Fußballs bestraft werde. Dass mit zweierlei Maß beim Hooligan-Thema gemessen werde, wenn es Ostvereine betrifft. Hansa weist darauf hin, dass die Fanszene schon vieles im Vorfeld selbst regele, wenn Krawall droht. Aber wenn, wie in dieser Saison, Hansa-Fans Frankfurter Anhänger mit Steinen und Flaschen jagen - ist der schlechte Ruf des Clubs wieder einmal bestätigt.
Mit Rostock verschwindet wieder ein Ostclub aus dem bezahlten Fußball - paradoxerweise könnte ein anderer Ostverein von der Hansa-Misere profitieren. Wenn Rostock Insolvenz anmeldet und auf den Spielbetrieb in der Dritten Liga verzichten muss, wäre das die sportliche Rettung für Carl-Zeiss Jena. Jena ist sportlich eigentlich abgestiegen und könnte eventuell in der Liga bleiben, wenn Rostock durchgereicht wird.
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