Hamburg - Bruno Hübner schnaubte vor Wut. "Das ist eine Katastrophe, es war so ein lächerlicher Elfmeter", schimpfte der Sportdirektor von Eintracht Frankfurt. Offensichtlich noch aufgebrachter als der 51-Jährige war Trainer Armin Veh, der sich gar nicht mehr einkriegen wollte, aber im Gegensatz zu seinem Sportdirektor schwieg. Der Eintracht-Coach verweigerte TV-Interviews ebenso wie die Teilnahme an der obligatorischen Pressekonferenz.
Was die beiden Frankfurter Offiziellen so auf die Palme brachte, war die Szene in der Nachspielzeit des Zweitliga-Spitzenspiels. Unmittelbar vor dem Abpfiff kam der eingewechselte Düsseldorfer Timo Furuholm in einem Zweikampf mit Eintracht-Profi Bamba Anderson im Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Felix Brych ließ das Spiel zunächst weiterlaufen, entschied nach einem Hinweis seines Assistenten Jan Hendrik Salver aber nachträglich auf Elfmeter. Jens Langeneke verwandelte zum 1:1-Endstand, nachdem Benjamin Köhler die Eintracht in Führung gebracht hatte. Anschließend gab es kein Halten mehr - auf beiden Seiten.
Das sei "die ganze Scheiße", die Veh im Vorfeld des Topspiels gemeint habe, als er Fortunas Angreifer Sascha Rösler und dessen Kollegen "Fallsucht" vorgeworfen hatte, schnaubte Hübner: "Veh wollte exakt auf solche Situationen hinweisen, wie wir sie jetzt wieder gesehen haben." Der als Provokateur bekannte Rösler revanchierte sich nach dem Ausgleich auf seine Art: Er jubelte ausgelassen vor der Eintracht-Bank, womit er erst tumultartige Szenen auslöste, und dann die Gelb-Rote Karte kassierte.
Am Dienstag brach der Frankfurt-Coach dann sein Schweigen: "Ich fühle mich von Rösler betrogen", sagte Veh: "Dass der mit Gelb-Rot weggekommen ist, ist lächerlich." Jeder anständige Sportler werde "mit Füßen getreten, wenn Rösler als Leader bezeichnet wird. Er ist kein Leader, er ist ein Schauspieler. Das ist unfair ohnegleichen", schimpfte der Trainer weiter: "Rösler provoziert permanent, die ganze Saison über schon und es wird nicht unterbunden." Er sei "eine Schande für den deutschen Fußball", so Veh.
Elfter Elfmeter für Düsseldorf in dieser Saison
Frankfurts Sportdirektor empfahl dem Gegner: "Hier in Düsseldorf sollen sich alle mal hinterfragen." Worte, die geradezu eine Reaktion der Gegenseite provozierten - und die ließ nicht lange auf sich warten. "Nach dem, was er angezettelt hat, dass er in keinster Weise Ruhe gegeben hat, da muss man sich schon an den Kopf fassen, dass sich ein Trainer so darstellt", sagte Düsseldorfs Sportdirektor Wolf Werner mit Blick auf Veh. "Keiner von uns hat den Elfmeter gepfiffen. Den hat der Schiri gegeben. Also sind wir auch nicht dafür verantwortlich, und deshalb müssen wir uns auch nicht beleidigen lassen", so Werner.
Tatsächlich war der von Langeneke geschossene Strafstoß bereits der elfte Elfmeter, den die Düsseldorfer in dieser Saison zugesprochen bekommen haben. "Diese Debatte hat die Woche beherrscht. Wir haben sogar Zeitlupenstudien angefertigt, um zu zeigen, dass die meisten Strafstöße zweifellos berechtigt waren. Und beim Hinspiel in Frankfurt haben wir einen Elfer nicht bekommen", sagte Fortuna-Trainer Norbert Meier.
Im Blickpunkt stand auch der Unparteiische Brych. Der hatte bereits im DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach (0:2) einen Elfmeter gepfiffen, der für jede Menge Diskussionen gesorgt hatte. In Berlin war Gladbachs Igor de Camargo nach einem vermeintlichen Kopfstoß von Roman Hubnik zu Boden gegangen. Rot für Herthas Abwehrspieler, Strafstoß für die Borussia hatte Brych entschieden - zu Unrecht, wie die TV-Bilder anschließend bewiesen. Gleichwohl ist die Szene nicht mit der im Zweitliga-Spitzenspiel zu vergleichen, als die Elfmeter-Entscheidung vertretbar war.
Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen sah sein Team dennoch um den möglichen Sieg geprellt: "Die Methode der Fortuna hatte wieder Erfolg", ätzte er. Durch das Remis verpasste die Eintracht den Sprung an die Tabellenspitze, rutschte vielmehr vom zweiten auf den dritten Platz. Alter und neuer Spitzenreiter ist - Fortuna Düsseldorf.
ham/dpa/sid
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