Zwischenfall beim FC St. Pauli: Kassenrollen-Werfer stellt sich

Er hatte Frankfurts Pirmin Schwegler mit einer Kassenrolle am Kopf getroffen und fast für einen Spielabbruch gesorgt. Nach dem Zwischenfall vom Montag hat sich ein St. Pauli-Fan nun gestellt. Der 20 Jahre alte Abiturient spricht von einer Verkettung unglücklicher Umstände.

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St. Pauli-Fans: Werfer der Kassenrolle hat sich gestellt

Hamburg - Aufatmen beim FC St. Pauli: Der Fan, der am Montag beim Spiel gegen Frankfurt (2:0) Eintracht-Kapitän Pirmin Schwegler mit einer Kassenrolle am Kopf traf, hat sich gestellt. Dies teilte der Club auf seiner Homepage mit.

Der 20 Jahre alte Abiturient kam am Mittwoch mit seinem Vater auf die Club-Geschäftsstelle und entschuldigte sich: "Mir tut es unfassbar leid. Ich hatte nie die Absicht, jemanden zu treffen oder zu verletzen. Die Aktion im Anschluss mit dem Wechseln der Kleidung war eine reine Panikreaktion von mir." Er hatte anschließend seine Klamotten gewechselt, um den Ordnern zu entgehen.

Nun erklärte er laut Verein, dass es sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände handele. Eigentlich habe sich die Kassenrolle in der Luft abrollen sollen. Dass sie als Wurfgeschoss in den Innenraum geflogen war, sei nicht geplant gewesen.

Nach dem Spiel hatte der Club den Werfer aufgefordert, sich zu stellen, da sich dies strafmildernd auswirken würde. "Ich werde langsam müde, immer wieder zu solchen Dingen Stellung nehmen zu müssen. Ich hoffe, dass irgendjemand was gesehen hat und wir den Täter dingfest machen können", hatte St. Paulis Manager Helmut Schulte gesagt.

Entschuldigung bei Schwegler

Der Werfer hat sich auch persönlich, vermittelt durch den Fanladen des FC St. Pauli, bei Schwegler entschuldigt. Der Schweizer hatte nach dem Vorfall gesagt, dass es "nichts Schlimmes" gewesen sei. "Auch wenn ich vielleicht etwas anderes sagen sollte: Mir geht es gut."

"Wir werden nach Erhalt des Urteils durch den DFB unter Berücksichtigung der Umstände des Geschehens ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen notwendiger Sanktionierung und unserer sozialen Verantwortung finden", sagte Stefan Orth, Präsident des FC St. Pauli: "Allerdings muss nun auch dem Letzten klar sein, dass zu keiner Zeit während eines Spiels Gegenstände in Richtung des Innenraums geworfen werden dürfen."

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ermittelt nach dem Vorfall gegen den Zweitligisten. Der Club gab gegenüber dem Verband am Donnerstag eine Stellungnahme ab, in der die Aussagen des Anhängers berücksichtigt wurden. Das Urteil des DFB wird im neuen Jahr erwartet.

Als Wiederholungstäter droht den Hamburgern eine erneute Strafe. Der Club war zuletzt wegen des Bierbecherwurfs im Spiel gegen den FC Schalke aus der Vorsaison verurteilt worden.

leh

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Der Verein ist also Täter
anders_denker 22.12.2011
Zitat von sysopEr hatte Frankfurts Pirmin Schwegler mit einer Kassenrolle am Kopf getroffen und fast für einen Spielabbruch gesorgt. Nach dem Zwischenfall vom Montag hat sich ein St. Pauli-Fan nun gestellt. Der 20 Jahre alte*Abiturient spricht von einer Verkettung unglücklicher Umstände. Zwischenfall beim FC St. Pauli: Kassenrollen-Werfer stellt sich - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,805332,00.html)
Dann ist aber auch der Supermarkt täter, wenn ich dort einen anderen Kunden oder Angestellten bestehle, schlage etc.
2. Hinken
erlachma 22.12.2011
Zitat von anders_denkerDann ist aber auch der Supermarkt täter, wenn ich dort einen anderen Kunden oder Angestellten bestehle, schlage etc.
...wenn der Supermarkt Einlasskontrollen vorsieht, einen eigenen Sicherheitsdienst beauftragt, etc. - dann vielleicht. Merke: nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich!
3.
ChristianW. 22.12.2011
Eine Verkettung unglücklicher Zustände. Soso. Die Choreo fand am Anfang des Spiels statt, warum hat er die Rolle da nicht geworfen? Er hatte offenbar ja sogar Wechselkleidung dabei - warum nur? Und warum haben die anderen Leute, die um ihn herum standen, ihn auch noch gedeckt? Eine Verkettung unglücklicher Zustände. Na klar. In 3 Tagen kommt übrigens der Weihnachtsmann. Hat mir der Osterhase erzählt.
4. Man man man
magicw 22.12.2011
Zitat von ChristianW.Eine Verkettung unglücklicher Zustände. Soso. Die Choreo fand am Anfang des Spiels statt, warum hat er die Rolle da nicht geworfen? Er hatte offenbar ja sogar Wechselkleidung dabei - warum nur? Und warum haben die anderen Leute, die um ihn herum standen, ihn auch noch gedeckt? Eine Verkettung unglücklicher Zustände. Na klar. In 3 Tagen kommt übrigens der Weihnachtsmann. Hat mir der Osterhase erzählt.
Behalte doch einfach deine Vermutungen für dich. Wo steht denn geschrieben, dass er Klamotten dabei hatte? Scheint, dass ich etwas überlesen habe. Und vielleicht war er vorm Spiel noch auf Klo und hat darum nicht geworfen. Ist doch wurscht. Selbst in meiner größten Phantasie kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand mit Wechselklamotten ins Stadion geht und dann eine Kassenrolle bewusst aus ich weiß nicht wieviel Metern in den Nacken werfen will - und auch noch trifft.... und das alles beim Stand von 1:0 für die Heimmannschaft - und vor dem Hintergrund der unleidlichen Bchergeschichte (wo der DFB übrigens auch völlig überreagiert hat. Mag ja sein, dass der Linesman sich erschrocken hat, aber von so einem Wabbelbecher Bier im Nacken bekommt man keine Prellung). Ach ja klar, der Bierbecherwerfer wollte auch den Linienrichter treffen. Klar. Das war schon ein Kunstwurf, dass das Bier nicht schon während des Fluges verloren gegangen ist. Was würde denn ein Richter für eine Strafe verhängen, wenn ich auf der Reeperbahn eine Kassenrolle in den Nacken bekomme. Ich kann's dir sagen: Der Staatsanwalt wird nicht einmal ein Verfahren eröffnen. - und wenn's eine volle Bierflasche ist, die mir jemand auf den Schädel haut, gibt's wegen günstiger Sozialprognosen ein Geldstrafe von 150 Euro - 15 Tagessaätze a 10 Euro. Stellt das Verfahren hier ein und gut ist.
5. Strafe muss sein! Aber verhältnismäßig.
logikerhh 22.12.2011
Zitat von magicw(...) Was würde denn ein Richter für eine Strafe verhängen, wenn ich auf der Reeperbahn eine Kassenrolle in den Nacken bekomme. Ich kann's dir sagen: Der Staatsanwalt wird nicht einmal ein Verfahren eröffnen. - und wenn's eine volle Bierflasche ist, die mir jemand auf den Schädel haut, gibt's wegen günstiger Sozialprognosen ein Geldstrafe von 150 Euro - 15 Tagessaätze a 10 Euro. Stellt das Verfahren hier ein und gut ist.
Ich denke da etwas anders drüber. Jedem der ins Stadion gegangen ist war klar, dass ein Wurf von Gegenständen in Richtung Spielfeld fatale Folgen haben kann, siehe den Bierbecherwurf, der zum Spielabbruch führte. Also war der Wurf SELBST bereits falsch und ist ahndungswürdig. Dass sich das Ding nun nicht entrollt hat anstatt ungefährlich hinunterzuwehen macht da keinen großen Unterschied mehr - wenn es passiert ist, ist es ahndungswürdig. Der Vergleich wäre passender, wenn da jemand z.B. aus dem vierten Stock einen Stapel Flugblätter hinunterwirft, in dem Glauben, dass sie sich in der Luft verteilen und dann harmlos hinuntersegeln: Würde sich dieser Packen ausgerechnet dort verkanten und der ganze Packen dann jemanden unten beinahe erschlagen, kann sich derjenige auch nicht einfach mit "ach, das habe ich doch gar nicht gewollt" rausreden. Fakt ist, dass er trotzdem eine Körperletzung beging. Er mag sie nicht billig in Kauf genommen haben, aber schuldlos ist er an der Sache trotzdem nicht. Aus diesem Grund würde ich neben der zu erwartenden Geldstrafe (10 Tagessätze angelehnt ans Gehalt ist gar nicht mal so unklug als Strafmaß) auch ein einjähriges Stadionverbot erteilen: "Nur" ein Jahr weil derjenige sich gestellt hat und man bei Glaubwürdigkeit des Täters die fehlende Mutwilligkeit strafmildernd gelten lassen kann, aber nicht ohne Strafe davonkommen lassen, weil er sich nicht sofort stellte und weil er bereits vorher wusste, dass es ein Wurf in die falsche Richtung war. Eine härtere Strafe nicht ausgeschlossen (30 Tagessätze? 3-5 Jahre Stadionverbot?), da für mich der Tausch der Kleidung einer Fahrerflucht gleichkommt. Es wird m.E. zu Recht im Straßenverkehr bei Bagatellvergehen die Fahrerflucht deutlich härter bestraft als das Vergehen selbst. Wer abhaut lädt doppelte Schuld auf sich.
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