Schwedens Sieg gegen Kolumbien Viele Torchancen und ein Dopingfall

Sie waren größer, kräftiger, schneller und gewannen trotzdem nur knapp: Schweden ließ bei seinem knappen WM-Auftakterfolg gegen Kolumbien viele Torgelegenheiten ungenutzt. Bei den Südamerikanerinnen rückte die Ersatztorhüterin ins Blickfeld - wegen einer positiven Dopingprobe.

AFP

Aus Leverkusen berichtet


Thomas Dennerby ist nicht so leicht zu durchschauen. Der Trainer der schwedischen Fußballfrauen lächelt gerne freundlich und sagt viele nette Sachen über seine Spielerinnen. "Wenn man so viele Chancen hat, dann hat man eine gute Leistung abgeliefert", erklärte Dennerby nach dem überaus knappen 1:0-Erfolg seines Teams über Kolumbien.

Doch nach dem rasanten Duell der Nordkoreanerinnen gegen die USA einige Stunden später dürfte ihm aufgegangen sein, dass sein Team sich deutlich steigern muss, wenn es das Viertelfinale der WM erreichen möchte.

Denn die Schwedinnen waren gegen den WM-Debütanten aus Südamerika zwar hoch überlegen, doch das Spiel des Mitfavoriten auf den Titel erreichte nicht annähernd die Qualität der zweiten Partie dieser wohl schwersten Vorrundengruppe des WM-Turniers. Es mangelte an Präzision und Tempo, vor allem aber war der Umgang der Skandinavierinnen mit allerbesten Tormöglichkeiten fast schon grotesk.

Hätte das Sturmduo Lotta Schelin und Jessica Landström auch nur die Hälfte seiner hochkarätigen Chancen verwertet, die Schweden hätten diese Partie mit drei, vier oder fünf Toren Vorsprung gewonnen und wären tatsächlich in die Phalanx der Topfavoriten des Turniers aufgestiegen. Doch Landström schoss auch aus fünf Metern über das fast leere Tor, während Schelins Abschlüsse kaum besser aussahen.

Das schwedische Angreifer-Duo lässt beste Chancen ungenutzt

"Das bedeutet nichts, wir haben die drei Punkte", sagte Dennerby. Doch diese irrwitzige Schwäche vor dem Tor bedeutet in Wahrheit ziemlich viel. Schweden gilt seit Jahren als eine der besten Fußballmannschaften der Welt - wenn das Problem mit der Effizienz nicht wäre.

Die Schwedinnen waren Kolumbien in fast allen Belangen überlegen: Sie sind größer, kräftiger und schneller, die körperliche Dominanz war unübersehbar. Doch offenbar haben die Europäerinnen, die in jedes Turnier als potentieller Finalteilnehmer starten, aber seit 1984 keinen internationalen Titel gewinnen konnten, chronische Probleme, das enorme Potential auszuschöpfen.

Die Schweden hoffen auf einen Sommer der Befreiung: "Alles ist hier möglich", hat Schelin vor dem Turnier gesagt. Noch Mitte des vorigen Jahrzehnts galt die schwedische Frauen-Liga als die stärkste der Welt, zwischen 2001 und 2005 erreichte das Nationalteam bei allen großen Wettbewerben mindestens das Halbfinale und 2003 verlor die Mannschaft erst im WM-Finale durch das Golden Goal von Nia Künzer gegen Deutschland. Doch seit dieser erfolgreichen Zeit, scheitert die Mannschaft stets früh. "Dies ist eine der besten Frauen-Nationalmannschaften, die Schweden je hatte", sagt Trainer Dennerby. Den Beweis ist sein Team in der Auftaktpartie schuldig geblieben.

Kolumbiens Ersatztorhüterin unter Dopingverdacht

Immerhin nutzen sie irgendwann ihre x-te Großchance zum 1:0-Siegtreffer. Aus fünf Metern schob Landström, die in der Bundesliga für den 1. FFC Frankfurt spielt, einen Querpass von Schelin über die Linie und rettete die Ehre der beiden Angreiferinnen. Das umtriebige Stürmerduo Schelin/Landström wäre in der Tat ein Spektakel, wenn die beiden nur gelassener im Torabschluss wären. Aber das kann ja noch kommen. Gegen die Kolumbianerinnen, die bis auf ein paar Fernschüsse überhaupt keine Torgefahr erzeugten, reichte der eine Treffer zum mühsamen Sieg, der am Ende nur wenig Erinnernswertes hervorbrachte. Trösten können die Schwedinnen sich mit der alten Erkenntnis, dass viele spätere Titelträger oftmals behäbig in ein Turnier starten.

Eine längere Debatte als der knappe Sieg dürfte eine Meldung nach sich ziehen, die während des Spiels die Runde machte. Kolumbiens Ersatztorfrau Yineth Varon wurde "aufgrund eines von der Norm abweichenden Analyseergebnisses" in einem Dopingtest vom vergangenen Samstag provisorisch aus dem Wettbewerb genommen. Das endgültige Urteil steht noch aus, Varon hat das Recht auf eine B-Probe.

Über die Substanz, die gefunden wurde, gab es zunächst keine Informationen, die 29-jährige Torfrau war erst kurz vor dem WM-Turnier nachnominiert worden, weil sich Stammkeeperin Paula Forero verletzt hatte. "Zu dieser Sache wollen wir uns nicht äußern, bevor wir weitere Informationen haben", sagte Trainer Ricardo Rozo, aber für Kolumbiens Fußballerinnen war dieser erste WM-Auftritt noch viel unerfreulicher als für ineffizienten Schwedinnen.

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krafts 29.11.2010
1.
Zitat von sysopVom Sommermärchen 2006 schwärmen die Fans noch heute. Was bringt die nächste Fußball-WM in Deutschland? 2011 messen sich die besten Frauenteams der Welt. Kann das deutsche Team seinen Titel erfolgreich verteidigen? Wird die Stimmung so ausgelassen sein wie 2006?
Ich gehe mal davon aus, dass die Frauen-WM auch im eigenen Land nicht mit der von 2006 vergleichen kann. Auch bei vielen Fußballinteressierten wird sich das Interesse ziemlich in Grenzen halten.
Kanzla87 29.11.2010
2.
Zitat von kraftsIch gehe mal davon aus, dass die Frauen-WM auch im eigenen Land nicht mit der von 2006 vergleichen kann. Auch bei vielen Fußballinteressierten wird sich das Interesse ziemlich in Grenzen halten.
Aus welchem Grund?
Rockker, 29.11.2010
3.
Ein Wettbwerb aus der Kategorie *EIKS, aber dank den deutschen Medien wird er gehypt zu dem nächsten unsänglichen "Sommermärchen" wo die deutsche NM, alle Gegner sowieso mit 22:0 schlagen wird... *Eigentlich Interessiert Keine Sau
Flosse, 29.11.2010
4. Zu wünschen wäre es...
Zitat von sysopVom Sommermärchen 2006 schwärmen die Fans noch heute. Was bringt die nächste Fußball-WM in Deutschland? 2011 messen sich die besten Frauenteams der Welt. Kann das deutsche Team seinen Titel erfolgreich verteidigen? Wird die Stimmung so ausgelassen sein wie 2006?
Die Stimmung wird wohl kaum so ausgelassen sein wie 2006, weil es auch einfach viel kleinere Stadien sind. Das Medieninteresse wird da sein, aber ob die Fans so mitziehen? Zu wünschen wäre es. Ich fände es übrigens auch klasse, wenn mal die Herren-N-11 gegen die Damen-N-11 spielen würde. Vor vier Jahren waren die Frauen zumindest spielerisch überlegen...
CaptainSubtext 29.11.2010
5. !
Zitat von FlosseDie Stimmung wird wohl kaum so ausgelassen sein wie 2006, weil es auch einfach viel kleinere Stadien sind. Das Medieninteresse wird da sein, aber ob die Fans so mitziehen? Zu wünschen wäre es. Ich fände es übrigens auch klasse, wenn mal die Herren-N-11 gegen die Damen-N-11 spielen würde. Vor vier Jahren waren die Frauen zumindest spielerisch überlegen...
mmmmh. Wenn die Damenelf noch nicht mal in der Lage ist gegen eine Vereins-B-Jugend zu gewinnen, wieso.....?
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