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Olympia der Indianer Mit Blasrohr auf Fischfang

Für die brasilianischen Ureinwohner ist es der Höhepukt des Jahres. Bei den Olympischen Spielen der indigenen Völker repräsentieren sie ihre Stämme. Mit Pfeilschießen und Baumstumpftragen kämften die 1200 Teilnehmer nicht nur um erste Plätze, sondern auch für ihre kulturelle Identität.

Asurini-Indianer: Farbenfrohe Eröffnungszeremonie
REUTERS

Asurini-Indianer: Farbenfrohe Eröffnungszeremonie

Gesang drängt von allen Seiten ans Ohr. Die Tänzer sind traditionell gekleidet, sie tragen Schmuck, einige haben ihre Körper bemalt. Auffällig ist eine Gruppe von 14 Indianern, ihr Kopfschmuck besteht aus bunten Federn. Es handelt sich um Guajajara, eine Ethnie aus dem Norden Brasiliens, die erstmals an den Olympischen Spielen der Ureinwohner teilnimmt. Insgesamt ist es bereits die siebte Veranstaltung. Vor acht Jahren wurden die Spiele ins Leben gerufen. Nach jahrelangen Bemühungen der indianischen Führer, eine landesweite Veranstaltung zu organisieren, gab der damalige Sportminister Edson Arantes do Nascimente, genannt Pelé, den entscheidenden Stoß. Die Koordination der Spiele, die Konstruktion des olympischen Dorfes und die Festlegung der Disziplinen steht unter indigener Führung.

Auf Initiative von Lícia Chacas, Mitarbeiterin der Organisation Fundação Nacional do Indio, wurde dieses Jahr auch eine Gruppe der Guajajara eingeladen: "Ich arbeite schon lange mit ihnen zusammen. Und da sie wenig Kontakt mit anderen Ethnien haben, wollte ich, dass sie zu den Olympischen Spielen eingeladen wurden."

Die Guajajara gehören zur Gruppe der Tupi-Guarani und leben in den Bundesstaaten Maranhão und Pará im Norden Brasiliens. Sie selber nennen sich Tenetehara. "Ich finde es sehr wichtig, dass ich andere Verwandte kennenlernen und ich mich mit ihnen austauschen kann", sagt der Häuptling José Lopes. Mit ihm reisten zwölf Männer und zwei Frauen nach Porto Seguro. "Wir hoffen, dass wir auch nächstes Jahr wieder kommen dürfen", so Lopes, der zusammen mit seiner Gruppe vier Tage im Bus unterwegs war.

In Brasilien leben 230 verschiedene Ethnien. Jedes Jahr werden rund 40 Stämme zu den Spielen eingeladen. Dieses Mal werden die Spiele vom brasilianischen Ministerium für Sport in Zusammenarbeit mit dem Comitê Intertribal Memória e Ciêncua Indígena und der Regierung des Bundesstaates Bahia organisiert.

Mati-Indianer: Meister des Blasrohrs
REUTERS

Mati-Indianer: Meister des Blasrohrs

Beim ersten Wettkampf, Pfeil und Bogen, nehmen Lourenço und Hamilton von den Guajararas teil. Das zu treffende Ziel hat immer die Form eines Tieres. Dieses Jahr ist es ein Fisch. Ein Schuss ins Auge bringt rund 60 Punkte, Lourenço kommt mit seinen drei Schüssen auf 33 Zähler. "Für mich war es gut. Als Kind mit sieben, acht Jahren trainierte ich Pfeil und Bogen, jetzt nicht mehr. Ich vertraute auf meinem Geist", sagt er.

Bei den diesjährigen Olympischen Spielen treten die Sportler in 16 verschiedenen Disziplinen an, aufgeteilt in traditionelle wie Blasrohrschießen oder Staffellauf mit Baumstumpftragen und solche, die die Ureinwohner des Landes im Zusammenleben mit den Weißen kennengelernt haben. Der moderne Sport ist mit Leichtathletik, Schwimmen, Marathon und Fußball dabei. Beim Rundledersport spielen Männer und Frauen gemeinsam, eine Halbzeit dauert 20 Minuten.

"Fußball ist für uns so wichtig wie für die Nicht-Indianer. Durch die Beliebtheit dieser Sportart in der Welt, hat sie auch für uns eine hohe Bedeutung gewonnen", berichtet Patoein vom Stamm der Kaiowa. "es lässt sich heute mit Fußball viel Geld verdienen, und wir alle hoffen, dass einmal ein Indianer es in eine Profimannschaft schafft." Und Edson Terena ergänzt: "Wir trainieren viel, praktisch täglich. Wir sind hier um zu gewinnen. Deshalb sind wir um so enttäuschter, dass wir bereits ausgeschieden sind." Die Patoein unterliegen der Gastgeber-Mannschaft Pataxó mit 0:3.

Gaviao-Indianerin: Staffellauf mit Baumstamm
DPA

Gaviao-Indianerin: Staffellauf mit Baumstamm

Die Kayapós, die bereits zum siebten Mal an den Spielen teilnehmen, haben ein ganz eigenes Spiel. Das so genannte "Ronkrã" ist eine Mischung aus Fußball und Cricket und wird in zwei Teams von je zehn oder noch mehr Mitgliedern gespielt. Mit Schlägern schlagen die Spieler auf einen kleinen Ball ein und versuchen ihn über die gegnerische Linie zu bringen. Laut Häuptling Bekuwai hat dieser Sport keine festgelegte Spieldauer: "Manchmal sind wir länger als drei Stunden dabei."

Berühmt sind die Kayapós auch für ihre Körperkraft. Beim "Cabo-de-Guerra" (Seilziehen) kommen sie ins Finale. Diese Disziplin erreichte die indigene Kultur durch den Kontakt zur brasilianischen Armee. Auf jeder Seite ziehen zehn Vertreter einer Ethnie an dem Seil, unterstützt von den Rufen der Häuptlinge. "Wir hätten gern beim Seilziehen mitgemacht, doch vier von uns sind verletzt oder krank", sagt Hamilton von den Guajajaras. Jurasi und ihre Kollegin aus der Gruppe werden noch bei dem Rennen teilnehmen. "Das nächste Mal hoffen wir mit mehr Personen und besser vorbereitet zu den Spielen zu kommen", erklärt sie.

Gemeinsam mit ihren "Verwandten", wie sich die Indianer untereinander nennen, bereitet sich Jurasi am nächsten Tag auf die Schlussfeier vor. Geschmückt und mit Körperbemalung betreten sie die Arena, schütteln mit ihren Rasseln, zelebrieren ihre Tänze und Gesänge. Am Ende der Zeremonie erhalten alle Stämme Medaillen und Trophäen für die Teilnahme. Nächstes Mal, vielleicht 2005 oder 2006, darüber sind sich die Organisatoren noch nicht einig, werden sich die Indianer im Norden Brasiliens treffen.

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