Doping
Mühlegg muss Gold zurückgeben
Überschattet von einem Doping-Skandal bei den Ski-Langläufern sind die Olympischen Winterspiele von Salt Lake City zu Ende gegangen. Dem König der Loipe, Johann "Juanito" Mühlegg aus Spanien, ist die Goldmedaille über 50 Kilometer der Herren aberkannt worden. Zwei Russinnen sind ebenfalls betroffen.
DPA
Johann Mühlegg nach seiner Anhörung vor dem IOC: "Kein Kommentar"
Salt Lake City - Der größte Dopingskandal in der Geschichte der Olympischen Spiele ist perfekt. Der dreifache Olympiasieger Johann Mühlegg (Spanien) sowie die beiden russischen Langläuferinnen Larissa Lasutina und Olga Danilowa wurden am 21. Februar positiv auf das in seiner Wirkungsweise dem Blutdopingmittel Epo ähnelnde Darbepoetin mit dem Handelsnamen Aranesp getestet. Das verkündete Francois Carrard, der Generaldirektor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), am Sonntag wenige Stunden vor der Schlussfeier in Salt Lake City.
Mühlegg und Lasutina werden die Goldmedaillen über 50 beziehungsweise 30 Kilometer aberkannt. Über 50 Kilometer ist damit der Russe Michail Iwanow Olympiasieger vor Andrus Veerpalu (Estland) und dem Norweger Odd-Björn Hjelmeset. Andreas Schlütter (Oberhof) rückt auf den vierten Platz vor. Danilowa behält ihre Goldmedaille im Jagdrennen und das 10-Kilometer-Silber, weil beide Veranstaltungen vor der
Dopingprobe lagen.
"Unser Kontrollsystem funktioniert"
Anstelle von Lasutina, die mit dem Sieg über 30 Kilometer erfolgreichste Winter-Olympionikin aller Zeiten gewesen wäre, bekommt die Italienerin Gabriella Paruzzi die Goldmedaille zuerkannt. Silber geht an ihre Landsfrau Stefania Belmondo, Bronze an die Norwegerin Bente Skari. Viola Bauer (Oberwiesenthal) rückt auf
Platz sechs vor. "Unser Kontrollsystem funktioniert", sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach als Vorsitzender der Disziplinar-Kommission: "Wichtig ist, dass wir schnell und konsequent noch vor der Schlussfeier reagiert haben."
AP
Nutzloser Jubel: Larissa Lazutina musste ihre Goldmedaille über die 30 Kilometer zurückgeben
Die Dopingsünder werden offiziell von den XIX. Winterspielen ausgeschlossen. Über die Dauer der Sperre entscheidet in allen Fällen der Internationale Skiverband Fis. Die Rückgabe der Medaillen und Urkunden musste bis Sonntag um 17.00 Uhr Ortszeit erfolgen. Das zu Ehren von Johann Mühlegg am kommenden Mittwoch beim spanischen König Juan Carlos geplante Dinner findet allerdings statt. "Wir sind mit unseren Gedanken bei Juanito", sagte der spanische Sportminister Antonio Gomez: "Das ist ein sehr schwerer Schlag für uns alle."
Verlust von "Respekt und Achtung"
"Die beiden Goldmedaillen, die Johann Mühlegg behält, nützen ihm nichts mehr. Er verliert jeden Respekt und die Achtung in der Welt des Sports und wird nicht mehr als Olympiasieger anerkannt", hatte IOC-Präsident Jacques Rogge bereits vor der Bekanntgabe erklärt. Ein positiver Test, so Rogge, mache ihn nicht traurig,
sondern zeige ihm, "dass unser System funktioniert". Mühlegg, der 1998 dem Deutschen Skiverband (DSV) im Streit ("Spiritisten-Affäre") den Rücken gekehrt hatte und seit Ende 1999 für Spanien in die Loipe geht, fühlt sich indessen unschuldig. "Jetzt überrollt mich das Ganze. Ich will versuchen, ruhig Blut zu bewahren", sagte der 31-Jährige, "aber endgültig vorbei ist es noch nicht." Am Montag wird das Ergebnis der B-Probe erwartet.
In der Nacht zum Sonntag hatte die Angelegenheit ihren Lauf genommen. Nachdem Sportminister Gomez nach einem Gespräch mit der Medizinischen Kommission des IOC im spanischen Radio über einen
positiven Befund bei Mühlegg gesprochen hatte, erfolgte am Sonntagmorgen die Bestätigung durch den spanischen Mannschaftsarzt Benjamin Fernandez. Da lagen der Disziplinar-Kommission unter Vorsitz von Bach bereits die Ergebnisse der medizinischen Analysen vor. "Ich wollte Lasutina und Danilowa nicht vom 30-km-Rennen ausschließen sondern erst die Anhörung am Sonntagmittag abwarten", sagte Bach.
Mühlegg musste ab 8.30 Uhr Ortszeit im IOC-Hotel Little America der IOC-Disziplinarkommission Rede und Antwort stehen. Knapp eine Stunde später verließ Mühlegg kommentarlos das Hotel und fuhr zurück nach Soldier Hollow. Die beiden Russinnen wurden durch russische NOK-Funktionäre vertreten.
Unerlaubte Hilfsmittel von Hamstern
Zu diesem Zeitpunkt herrschte noch Unklarheit über die regelkonforme Anerkennung des Mittels als Dopingsubstanz. Jordi Segura, Mitglied der Medizinischen Kommission des IOC, wies darauf
hin, dass das Mittel auf der Dopingliste namentlich nicht vermerkt ist. Dennoch falle es seiner Meinung nach bei der Auflistung der Gruppe "Peptidhormone" im Anti-Doping-Code des IOC unter die "artverwandten Substanzen" von Epo.
Mühlegg hatte vor den 50 Kilometer im klassischen Stil bereits die Rennen über 30 Kilometer Freistil und in der Verfolgung gewonnen und damit als erster Langläufer der Geschichte dreimal Einzelgold bei den gleichen Winterspielen geholt. Schon vor seinem Goldlauf von Soldier Hollow über 50 Kilometer war Mühlegg ins Zwielicht geraten. Bei einer Blutkontrolle vor dem Rennen lag die Hämoglobinkonzentration über dem zulässigen Wert von 17,5 Gramm/Deziliter. Der obligatorische zweite Test brachte dann ein Ergebnis unterhalb des Grenzwertes und damit doch noch die Starterlaubnis.
Absurde Erklärung
Mühlegg hatte eine einfache Erklärung für die Ungereimtheiten. "Ich habe die letzten fünf Tage eine spezielle Diät gemacht, zwei Tage nur Proteine und drei Tage nur Kohlenhydrate. Außerdem hatte ich letzte Nacht Durchfall und die Höhenlage spielt auch eine Rolle", sagte der Langläufer. Seine Erklärungsversuche nannte
Patrick Schamasch absurd. "Eine Diät oder Durchfall beeinflussen den Hämoglobinwert nicht", sagte der Medizinische Direktor des IOC.
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