Sonntag, 22. November 2009

Sport



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
  • Merken
27.04.2003
 

Dopingfall Carl Lewis

Vertuschungsversuch der USA?

Dem neunfachen Olympiasieger Carl Lewis drohen wegen seiner angeblichen Dopingvergehen zwar keine rechtlichen Konsequenzen. Dafür fordert der internationale Sportgerichtshof CAS eine Untersuchungskommission, die den dubiosen Machenschaften des olympischen Komitees der USA nachgehen soll.

Carl Lewis holte im Sprint und Weitsprung neunmal Gold bei Olympia
Zur Großansicht
AP

Carl Lewis holte im Sprint und Weitsprung neunmal Gold bei Olympia

Hamburg - Dem internationalen Sportgerichtshof CAS ist es nach Aussage seines kanadischen Richters Richard McLaren unmöglich, eine Untersuchung gegen Lewis und die weiteren des Dopings in den achtziger und neunziger Jahren beschuldigten US-Sportler zu initiieren. Nach den Regeln des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF seien diese Fälle bereits verjährt, erklärte der Anwalt.

Im Zentrum seiner Kritik stehen die Sportorganisationen der USA. Eine internationale Untersuchungskommission solle dem Vertuschungsversuch des NOK der USA und des nationalen Verbandes USATF nachgehen, forderte McLaren im Deutschlandfunk: "Die Regeln besagen, dass der internationale Verband die Entscheidung überprüfen muss, wenn ein Athlet durch seinen nationalen Verband von einem Dopingvorwurf entlastet wird."

IAAF-Vizepräsident Helmut Digel sagte dazu: "Wir haben über einen längeren Zeitraum das grundlegende Problem beobachten können, dass der amerikanische Verband nur selten mit der IAAF kooperiert hat. Es bleibt eine Kernfrage: Wann endlich wird von der größten Sportnation begriffen, dass man solidarisch gegenüber den anderen Ländern sein muss?" Auf den Internetseiten des US-Verbandes USATF und der IAAF findet der Fall Lewis bislang mit keiner Zeile Erwähnung. Der 41-Jährige hatte am vergangenen Dienstag positive Tests im Vorfeld von Seoul eingeräumt, aber als unabsichtlich sowie unerheblich heruntergespielt.

Allerdings war Lewis wohl weder nach damaligen noch heutigen Maßstäben vor 15 Jahren bei insgesamt drei Tests positiv. Laut einem Bericht der "Los Angeles Times" lagen die in seinem Urin festgestellten Werte mit zwei, vier und sechs Millionstel Gramm einer Mixtur aus den Stimulanzien Ephedrin, Pseudoephedrin und Phenylpropanolamin unter der Schwelle von zehn Millionstel Gramm für eine positive Probe. "Damals wurden zwischen Werten von ein und zehn Millionstel Vermerke gemacht", erklärte IAAF-Mediendirektor Nick Davies, "das geschieht heute gar nicht mehr." Lewis war zwar auffällig, aber nicht positiv. Entlastet wird durch die der Zeitung vorliegenden Papiere auch Joe DeLoach, 200-Meter-Olympiasieger von Seoul. Bei ihm soll der Wert sieben Millionstel Gramm betragen haben.

Damit ist der heikle Thema aber noch lange nicht vom Tisch. Wade Exum, früherer Doping-Chef beim Nationalen Olympischen Komitee der USA, der mit den Vorwürfen gegen Lewis und Co. an die Öffentlichkeit gegangen war, ist mittlerweile abgetaucht. Überdies lagen der IAAF bis zum Wochenende noch keine Dokumente aus den USA vor. "Der Mangel an Transparenz des US-Dopingkontrollprogramms seit 1988 war das eigentliche Problem", erklärte der Schwede Arne Ljungqvist, Vorsitzender der Medizinischen Kommission des IOC und IAAF-Vizepräsident, "das USOC hat der IAAF, also dem für die Zulassung zu Olympischen Spielen zuständigen Fachverband, eine Überprüfung der Serien-Freisprüche ja gar nicht ermöglicht, weil es alle Namen verheimlicht hat."

Große Empörung äußerte die frühere Sprintweltmeisterin Katrin Krabbe. Sie empfinde es als Skandal, dass in den USA "offenbar eine erhebliche Zahl von Dopingverstößen" vertuscht worden sei, sagte die 33-Jährige im "Focus"-Interview. Viele Athleten aus den anderen Nationen seien ungeachtet ihrer Mitschuld am Zustandekommen einer positiven Probe sehr hart bestraft worden, lamentierte die Neubrandenburgerin. Es sei "ein echter Hammer", dass sie selbst 1992 "für die Einnahme eines Medikaments, das nicht auf der Dopingliste stand, zweieinhalb Jahre gesperrt wurde und eindeutige Dopingverstöße unter den Tisch gekehrt wurden".

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH












Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern