Berlin - "Ich habe immer daran geglaubt, dass ich einen Marathon gewinnen und den Weltrekord brechen kann. Ich bin so glücklich", jubelte Paul Tergat nach seinem Triumphlauf in Berlin. Am Ende musste der Sieger sogar noch sprinten. Der Kenianer lief beim 30. Berlin-Marathon nach 2:04:55 Stunden über die Ziellinie und stellte damit eine neue Bestmarke über die 42,195 Kilometer lange Strecke auf. Er verbesserte die alte Rekordzeit des Amerikaners Khalid Khannouchi um 43 Sekunden.
Vorbereitung auf den Weltrekord ausgerichtet
Der 34-Jährige hatte im Ziel lediglich eine Sekunde Vorsprung vor seinem Landsmann Sammy Korir, der als Tempomacher vorgesehen war und das Rennen bis zum Schluss offen hielt. Einen Kilometer vor dem Ziel auf der Straße des 17. Juli startete Tergat die entscheidende Attacke, doch ein Organisationsfehler wäre ihm fast zum Verhängnis geworden. Er wusste nicht, welchen Bogen des Brandenburger Tores er durchlaufen musste, folgte dem Führungsfahrzeug und lief dadurch überflüssige Meter. "Es waren ein paar Momente der Unsicherheit", gab der Sieger hinterher zu.
Als Khannouchi im April 2002 in London eine neue Bestzeit lief, war Tergat dem gebürtigem Marokkaner zehn Sekunden unterlegen. "Das hat mich damals schon etwas geärgert, und ich bin glücklich, dass ich mir heute den Weltrekord holen konnte. Darauf hatte ich meine ganze Vorbereitung ausgerichtet", freute sich der Kenianer im Ziel.
Der fünfmalige Cross-Weltmeister hatte sich mit Vorjahressieger Raymond Kipkoech, sechs weiteren Landsleuten und zwei japanischen Läufern früh abgesetzt. Die Halbdistanz bewältigte Tergat in 1:03:01 Stunden, danach verschärften der Sieger, Korir und Titus Munji das Tempo.
Erster Sieg in einem großen Rennen
"Ich habe unterwegs gemerkt, dass wir auf eine ganz große Zeit zusteuern und habe darauf geachtet, dass wir das Tempo nicht übertreiben. Das hat sich am Schluss ausgezahlt», sagte Tergat gleich nach dem Zieleinlauf in Berlin. Für Tergat ist es der erste Sieg in einem großen Rennen. Bei den Olympischen Spielen 1996 und 2000 unterlag er über 10.000 Meter jeweils dem Äthioper Haile Gebreselassie, der ihm 1998 in Hengelo auch den Weltrekord über diese Distanz entriss. Bei seinen bisherigen fünf Marathonstarts konnte der Kenianer bisher nie als Erster das Ziel erreichen.
Bei den Frauen gab es wie im vergangenen Jahr einen japanischen Sieg. In Abwesenheit von Naoko Takahashi gewann bei der 30. Auflage Yasuko Hashimoto in 2:26:32 Stunden. Beste deutsche Starter waren Jirka Arndt aus Potsdam bei den Männern (2:16:28) und bei den Frauen Kathrin Weßel aus Berlin (2:38:15). Bundesinnenminister Otto Schilly zeigte sich beeindruckt von der Veranstaltung: "Die Stimmung ist fantastisch, und die sportlichen Leistungen sind beeindruckend."
Ergebnisse Berlin-Marathon
Männer
1. Paul Tergat (Kenia) 2:04:55 Std. (Weltrekord)
2. Sammy Korir (Kenia) 2:04:56
3. Titus Munji (Kenia) 2:06:15
4. Andres Espinosa (Mexiko) 2:08:46
5. Raymond Kipkoech (Kenia) 2:09:21
6. Kazuhiro Matsuda (Japan) 2:09:49
Frauen
1. Yasuko Hashimoto (Japan) 2:26:32 Std.
2. Emily Kimuria (Kenia) 2:28:18
3. Ornella Ferrara (Italien) 2:28:28
4. Ana Dias (Portugal) 2:28:49
5. Alina Iwanowa (Russland) 2:29:00
6. Monika Drybulska (Polen) 2:29:58
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