Mittwoch, 10. Februar 2010

Sport



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06.07.2004
 

Interview mit Andy Roddick

"Als Amerikaner unterstütze ich natürlich mein Land"

Das Wimbledon-Finale verlor Andy Roddick zwar gegen Titelverteidiger Roger Federer. Doch Experten sind sich einig, dass der 21-Jährige einer der Spieler sein wird, die den Tennissport weiter prägen werden. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht Roddick über Pop, Stars und den Irak-Krieg.

US-Open-Sieger Roddick: "Ich bin ziemlich intensiv auf dem Platz"
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REUTERS

US-Open-Sieger Roddick: "Ich bin ziemlich intensiv auf dem Platz"

SPIEGEL ONLINE:

Herr Roddick, Sie haben unlängst mit 246,2 Stundenkilometern einen neuen Aufschlag-Weltrekord aufgestellt. Üben Sie Ihr Service besonders?

Andy Roddick: Überhaupt nicht. Es gibt einige Schwachpunkte, an denen ich hart arbeite, aber ich verrate nicht welche.

SPIEGEL ONLINE: Sie werfen Ihren Gegenspielern nach einem erfolgreichen Donneraufschlag noch einen Blick hinterher, der könnte heißen: Ich werde dich fertig machen.

Roddick: Das gehört zur Show.

SPIEGEL ONLINE: Es ist eine Art Übergangszeit im Tennis. Die großen Namen wie Sampras oder Becker sind abgetreten, bei den jungen Profis haben sich noch keine richtig großen Persönlichkeiten herauskristallisiert. Das Tennis, diese große Duellnummer, scheint im Moment ein bisschen gesichtsloser geworden zu sein. Versuchen Sie sich da als der junge Punk zu etablieren?

Roddick: Man kann sich nicht einfach eine Show-Persönlichkeit zulegen, sie muss sich natürlich entwickeln. Man darf nicht zum Schauspieler werden, aber das rauszubringen, was in einem steckt, ist nicht schlecht. Ich bin ziemlich intensiv auf dem Platz. Ich will gewinnen und hasse es zu verlieren.

SPIEGEL ONLINE: Warum gibt es derzeit so wenige charismatische Spieler?

Roddick: Man muss uns Zeit geben. Alle zehn Jahre gibt es neue, junge Profis, die in der Lage sind, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. In zwei bis drei Jahren kennt man uns ein bisschen besser.

SPIEGEL ONLINE: Wann haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass Sie ein Star sind?

Matussek (l.) und Roddick: "Merkwürdig, wie ein Star behandelt zu werden"
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Martin Salter

Matussek (l.) und Roddick: "Merkwürdig, wie ein Star behandelt zu werden"

Roddick: Schwer zu sagen. Ich mag gar nicht in solchen Kategorien über mich nachdenken.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie sind eine Berühmtheit. Sie sind gerade in der US-Kultsendung "Saturday Night Life" aufgetreten.

Roddick: Das hat Spaß gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Fans reagieren auf Sie mit Bewunderung oder Scheu.

Roddick: Das ist ein verrücktes Gefühl. Alle meine Freunde werden Ihnen bestätigen, dass ich ein völlig gewöhnlicher Typ bin, mit Ausnahme dieses außergewöhnlichen Talents. Es ist immer noch sehr merkwürdig, wie ein Star behandelt zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Besser, Sie gewöhnen sich dran.

Roddick: Ich bin dabei.

SPIEGEL ONLINE: Was waren die Idole Ihrer Jugend?

Roddick: Ich hatte das Glück, mit einer ganzen Handvoll amerikanischer Tennisstars aufzuwachsen - Sampras, Agassi, Chang, Courier. Leider habe ich die Großen früherer Tage wie Laver nicht erlebt.

SPIEGEL ONLINE: Aber wenn Sie nur einen nennen müssten, auch jenseits des Tennis. Wer wäre es?

Roddick: Sampras war natürlich einer meiner Lehrer. Aber am meisten bewundere ich solche Sportler, die über ihre Sportart hinaus ausgestrahlt haben, also Muhammad Ali oder Lance Armstrong, die Positionen bezogen haben und dafür eingestanden sind. Sie hatten jenseits ihres Sportes etwas zu sagen, sie wollten wirklich etwas verändern.

SPIEGEL ONLINE: Und Sie?

Wimbledon-Finalist Roddick: "Ich mag den Wettbewerb"
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AFP

Wimbledon-Finalist Roddick: "Ich mag den Wettbewerb"

Roddick: Nun, ich habe eine Charity Foundation, für die ich sehr aktiv bin.

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit dem Krieg?

Roddick: Was soll damit sein?

SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie vom Irak-Krieg? Ein Fehler?

Roddick: Einer meiner besten Jungendfreunde kämpft dort unten, und ich wünsche natürlich, dass er heil da rauskommt. Hören Sie, es ist nicht meine Aufgabe, mich dazu zu äußern. Ich als Amerikaner unterstütze natürlich mein Land. Ich stimme mit bestimmten Dingen überein, andere lehne ich ab. Gott sei Dank muss ich da keine Entscheidungen treffen. Ich weiß zuwenig über die ganze Sache, um darüber ein Urteil zu treffen.

SPIEGEL ONLINE: Sport und Pop scheinen zu verschmelzen, jeder Tennisstar hat mittlerweile seine eigene Modelinie, HipHopper tragen Sportklamotten. Sind Sie ein Popstar?

Roddick: Ich bin mit Pop groß geworden. Aber wenn ich auf dem Platz meinen Job nicht erledige, ist alles andere überflüssig. Tennis ist meine höchste Priorität.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie nicht Tennis spielen, fühlen Sie sich wie ein Junkie ohne Droge, sagten Sie kürzlich. Was ist es genau, worauf Sie nicht verzichten können? Der Erfolg, das Spiel, das Siegen?

Roddick: Tennis war immer Teil meines Lebens. Ich mag den Wettbewerb.

SPIEGEL ONLINE: Eine Sportzeitung prophezeite jüngst, dass Sie die beste Nummer eins aller Zeiten werden.

Roddick: Es ist lächerlich, so etwas zu behaupten - zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Aber natürlich wäre es toll, wenn es passieren würde.

Die Fragen stellte Matthias Matussek, London

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