Warendorf - "Ich war erschüttert, als ich das erfahren habe, denn das ist durch eine Behandlung zum Wohle des Pferdes entstanden", sagte Beerbaum zum Nachweis der verbotenen Substanz Betamethason. Während der Olympischen Spiele sei Goldfever wegen einer Scheuerstelle im Fesselbereich mit einer Salbe behandelt worden, die die Substanz Betamethason enthält. Mannschaftstierarzt Björn Nolting sei informiert gewesen. Der deutsche Ausnahme-Springreiter hatte in Athen die Goldmedaille mit der Mannschaft gewonnen.
"Ich wusste, dass eine Scheuerstelle in der Fesselbeuge von Goldfever mit Salbe behandelt wurde. Da ich aber wusste, dass unser Mannschaftstierarzt diese Behandlung zugelassen hat, war ich unbesorgt", so Beerbaum weiter, "doch wie ich erst jetzt erfahren habe, enthielt die Salbe die besagte Substanz. Hätten wir die Behandlung in Athen dem offiziellen Tierärztegremium der FEI gemeldet, wäre diese Behandlung möglicherweise zugelassen worden und wir hätten heute keinen Fall." Beerbaum betonte jedoch, sich nicht aus der Verantwortung stehlen zu wollen.
Wie die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) weiter mitteilte, sind während der Olympischen Spiele neben Goldfever von Beerbaum und Hoys Pferd Ringwood Cockatoo zwei weitere Pferde positiv geprüft worden, darunter auch Waterford Crystal von Olympiasieger Cian O'Connor. Beim Pferd des Springreiters war eine Medikationskontrolle auffällig. "Ich bin am Boden zerstört", sagte der Ire. O'Connor gab sich jedoch "hundertprozentig überzeugt", dass dem Pferd keine Leistung fördernden Mittel gegeben wurden. Der vierte positive Befund stammt von Foxy, dem Pferd des österreichischen Vielseitigkeitsreiters Harald Riedl. Das Quartett hat nach Erhalt des Analyseergebnisses zehn Tage Zeit, eine B-Probe zu beantragen.
"Ich bin erschüttert"
Sollte die B-Probe Goldfevers das gleiche Ergebnis haben, würden die deutschen Springreiter Gold verlieren und Bronze erhalten. Anders als in Ballsportarten werden nicht die kompletten Teamergebnisse geändert, sondern nur die des betroffenen Sportlers. Wenn auch die B-Probe von O'Connor positive wäre, würde der Ire Gold verlieren und Rodrigo Pessoa (Brasilien) Einzel-Gold erhalten. Bronze ginge an den bisherigen Vierten Marco Kutscher, der pikanterweise Angestellter von Beerbaum ist.
"Ich bin erschüttert. Jeder einzelne Fall ist eine Katastrophe", sagte Reinhard Wendt, Geschäftsführer des Deutsche Olympiade Komitees für Reiterei (DOKR), "für das Zusammentreffen dieser vier Fälle fehlen mir die Worte." Vor Schuldzuweisungen müssten aber gründliche Recherchen und die Analysen der B-Proben liegen, erklärte Wendt.
Auch dem Chef der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Hanfried Haring, fehlten nach Bekanntwerden der positiven A-Proben die Worte: "Das war kein Vorsatz, sondern Dummheit", sagte Haring, "Wir waren doch nicht auf einem Dorfturnier." Der für den 16. Oktober geplante "Olympia-Ball" des DOKR, bei dem die deutschen Medaillengewinner der diesjährigen internationalen Turniere gewürdigt werden sollten, wurde abgesagt.
Bei Hoys Pferd wurde die Substanz Hydroxy-Diphenhydramin, ein Abbaustoff der verbotenen Substanz Diphenhydramin festgestellt. Das Pferd wurde wegen einer Schwellung in der Sattellage mehrfach mit einer Benadryl-Lotion eingerieben. "Ich habe mich dabei auf die Erlaubnis unseres Mannschaftierarztes Dr. Carsten Weitkamp verlassen, der sich vorher extra bei einem der zuständigen Tierärzte der FEI erkundigt hat, ob diese Behandlung erlaubt sei", sagte Hoy.
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