Madrid - "Es ist eine harte Entscheidung, weil ich dank meiner Leidenschaft und Liebe zum Schach die Spitze erreicht habe", sagte Ex-Weltmeister Kasparow am Rande eines Turniers in der spanischen Stadt Linares. Zwar werde er weiter Schach spielen und Bücher über den Sport schreiben, allerdings verabschiede er sich von den Turnieren der Weltelite.
Als Grund nannte der 41-Jährige unter anderem seine Enttäuschung über die fehlgeschlagenen Bemühungen, die seit 1993 in zwei Verbände gespaltene Schachwelt wieder zu einen.
Kasparow kündigte an, sich in Zukunft verstärkt politisch engagieren zu wollen. Mit der liberalen Gruppe "Komitee 2008: Freie Wahl" gehört er zu den Oppositionsanhängern in Russland und hat Präsident Wladimir Putin wiederholt scharf kritisiert.
In Linares beendete Kasparow seinen letzten Einsatz als Schachprofi gemeinsam mit dem bulgarischen Großmeister Weselin Topalow auf dem ersten Rang und teilte sich das Siegespreisgeld von 175.000 Dollar. Topalow konnte Kasparow durch einen Sieg im Spitzenspiel der letzten Runde noch einholen und ihn in einer Sizilialischen Partie nach 30 Zügen überraschend zur Aufgabe zwingen.
Spektakuläre Niederlage gegen Deep Blue
Knapp 20 Jahre lang war der in Baku (Aserbaidschan) geborene Kasporow die Nummer eins der Weltrangliste. Von Experten wird er als einer der besten Schachspieler aller Zeiten angesehen, doch eine seiner Niederlagen wird für immer legendär bleiben: 1997 unterlag Kasparow dem IBM Supercomputer Deep Blue. 2003 beendete er eine zweite Auseinandersetzung unter dem Motto "Mensch gegen Maschine" gegen Deep Fritz 3:3-Unentschieden.
1973, im Alter von zehn Jahren, wurde Kasparow Schüler die berühmte Botwinnik-Schachakademie. Schon zwei Jahre später war er der jüngste Gewinner, der jemals die russische Junioren-Meisterschaft für sich entscheiden konnte. Mit 16 wurde Kasparow Junioren-Weltmeister und erhielt an seinem 17. Geburtstag die Auszeichnung zum Großmeister.
WM-Marathon gegen Karpow
Kasparows erster WM-Titelkampf war der längste der Geschichte. Zwischen September 1984 und Februar 1985 duellierte sich Kasparow und Anatoly Karpow in Moskau über 159 Tage und 48 Partien, ehe das spektakuläre Match von Fide-Präsident Campomanes trotz großer Kontroverse abgebrochen wurde. Titelverteidiger Karpow führte zu diesem Zeitpunkt mit 5:3, doch die physische und psychische Belastung zeigte bei Karpow seine Wirkung und alles sah nach einem Sieg von Kasparow aus.
Sechs Monate später gewann Kasparow den Rückkampf gegen Karpow mit 13:11 und wurde mit 22 Jahren der jüngste Weltmeister aller Zeiten. Kasparow verteidigte seinen Titel gegen Karpow noch 1986, 1987 und 1990. Im Jahr 2000 verlor Kasparow seinen WM-Titel an Wladimir Kramnik nach einer 6,5:8,5-Niederlage.
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