Von Achim Achilles
Zuerst die schlechte Nachricht: Unsere Teenager sind eine fürchterliche Brut. Bei denen dreht sich alles nur um Klamotten, um peinlich große Schriftzüge und Labels, kleine blöde Abzeichen, die Geschmack und Exklusivität signalisieren sollen, aber in Wirklichkeit nur brüllen: Hemd teuer, Hose sauteuer, Schuhe unbezahlbar.
Jetzt die noch schlechtere Nachricht: Die Eltern dieser Teenager sind wesentlich schlimmer, vor allem, wenn sie laufen. Es ist eine verdammte Lüge, die jedem Anfänger aufgetischt wird: Laufen sei ein ganz billiger Sport, da brauche man nur Sachen, die ohnehin jeder im Schrank hat: die alten Pilzpantinen, das gute alte UCLA-Shirt und die baumwollgraue Bollerbuxe. Ossi-Bräute könnten bei der Gelegenheit gleich ihre Buffalos auftragen. Sohle ist ja genug dran, die reicht locker bis zur nächsten Teilung Deutschlands. Für einen solchen Aufzug braucht man allerdings ein stabiles Gemüt. Denn der Laufweg ist ein Laufsteg und jeder Blick der lieben Sportsfreunde bei ästhetischer Zuwiderhandlung pure Folter, ein Fall für Amnesty International.
Mögen Super-Ökonomen auch stolz auf ihre TCM-Schnäppchen verweisen, Fakt ist: keine Szene ist so label- und fashiongeil wie das Läuferpack, höchstens vielleicht noch Rennradfahrer. Bei Klamotten setzt der Verstand aus und jeder pekuniäre Kontrollmechanismus auch: Auf den sechs Kilometern um den Schlachtensee werden Funktionsfasern für viele 100.000 Euro bewegt, wenn auch nur in mäßigem Tempo. Und alle taxieren sich gegenseitig, versuchen aus den Klamotten herauszulesen, wie es um Charakter, Jahreseinkommen und Style-Sicherheit bestellt ist. Die Laufleistung ist egal.
Zum Beispiel die klassische Grunewald-Bewohnerin, dritte Generation Immobilienhaie, stählerner Botoxblick, aber zart beim Auftritt, damit die Farbe nicht von den Lidern bröckelt. Tempo: Schnappschildkröte auf Valium. Immer in weiß, die Dame, bevorzugt Adidas-Schuhe, die aussehen wie neu. Sind es wahrscheinlich auch, weil sie die anderen weggeworfen hat - waren ja schon ganz schmutzig. Sollte sie wie auch immer zu Kindern gekommen sein, ist sie vor kurzem auf Puma umgestiegen, weil das ja so hipp ist jetzt bei den jungen Leuten. Ihr Fila-Trainingsanzug ist so weiß wie das Joop-Stirnband.
Oder der übergewichtige Jaguar-Fahrer mit dem kantholzigen Ackermann-Blick, der bei jedem Schritt so schwerplatschend landet, als lägen da auf dem Boden seine Angestellten. Ein Schweißbach markiert seinen Laufweg. Alle seine Manager-Kollegen joggen, deswegen ist er auch mal in ein Fachgeschäft gegangen. Die sehnige Verkäuferin hat sofort die Chance erkannt und ihm von gelenkschonenden Dämpfungssohlen und schweißvernichtenden Funktionsfasern vorgeflunkert. Nun trägt er Brooks-Schuhe, Odlo-Unterwäsche, Socken mit Titangewebe zur Mittelfußstützung, eine Hose von Rono in XXXL und eine Windshopper-Jacke von Asics. Gesamtpreis 800 Euro. Dafür liegt der Krempel nach dem dritten Anlauf in der Ecke. Dicke Manager haben alles, aber keine physische Ausdauer.
Interessant auch die total kreative Non-Konformistin, deren Aufgabe es ist, am Empfangstresen einer Werbeagentur gut auszusehen: Zum Nasenstecker trägt sie Schuhe von Pearl Izumi in Jack-Russell-Rosettenrosa und das Camouflage-Sweatshirt von Doc Martens. Oder der Anfänger, ein leicht hüftspeckiger Familienvater, der im "Stern" gelesen hat, dass Laufen ja in sei. Er war mit seiner Frau bei Sport-Karstadt und hat sich für die Hausmarke Alex entschieden. Schuhe, Socken, Hose, Hemd, alles farblich abgestimmt. Das war ökonomisch sicher vernünftig. Es sieht nur dämlich aus.
Klaus Heinrich glaubt ja, man könne sich Stil einfach kaufen. Er trägt einfach immer nur das Neueste und Teuerste von Nike. "Markenmix geht gar nicht", sagt er. "Aussehen wie in Anzeigen geht erst recht nicht", entgegne ich dann.
Neulich hatte Klaus Heinrich seine Laufklamotten bei seiner Freundin in Köln vergessen. Da kam er am Sonntagmorgen in dunkelblauem Trainingsanzug an mit Deutschland-Adler auf der Brust und Klumpfuß-Turnschuhen. "Meine alten Bundeswehr-Klamotten", sagte er kleinlaut, "ich hab nichts Anderes." Die Resonanz am Schlachtensee war gleichwohl überwältigend. "Coole Klamotten", rief uns schon auf den ersten Metern ein Jüngling beim Überholen zu: "Was ist das für ne Marke?" Mit der Gelassenheit des Trendsetters sagte Klaus-Heinrich: "Struck-Style, was denn sonst."
Achim Achilles
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Meiner schreibt grad bei SPON im Ärzteforum, dass er zu wenig verdient, während er auf mich wartet und die Kassis warten lässt. ;-) mehr...
- Vor wem oder was laufen Sie eigentlich weg? - Sie brauchen in der Tat eine "verständnisvolle Frau" ... - Der arme Sohnemann! mehr...
Hallo, für alle die gern draußen unterwegs sind durften wir einige an Trail- und Outdoor Schuhen testen und haben so fast 25 Schuhe getestet von klassich bis sportlich und von Lauf bis Winterschuhe. [...] mehr...
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,655639,00.html Von grimmigen Märchenfeen halte ich überhaupt nichts. Diese hochromantischen Illutionen sind reine Phantasie und haben mit der Realität nichts zu tun. Wohin derartige [...] mehr...
Maik sollte sich lieber in Ruhe auf sich selbst besinnen. Gelingt ihm das nicht, wurde er tatsächlich von einer grimmigen Märchenfee verhext. mehr...
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