• Drucken
  • Senden
  • Feedback
12.05.2006
 

Spätes Geständnis

Turnweltmeister Gienger hat Anabolika genommen

Mit einem Geständnis hat der ehemalige Turner Eberhard Gienger für Wirbel gesorgt. Rund eine Woche vor seiner Wahl zum Vizepräsidenten Leistungssport im künftigen Deutschen Olympischen Sportbund gab Gienger zu, in seiner aktiven Laufbahn Anabolika eingenommen zu haben.

Hamburg - "Ich bekam nach einer Operation für zirka acht Tage ein Anabolikum, nachdem mein Bein von einem auf den anderen Tag sechs Zentimeter weniger Umfang aufwies", sagte Gienger der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag-Ausgabe). Eine Behandlung mit einem solchen Medikament, dessen Wirkstoff auf der Liste der verbotenen Mittel steht, zählt in der Beurteilung von Doping für einen Grenzfall.

Ex-Turner Ginger: "Im Training überhaupt nicht verboten"
Zur Großansicht
DPA

Ex-Turner Ginger: "Im Training überhaupt nicht verboten"

Auf Anfrage des sid erklärte Gienger, die Anabolika-Einnahme datiere aus der Zeit vor 1976, dem Beginn der Sanktionierung dieser Substanzen im internationalen Sport. "Anabolika waren damals im Wettkampf verboten, aber im Training überhaupt nicht. Ich weiß nur, dass dies vor 1976 war und man nach einer Operation im Grunde gar nicht ohne diese aufbauenden Substanzen auskam", so der CDU-Bundestagsabgeordnete und designierte Vizepräsident Leistungssport im künftigen Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). 1974 hatte sich Gienger am Reck den WM-Titel gesichert. Zwei Jahre später gewann er am selben Gerät Bronze bei den Olympischen Spielen in Montreal.

Heinz Birnesser, einer der bekanntesten deutschen Sportmediziner, erklärte auf sid-Anfrage, es habe auch vor Beginn der Sanktionierung der Anabolika 1976 nie eine medizinische Rechtfertigung für den Einsatz von Anabolika im Hochleistungssport gegeben. "Wenn Eberhard Gienger meint, dies sei damals medizinisch notwendig gewesen, dann kann ich nur sagen: Anabolika zu verabreichen, war im Leistungssport immer medizinischer Schwachsinn, weil dies den Hormon-Stoffwechsel durcheinander bringt", sagte der frühere Olympiaarzt und heutige Leiter der Sportorthopädie und Traumatologie an der Universitätsklinik Freiburg.

Gleichwohl sprach sich Gienger für den Kampf gegen Doping im Sport aus. "Wir müssen Doping kontrollieren und, einheitlich durch alle Sportarten harmonisiert, bestrafen", sagte der 55-Jährige gut eine Woche vor der DOSB-Wahl.

pav/sid/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP