
Jan Ullrich: Seit Freitag ist Pawel Tonkov (r.) sein schärfster Rivale
Andorra-Arcalis - Jan Ullrich ist erneut als Triumphator an den Ort zurückgekehrt, wo einst der Stern des heute 25-Jährigen aufging. Der Triumph auf dem zehnten Teilstück der Tour de France 1997 veränderte das Leben des Telekom-Kapitäns, der nach siebenwöchiger Verletzungspause bei der Vuelta sein Comeback in der "Königs-Klasse" feiert und seit Freitag im Goldenen Trikot des Spitzenreiters um den Gesamtsieg fährt.
"Ich habe mein Ziel zwar schon erreicht, aber eine Etappe möchte ich noch gewinnen, am liebsten die in Arcalis", hatte der inzwischen in Merdingen am Kaiserstuhl beheimatete gebürtige Rostocker nach seinem Erfolg auf dem fünften Vuelta-Teilstück gesagt. Den Tagessieg musste der frühere Amateur-Weltmeister in Arcalis zwar dem von seinen baskischen Landsleuten gefeierten Spanier Igor Gonzalez Galdeano überlassen, doch das Goldtrikot war mehr als Ersatz.
Die starke Leistung im schweren Zeitfahren in Salamanca und die überzeugende Vorstellung auf der "Königs-Etappe" mit dem Anstieg zum Alto del Angliru am Sonntag haben die Zielsetzungen Ullrichs und auch die der Telekom-Teamleitung relativiert. "Es kann alles passieren, mal sehen, wie weit ich komme", sagt Ullrich, während sein Co-Direktor Rudy Pevenage deutlicher wurde: "Wir haben unsere Pflicht schon erfüllt, jetzt kommt die Kür. Da könnte auch mehr drin sein."
Bei der Tour 1997 war Arcalis für Ullrich die Schlüsselstelle. Am 15. Juli um 17.21 Uhr wurde der damalige deutsche Meister auf den Gipfeln zwischen Frankreich und Spanien zum neuen Radsport-König gekrönt. Das Trikot des deutschen Meisters hatte danach ausgedient, in Gelb fuhr Ullrich unaufhaltsam Richtung Champs-Elysées.
Die Vorzeichen standen am Freitag ähnlich. Als Vorjahressieger war Abraham Olano der Hauptgegner, der schon am Donnerstag Schwäche zeigte und im Ziel in Arcalis rund sieben Minuten auf Ullrich verlor. Einen "Alptraum" wie 1997 hatte Olano diesmal nicht erwartet. "Ich lasse mich nicht nervös machen, auch nicht von Jan Ullrich", hatte der Zeitfahr-Weltmeister am Donnerstag bei der Gipfelankunft in Pla de Beret trotzig verkündet, doch nun kam es für ihn noch schlimmer als damals. Bei der Entscheidung um den Vuelta-Gesamtsieg mischt auch noch der Russe Pawel Tonkow mit, der auf den ersten beiden Pyrenäen-Etappen gemeinsam mit Ullrich ins Ziel fuhr und jetzt mit nur 50 Sekunden den dritten Platz belegt. "Es kommen noch viele schwere Anstiege, da kann ich aufholen", sagt der frühere Giro-Sieger zuversichtlich.
In den vorherigen Bergwertungen standen eher die Einzelkämpfer als die Mannschaft im Mittelpunkt, doch am Freitag war vor allem der Telekom-Rennstall ein gut funktionierendes Team. "Hätten wir hier auf Gesamtsieg fahren wollen, hätten wir eine stärkere Mannschaft geschickt", hatte Pevenage vor dem Vuelta-Start mit Hinweis auf sein junges Team gesagt. Doch die Telekoms schlagen sich gut, und am Freitag leisteten vor allem Rolf Aldag, Dirk Klöden, Jörg Jaksche und Dirk Baldinger mustergültige Arbeit.
Andere Mannschaften beklagen schon viele Ausfälle. Tonkow fehlen im Mapei-Team bereits die Helfer Stefano Zanini und Manuel Fernandez Gines, bei Once muss Olano auf den starken Österreicher Peter Luttenberger verzichten, der bei einer Kollision auf der Königs-Etappe auch den großen Vuelta-Favoriten Fernando Escartin vom Kelme-Team außer Gefecht setzte. Bei Telekom musste sich Giuseppe Guerini wegen einer Brochitis verabschieden.
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