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19.10.2006
 

Radsport

Ullrich verlässt Schweizer Verband

Taktischer Schachzug oder Kränkung? Jan Ullrich hat seinen Austritt aus dem Schweizer Radsportverband erklärt. Er ziehe damit die "Konsequenz aus dem rufschädigenden Verhalten des Verbandes", teilte er mit. Der unter Dopingverdacht stehende Ullrich könnte aber mit diesem Schritt auch ein Verfahren verhindern wollen.

Hamburg - In einer auf seiner Hompage und von der Berliner Agentur WEDO verbreiteten Erklärung teilte Ullrich mit, dass der Austritt nicht bedeute, "dass ich meine Karriere beende. Es bestehen Kontakte zu anderen Radsportverbänden wegen einer Lizenz 2007." Die aktuelle Profi-Lizenz hat der Toursieger von 1997 durch seinen heute vollzogenen Schritt verloren.

Radprofi Ullrich: "Gestörtes Vertrauensverhältnis"
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DPA

Radprofi Ullrich: "Gestörtes Vertrauensverhältnis"

Ullrich warf dem Verband erneut eine "Medienkampagne" vor und begründete seinen Austritt mit dem "gestörten Vertrauensverhältnis". Swiss Cycling habe in der vergangenen Woche in einer Pressemitteilung erklärt, die bereits vor mehreren Wochen vom internationalen Radsportverband UCI angeforderten Beglaubigungen spanischer Dokumente erhalten zu haben und somit über ein vollständiges Dossier zum "Fall Jan Ullrich" zu verfügen. Tatsächlich, so heißt es auf Ullrichs Homepage weiter, "liegen Swiss Cycling keine Unterlagen vor, die ein Verfahren gegen Jan Ullrich rechtfertigen könnten. Die Vorwürfe gegen den Deutschen stützen sich ausschließlich auf einen verfälschten Bericht der spanischen Polizei."

Ein Austritt aus Frust und Kränkung also? Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), wollte die Nachricht jedenfalls kaum glauben, lehnte jedoch gegenüber dem Sportinformationsdienst sid jeden Kommentar zu dem Vorgang ab. Dabei ist Ullrichs Entscheidung wohl eher der Abgesang auf seine eigene Glaubwürdigkeit. Zu offensichtlich ist der Versuch, sich mit einem Verbandswechsel der Schweizer Sportgerichtsbarkeit zu entziehen - wohl ohne Aussicht auf Erfolg. "Auf den Fortgang des Verfahrens dürfte das keinen Einfluss haben, weil Ullrich zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Vergehen mit Schweizer Lizenz fuhr", sagte Bernhard Welten, der den Fall beim Schweizer Olympia-Komitee Swiss Olympic bearbeitet.

Durch die neuen Vereinbarungen der ProTour-Teams über den Boykott von Profis, die unter Dopingverdacht stehen, dürfte es für Ullrich ohnehin alles andere als einfach sein, einen neuen Rennstall zu finden. Selbst der jüngst vom italienischen Olympischen Komitee freigesprochene Ivan Basso hat Schwierigkeiten, nach der Trennung von CSC einen neuen Arbeitgeber zu präsentieren. Das Discovery-Channel-Team widersprach Gerüchten, nach denen es ein Angebot für den Italiener abgegeben habe.

Ullrich, dessen Manager Wolfgang Strohband im Gespräch mit dem sid einen Wohnortwechsel seines Schützlings ankündigte, droht Swiss Cycling unterdessen sogar mit Schadenersatzforderungen. Es sei für den Rad-Profi "nicht zumutbar, einem Verband anzugehören, der nachhaltig Persönlichkeitsrechte und Berufsfreiheit eines Mitglieds verletzt".

In der Erklärung wird auch der Vorsitzende der Schweizer Disziplinarkammer für Dopingfälle kritisiert. Der "inzwischen in Ausstand getretene Prof. Walter" habe "ohne Aktenkenntnis von einer 'klaren Angelegenheit' gesprochen und eine 'baldige Verurteilung' in Aussicht gestellt", heißt es auf der Homepage. "Auch der Geschäftsführer des Verbandes, Lorenz Schläfli, hat in Interviews und Pressestatements vielfach den Eindruck erweckt, angebliche Beweise gegen Jan Ullrich würden für die Einleitung eines Disziplinarverfahrens ausreichen. Aus anderen Äußerungen von Schläfli ergibt sich wiederum das Gegenteil. Tatsächlich haben die Schweizer Verbände bis heute weder ein Disziplinarverfahren gegen Jan Ullrich eingeleitet noch von einer Einleitung Abstand genommen", heißt es in der Verlautbarung der Ullrich-Agentur.

goe/sid

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