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21.11.2006
 

Doping-Netzwerk

Dritter deutscher Leichtathlet unter Verdacht

Von Dirk Brichzi

Der Deutsche Leichtathletik-Verband macht im Anti-Doping-Kampf weiter ernst. Nach Olympiasieger Schumann und Weltmeisterin Breuer hat der DLV gegen einen dritten Sportler ein Verfahren wegen des Verdachts der Manipulation eingeleitet.

Hamburg - Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) erklärte heute, dass neben Nils Schumann und Grit Breuer ein weiterer Sportler zu einer Stellungnahme aufgefordert wurde. Es handelt es sich dabei um Hürdenläuferin Ulrike Urbansky. Sie war in ihrer Zeit beim SC Magdeburg auch von Thomas Springstein betreut worden, der im Frühjahr wegen Dopings von Minderjährigen zu 16 Monaten Haft verurteilt worden war. Die in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" genannte Zahl von vier weiteren Verdächtigen sei "definitiv falsch", sagte DLV-Mediendirektor Peter Schmitt SPIEGEL ONLINE.

Verdächtige Breuer: Mögliche Sperre nach dem Karriereende
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AP

Verdächtige Breuer: Mögliche Sperre nach dem Karriereende

Sollte sich der Verdacht gegen Breuer bestätigen, droht bei einer sportgerichtlichen Verurteilung eine Sperre von zwei Jahren - dabei hat die 34-Jährige ihre Karriere schon Ende des vergangenen Jahres beendet. Laut Bestimmungen des Weltverbandes IAAF könnten allerdings Breuers Medaillen der letzten acht Jahre aberkannt werden, unter anderem das EM-Gold 1998. Aber selbst das dürfte schwierig werden, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop dem Sport-Informationsdienst sid: "Es gibt ja keine positive Probe."

Breuer ließ heute eine Stellungnahme über ihren Anwalt Peter-Michael Diestel verbreiten. Sie sei "sehr bestürzt" über die Vorwürfe und wolle sich ihren "guten Ruf nach Abschluss meiner Karriere nicht zerstören lassen." Sie vermute eine "Sippenhaft" nach Verurteilung gegen ihren Lebensgefährten Springstein.

DOSB lehnt gesetzliche Regelung ab

Wie Breuer könnte auch Schumann derzeit nur von der Sportgerichtsbarkeit verurteilt werden, nicht aber von einem ordentlichen Gericht. Dies wäre nur im Falle einer so genannten "Besitzstrafbarkeit" möglich. Dann könnten Athleten wegen des Besitzes von Dopingmitteln auch strafrechtlich belangt werden. "Ich habe die Auskunft eines Staatsanwalts, dass er sofort ermitteln könnte, wenn es ein entsprechendes Gesetz gäbe", sagte der SPD-Politiker Peter Danckert, Sportausschussvorsitzender des Bundestages, SPIEGEL ONLINE.

Der Deutsche Olympische Sport-Bund (DOSB) lehnt eine solche gesetzliche Regelung ab. DOSB-Boss Thomas Bach, gleichzeitig Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees IOC, befürchtet, dass Sportler dadurch kriminalisiert würden. Wie sehr der DOSB auf seine Autonomie pocht, hatte sich bereits bei der Diskussion um ein Papier einer Arbeitsgruppe gezeigt, die von der Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes, Christa Thiel, geleitet wird. In der inzwischen zurückgezogenen Ursprungsfassung war für den Fall einer Besitzstrafbarkeit von einem "Standortnachteil" für Deutschland die Rede. "Ausländische Athleten", so das DOSB-Papier, könnten "mit Blick auf die Gesetzeslage fernbleiben".

Der DOSB setzt stattdessen in seinem vor ein paar Tagen veröffentlichten Anti-Doping-Aktionsplan darauf, "die Kontrolldichte zu erhöhen" und "besser vorzubeugen". Kritikern ist das zu wenig: Kaum ein Sportler wird noch durch die üblichen Kontrollen in Training oder Wettkampf überführt, sondern gerät durch strafrechtliche Verfahren unter Verdacht. Erst nach Akteneinsicht im Fall Springstein leitete der DLV Ermittlungsverfahren gegen Schumann und Breuer ein. Im Fall des des Doping verdächtigten Radsportlers Jan Ullrich waren es Staatsanwälte, die mit den Ermittlungen begannen.

"Ich bin keiner Manager des Dopings"

"Ich bin der Meinung, dass man Sportler nicht pauschal von der Strafverfolgung ausnehmen sollte", sagte Roland Augustin, Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada, SPIEGEL ONLINE. Beim Fall Schumann/Breuer hätte man wieder gesehen, dass der Sport "alleine nicht rangekommen wäre. Wir müssen deshalb neue Strategien fahren", fordert Anti-Dopingkämpfer Augustin.

Der vom DLV wegen Vergabe und Handel von Dopingmitteln angezeigte niederländische Manager Jos Hermens beteuerte heute gegenüber dem sid seine Unschuld: "Ich habe nichts Verbotenes getan. Ich tue viel für die Athleten, bin aber kein Manager des Dopings." Kontakte seiner deutschen Schützlinge zum ebenfalls angezeigten spanischen Arzt Miguel Angel Peraita bestritt Hermens jedoch nicht: "Ich glaube, dass Schumann und Breuer da waren. Sie hatten wohl Kontakt zu ihm."

Vier weitere deutsche Leichtathleten stehen bei Hermens unter Vertrag: Langstrecklerin Irina Mikitenko, Sprinterin Sina Schielke, Mittelstrecklerin Yvonne Teichmann und 1500-Meter-Läufer Toni Mohr. Insgesamt betreut die Agentur "Global Sports Communication" von Hermens weltweit 120 Athleten, darunter Stars wie den äthiopischen Olympiasieger Haile Gebrselassie.

"Stecknadelgroße Spitze des Eisberges"

Laut "Süddeutsche Zeitung" sollen Sportler von Hermens unter Vertrag genommen und dann zur "Einstellung" ihrer Körperwerte wie Blut und Urin zu Peraita nach Madrid geschickt worden sein. Der spanische Arzt wurde im E-Mail-Verkehr mit dem verurteilten Springstein unter dem Codenamen "Top Doc" geführt. Er soll der 2001 des Dopings überführten Hochspringerin Amewuh Mensa, damals Schumanns Lebensgefährtin, das Steroid Oxandrolon verabreicht haben.

"Wir haben es hier mit einem gewaltigen Sumpf zu tun, das ist nur die stecknadelgroße Spitze des Eisbergs", sagte SPD-Mann Danckert. "Ich hoffe, dass sich auch die Politik endlich besinnt und den Kampf aufnimmt." Sein Ziel bleibe ein Anti-Doping-Gesetz; am Donnerstag will Danckert bei Innenminister Wolfgang Schäuble sein Anliegen erneut vortragen. Der Christdemokrat hatte sich zum Anti-Doping-Aktionsplan des DOSB verhalten geäußert. Grundsätzlich spreche mehr für als gegen die Besitzstrafbarkeit, hatte Schäuble verlauten lassen.

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