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05.02.2007
 

Ärger über Bundesliga

Brand dachte nach WM-Sieg an Rücktritt

17.45 Uhr, Deutschland ist Weltmeister. Doch im Moment seines größten Triumphs denkt Handball-Nationalcoach Brand an Rücktritt - weil er sich von der Liga im Stich gelassen fühlt. Nach Olympia will er nur weitermachen, wenn sich im deutschen Handball einiges ändert.

Köln - Brand knüpft seine weitere Arbeit als Trainer der Nationalmannschaft über das Jahr 2008 an Bedingungen, die von den Bundesliga-Teams erfüllt werden müssen. Der 54-Jährige erklärte am Rande der WM-Feier in Köln: "Ich bin mit der Zusammenarbeit mit dem DHB-Präsidium sehr zufrieden und pflege meine Verträge zu erfüllen. Dagegen bin ich mit vielen Entwicklungen in der Liga nicht zufrieden." Der Gummersbacher forderte "die volle Unterstützung der Bundesliga" und spielte damit auf die Beschränkung der Ausländerzahl in den Vereinen an, die die Bundesliga im Herbst bei einer Tagung in Hannover abgelehnt hatte.
"Ich bin davon ausgegangen, dass mindestens vier deutsche Spieler pro Team auf dem Spielbericht auftauchen sollen. Aber dass dann gar kein deutscher Spieler zur Pflicht werden soll, das hat mich sehr geschockt", sagte Brand. Als Frechheit empfand er zudem die Tatsache, "dass man mich damals überhaupt zur Liga-Versammlung nach Hannover eingeladen hat".

Brand gab sogar zu, nach dem 29:24-Triumph im Finale gestern in Köln gegen Polen kurz an einen sofortigen Rückzug gedacht zu haben. "Nach dem Schlusspfiff sind schon einige Gedanken aufgekommen. Aber mein nächstes Ziel ist Olympia 2008. Etwas Größeres gibt es gar nicht", sagte der Weltmeister-Coach, der mit seiner Mannschaft direkt für Peking qualifiziert ist. Der Olympiasieg fehlt Brand, der als erster im Handball einen WM-Titel als Spieler und als Trainer gewann, noch in seiner Sammlung. Vor drei Jahren hatte der 131-malige Nationalspieler mit seinem Team die EM in Slowenien gewonnen.

Party bis zum frühen Morgen

Ungeachtet dessen begoss die Mannschaft den WM-Sieg bis in die frühen Morgenstunden im Mannschaftshotel "Zur Post" im oberbergischen Wiehl. Erst um fünf Uhr heute Morgen endete die Party. Zuvor hatten rund 30.000 Fans auf dem Kölner Rathausplatz die Spieler, Trainer und Betreuer bejubelt. In Wiehl warteten dann gut 2000 Anhänger auf die DHB-Auswahl und feierten mit Sprechchören immer wieder den Bundestrainer. Brand, der sich im Kölner Rathaus eine kleine Beule zugezogen hatte, als er den WM-Pokal beim Hochheben an seinen Kopf stieß ("Ich war wohl nicht mehr in der körperlichen Verfassung, die schwere Trophäe zu stemmen. Aber ich werde es überleben"), griff daraufhin zu einem Megaphon und bedankte sich: "Ihr habt uns unvergessliche Momente beschert. Ich kann das alles noch gar nicht kapieren. Danke für alles." Michael Kraus, Pascal Hens und Johannes Bitter heizten der Menge mit Gesangseinlagen ein. Heute morgen um 11 Uhr stand für die Mannschaft im Rathaus von Wiehl ein Empfang auf dem Programm. "Es wird Wochen dauern, bis wir alles realisiert haben", erklärte Spielmacher Kraus, der wie Torhüter Henning Fritz ins Allstar-Team der WM gewählt worden war.

mt/sid

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