Mittwoch, 10. Februar 2010

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25.05.2007
 

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Ullrichs Leistungsexplosion verblüffte selbst seinen Trainer

Dopingbeichten ohne Ende, doch einer schweigt - Jan Ullrich. Jetzt meldet sich sein früherer Trainer Peter Becker zu Wort. Dass der Radstar in den neunziger Jahren plötzlich so stark gefahren sei, habe ihn überrascht: "Sag mal, Jan, was ist hier los?"

Hamburg - "Wenn ich das jetzt alles höre, was sich dort abgespielt haben soll und abgespielt hat, dann erwarte ich ganz einfach noch einmal eine Stellungnahme von Jan so rum oder so rum", sagte Becker dem Fernsehsender N24. Schließlich müsse ja Klarheit geschaffen werden.

Trainer Becker mit Ullrich 2001: "Was ist hier los?"
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DPA

Trainer Becker mit Ullrich 2001: "Was ist hier los?"

Ullrich habe ihm gegenüber immer wieder seine Unschuld beteuert: "Ich war natürlich über seine Leistungsexplosionen genauso überrascht wie alle anderen auch, und habe gesagt: Sag mal, Jan, bin ich ein so guter Trainer, oder hat das alles so prima geklappt, oder was ist hier los?" Darauf habe Ullrich erklärt, er wolle gesund bleiben, sich nicht verändern und gesunde Kinder haben, da brauche sich Becker keine Sorgen zu machen.

Becker sagte, er habe nicht bewusst weggeschaut, "sonst hätte ich nie das Gespräch gesucht, genau Doping betreffend." Er selbst sei wirklich unschuldig, habe nichts von Doping mitbekommen, sei allerdings auch immer am Rande der Mannschaft gehalten worden. Becker betonte, er habe nie gesagt, dass er überzeugt sei, dass Ullrich nie gedopt habe, "sondern ich habe gesagt: Solange man dem Jan Ullrich nichts konkret nachweisen kann, ist er für mich unschuldig, wie es allgemein üblich ist".

DER SPIEGEL

In den vergangenen Tagen haben etliche ehemalige Telekom- Radprofis Doping zugegeben. Bereits vor einigen Wochen erhob der frühere Team- Masseur Jef D'hont im SPIEGEL schwere Anschuldigungen, die sich inzwischen bestätigten. Erstmalig über illegale Praktiken im deutschen Rennstall hatte der SPIEGEL vor knapp acht Jahren berichtet. Der damalige Fahrer Jan Ullrich und die Firma des Teamchefs Walter Godefroot gingen juristisch gegen den SPIEGEL- Beitrag vor. Ullrich erwirkte den Abdruck einer Gegendarstellung. Der SPIEGEL hat sich in weiteren Verfahren vor Gericht mit Ullrich und der Godefroot GmbH auf die Abgabe einer Unterlassungsverpflichtungs- Erklärung verglichen. Mittlerweile gibt es starke Indizien, dass Ullrich entgegen seiner Beteuerung ("Ich habe noch nie Epo gespritzt") doch gedopt hat.
Für den Vorsitzenden des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert, spielt eine Stellungnahme Ullrichs nach den Geständnissen mehrerer ehemaliger Teamkollegen keine große Rolle mehr. "Ich glaube nicht, dass wir das noch brauchen für das Gesamtbild", sagte der SPD-Politiker. Wenn alle betrügen würden, sei es indes keine deutsche, sondern eine internationale Dimension. Dann könne man sich mit Ullrichs Formulierung anfreunden, dass er nicht betrogen habe. Diese Aussage erhalte eine neue Dimension.

Der ehemalige Telekom-Radprofi Bernd Gröne hat mit Verbitterung auf die Doping-Beichten seiner Ex-Teamkollegen reagiert: "Im Grunde bin ich jetzt der Doofe, der nur mit dem, was er in den Beinen hatte, die Berge bei der Tour hochgeklettert ist und 1995 aussortiert wurde, weil er nicht mehr gut genug war. Kein Wunder, wenn die anderen gedopt haben", sagte der Olympia-Zweite im Straßenrennen von Seoul 1988 der "Recklinghäuser Zeitung". Der 42-Jährige beteuerte, während seiner Karriere nie auf unerlaubte Mittel zurückgegriffen zu haben. "Auch mir ist Epo im Jahre 1995 von belgischen Betreuern angeboten worden. Daraufhin habe ich mich bei unseren Freiburger Ärzten kundig gemacht, welche Folgeschäden auftreten könnten. Als die mir erklärten, dass längst nicht klar sei, welche Spätfolgen Epo nach sich ziehen kann, habe ich die Finger davon gelassen", sagte Gröne.

Die ehemalige deutsche Verbands-Präsidentin Sylvia Schenk hatte zudem am Morgen im Deutschlandradio Kultur die Ablösung von Rolf Aldag als Sportdirektor beim T-Mobile-Team gefordert. "Ein notorischer Lügner wie Rolf Aldag, der letztes Jahr den Neuanfang verkündet hat, kann nicht an führender Position bleiben", sagte sie. Der "Stuttgarter Zeitung" erklärte Schenk: "Die Logik, wir brauchen die Sportler, die am meisten gedopt haben, um jetzt gegen Doping zu kämpfen, ist doch reiner Zynismus." Aldag hatte gestern ebenso wie Erik Zabel während einer Pressekonferenz gestanden, in den 90er Jahren gedopt zu haben.

Die Geständnisse seien aber "kein Schnitt, erst recht kein radikaler" gewesen, sagte Schenk dem Blatt weiter. "Da versucht doch jetzt nur jeder, seine Haut zu retten. Das ist die typische Salami-Taktik: Wir geben alles nur scheibchenweise zu, und auch das nur, wenn es gar nicht mehr anders geht. Die gesamte Radsport-Szene sei nicht nur versaut, sondern "moralisch verrottet", erklärte Schenk. "Eine Chance hat der Radsport nur, wenn wie bei der Stasi rigoros alle Schuldigen aussortiert werden." Dieser Wille sei aber noch nicht zu sehen, sagte Schenk. Von der Politik forderte sie ebenfalls ein entschlossenes Handeln. Gegebenenfalls müssten finanzielle Hilfen für den Sport für einige Zeit gesperrt werden.

wit/fpf/dpa/AP

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