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29.05.2007
 

Dopingsünder Zabel

Amnestie durch die Hintertür

Von Jörg Schallenberg

Erik Zabel darf trotz Doping-Geständnisses weiter für das Team Milram starten - und bekommt dafür volle Rückendeckung, auch vom Veranstalter der Tour de France. Dopingsünder werden sich über den Kuschelkurs freuen. Doch es gibt auch andere Signale.

Wenn man nett sein will zu Erik Zabel, dann kann man sagen: Er hat doch nur ein bisschen gedopt - im Vergleich zu dem, was ehemalige Kollegen gestanden haben und dem, was die Blutbeutelsammlung des Doktor Fuentes über viele andere Radprofis befürchten lässt, war das gar nicht so schlimm.

Radprofi Zabel: Nicht über den Schatten springen
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DPA

Radprofi Zabel: Nicht über den Schatten springen

Wenn man böse sein möchte, lautet das Urteil: Zabel war schon immer ein cleverer Bursche, der die Regeln des Radsports früher durchschaut hat als viele andere. Er hat am vergangenen Donnerstag genau soviel zugegeben, wie nach den Aussagen von Jef D'hont ohnehin bekannt und obendrein nach den Regeln des Radsport-Weltverbandes verjährt war. Von allein hätte er vermutlich nie etwas gestanden, auch seinem Sohn nicht.

Es bleibt also ein bitterer Nachgeschmack, wenn Zabel schon morgen als Hauptattraktion der Bayern-Rundfahrt in Garmisch-Partenkirchen an den Start gehen wird. Überraschen kann diese Entscheidung allerdings niemanden, der weiß, dass der Umgang mit dem Thema Doping beim deutsch-italienischen Team Milram eher im freundlichen Ignorieren des Themas besteht.

Interessant ist dagegen, dass der Rennstall sich vor der Entscheidung pro Zabel bei einer Reihe maßgeblicher Gremien rückversichert hat. Dass nach Aussagen von Milram sowohl der Weltverband UCI als auch der einflussreiche Rennveranstalter Aso grünes Licht gegeben haben, ist ein deutliches Signal, wie dort mit geständigen Dopingfahrern umgegangen wird - zumindest wenn ihre Vergehen verjährt sind. Dass Milram Zabel vorerst auf Bewährung fahren lässt, mag sich aus der Angst vor weiteren Enthüllungen erklären.

Eine Amnestie mehr oder weniger reuiger Epo-Sünder, wie sie zur Zeit in Deutschland diskutiert wird, findet auf der Ebene von Veranstaltern, Teams, Sponsoren und der UCI bereits durch die Hintertür statt. Zabel wird - das darf man prophezeien - nicht der letzte Aktive sein, der sich erklärt, die Vergangenheit abschüttelt und weiter bei den wichtigen Rennen an den Start geht.

Eine echte Aufklärung, wie von einer Amnestie erhofft, wird durch diese Haltung eher torpediert als befördert: Doping-Sünder werden weiterhin nur genau das gestehen, was ihnen ohnehin haarklein nachgewiesen werden kann und was lange genug zurückliegt. Der Rest kommt dann vielleicht ein paar Jahre später ans Licht. Immerhin: Aso-Chef Patrice Clerc hat heute öffentlich erklärt, dass er sich nicht vorstellen kann, weiter mit Ex-Tour-Sieger Bjarne Riis zusammenzuarbeiten. Möglicherweise gibt es doch eine Grenze, die der heutige CSC-Teamchef mit seinem arroganten Auftritt vor der Presse überschritten hat.

Es wäre angesichts des Dopingsumpfs wohl vermessen, ausgerechnet von Zabel eine Konsequenz zu fordern, die ein Rolf Aldag, ein Christian Henn, ein Bjarne Riis auch nicht zu ziehen bereit sind. Schließlich gilt der 36-Jährige nicht nur dem früheren Telekom-Betreuer Jef D'hont als einer der saubersten Fahrer seiner Zeit - und die meisten Aussagen des Belgiers haben sich bislang verblüffend genau bestätigt. Ein Rücktritt wäre ein Signal gewesen, dass mehr Größe bewiesen hätte als sein Auftritt bei der Pressekonferenz in der vergangenen Woche.

Doch Zabel konnte wohl nicht über seinen Schatten springen. In seinem Team ist er zwar hinter Alessandro Petacchi bereits ins zweite Glied gerückt - doch er will unbedingt den WM-Titel holen, den er 2006 knapp verpasst hat und der in diesem Jahr in Deutschland vergeben wird, und bei Olympia 2008 starten. Bei diesem Vorhaben könnten ihm allerdings das Nationale Olympische Komitee und der Bund Deutscher Radfahrer noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Sollte Zabel - was die ersten Aussagen von Rudolf Scharping vermuten lassen - auch von dort grünes Licht bekommen, werden gerade im Ausland viele unter Dopingverdacht stehende Profis feixen: Schaut mal, die Deutschen. Geben alles zu und machen fröhlich weiter. Da sparen wir uns die Geständnisse doch lieber gleich. Der ehemalige T-Mobile-Profi Oscar Sevilla aus Spanien, der unter Verdacht steht, guter Kunde bei Fuentes gewesen zu sein, wurde am Wochenende Fünfter bei der Katalonien-Rundfahrt. Beim Giro d' Italia liegt der Italiener Eddy Mazzoleni in der Gesamtwertung auf Platz zwei, der ebenfalls von T-Mobile gefeuert wurde - wegen seiner Kontakte zum Doping Arzt Michele Ferrari.

"Noch so ein Jahr übersteht der Radsport nicht", hat Zabel vergangenen Herbst SPIEGEL ONLINE gesagt. Er hat sich geirrt. Es bleibt alles wie es ist - bis zum nächsten Skandal.

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Die neuesten Beiträge:
09.08.2007 von l.augenstein:

Die Frage ist nur, ob sich die "Aufrechten" durchsetzen können (wollen)? Nach dem gestrigen Bericht habe ich daran enorme Zweifel! Man muß ja davon ausgehen, dass da nicht nur ein paar Verbandsfunktionäre [...] mehr...

09.08.2007 von Shiraz:

Eine tolle Doku. Wie spannend das Thema doch wird, wenn Insider einmal richtig auspacken! Besonders Conte fand ich sensationell. Lewis bei den Trails gedopt, Kelly White mit bis zu sieben Substanzen aufgeputscht, Marion Jones [...] mehr...

09.08.2007 von l.augenstein: Ioc

Der Dopingsumpf reicht, lt. gestriger Doku im ARD um 22:45 Uhr, bis in die NOKs und in das IOC und die obersten Funktionäre der diversen Sportverbände. Bis gestern war mir z. B. nicht bewußt, dass US-amerikanische Athleten so gut [...] mehr...

03.08.2007 von Brieli:

Habe grad mal nachgezählt im Bereich Sport. 8 Foren mit dem wohl gleichen Thema Doping. o.k. bei einem geht es um Ulle, beim anderen um Sinkewitz, beim dritten um Olympia 2008 - aber inhaltlich werden sie sich wohl kaum [...] mehr...

03.08.2007 von Dr h.c. Ceasar:

Der 7573 Strang zum immergleichen Thema, mit den immergleichen Antworten, kann man die Stränge nicht zusammen ziehen, oder diesen als Dopingstrang beibelassen und die anderen schliessen. Oder geht es in Boulevard-Journalismus [...] mehr...

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