Von Horst Köder
Es gibt einen Moment im Leben eines Junganglers, in dem sich entscheidet, ob er seinem geliebten Hobby treu bleibt. Dieser Punkt kommt lange, bevor man sich mit Wein, Weib, Gesang, Job, schlechtem Wetter, Behörden, Rückenschmerzen und all den anderen Dingen auseinandersetzen muss, die einem später den Trip ans Wasser vermiesen. Er hat auch nichts mit dem ersten Ich-hab-jetzt-beschissene-drei-Tage-geangelt-ohne-einen-einzigen-verdammten-Biss-Erlebnis zu tun. Das stellt sich ja oft schon in der ersten Woche der Angler-Karriere ein. Dieser Moment am Scheideweg beginnt meistens ganz harmlos: Ein schöner Tag draußen, man will ein paar Rotaugen stippen, packt die Angelsachen zusammen ...
Und dann macht Mutter den Kühlschrank auf.
Maden: Sie finden immer eine Lücke und mögen Schwarzwälder Schinken
Mutters anschließender Schrei ähnelt übrigens verblüffend denen dieser blondierten Filmstars in den Filmen der fünfziger Jahre (wie "Der Schrecken vom Amazonas"), wenn das Monster zum ersten Mal auftaucht. Es gibt dann zwei Möglichkeiten: Mutter erholt sich nach einer Schimpfkanonade, verbunden mit der Mahnung, man dürfe "nie wieder, nie, nie, nie, hörst Du?!" Maden im Kühlschrank aufbewahren, oder sie verhökert alle Angelsachen auf dem nächsten Flohmarkt (heute wahrscheinlich bei Ebay) und verdonnert den Sohn zum Eintritt in den Schwimmverein oder zu solchen Hobbys wie Mountainbiking oder Simultanschach. Meine Mutter konnte ich durch Hundeblick und Schluchzen gerade noch von Kategorie eins überzeugen, zumal ich gerade auch gelogen habe: Ich war ein Genie in Mathe und habe nie eine Fünf geschrieben.
Nach diesem Moment steht einer erfolgreichen Anglerkarriere nichts mehr im Wege, denn wer Maden zu schätzen weiß, der wird auch Fische fangen. Denn es gibt kaum eine Art, die sich nicht von diesen kleinen Krabblern verführen lässt: Weißfische wie Rotaugen sind sowieso ganz versessen darauf, trotz der Boilie-Mania beißt auch mal ein Karpfen, Barsche stürzen sich mit Freude auf ganze Bündel, und ich habe damals in einem Urlaub in Dänemark sogar meinen ersten Hecht darauf gefangen. Ich gebe zu, das passierte, als ich gerade meine Angel einzog, der Hecht hat wohl einfach mal aus einem Reflex heraus zugeschnappt. Aber der Köder: Maden halt.
Klar gibt es auch noch andere Köder, auf die man schwören kann: Rotaugen und Brassen beißen gerade jetzt im Sommer hervorragend auf Dosenmais. Der riecht auch ganz toll und davon kann man - im Gegensatz zu Maden - auch selbst schnell mal einen Löffel probieren, wenn am Wasser plötzlich der Magen knurrt. Allerdings ist so eine Dose Mais ganz schön groß, und am Ende eines langen Tages bleibt dann doch viel übrig. Brot und Teig in allen Variationen sind auch wirklich tolle Köder. Wer allerdings darauf wettet, dass diese Teile dauerhaft am Haken halten, der spekuliert wahrscheinlich auch an der chinesischen Börse. Und nichts ist schlimmer, als eine Stunde am Wasser zu sitzen, der Köder hat sich schon vor 55 Minuten verabschiedet und man weiß nichts davon.
Maden würden wahrscheinlich auch drei Tage am Stück am Haken halten. Und wären dann immer noch putzmunter. Wenn sie nicht schon lange vorher von Fischen gefressen werden würden. Würmer sind ja auch ein klassischer Köder, aber diese Kollegen sind so furchtbar sensibel, dass sie schon nach zwei Minuten jegliche Bewegung einstellen und nur noch so schlaff am Haken hängen wie ein Kirmesboxer nach ein paar Schlägen der Klitschkos.
Es gibt übrigens noch einen Moment, in dem eine Angler-Karriere auf der Kippe steht: Wenn schon längst nicht mehr die Mutter, sondern die Freundin oder Frau den Kühlschrank verwaltet. Dann liegt der Serrano-Schinken neben der Bio-Molke, aber die Maden müssen ja immer noch irgendwie gekühlt werden. Kleiner Tipp: Vorher lieber noch den Hundeblick und das Schluchzen üben. Und immer einen Blumenstrauß in der Hinterhand haben.
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Angler-Leidenschaft = Sinn für Gemütlichkeit ( Angler sind die Freizeitpunks der Neuzeit - Früher noch SexPistols und CLASH, heute eine Forelle oder Lachs auf dem Griller ) Brot + Zeit = Brotzeit [...] mehr...
... dass das catch and release in Deutschland verboten ist... Ich angle auch eher um der Natur zuzusehen, Greifvögel zu beobachten, leckeres Bierchen in der Abendsonne auf dem Boot zu genießen, mit Freunden zu lachen und zu [...] mehr...
Ja, kyon. Man kann alles von einer grausamen Seite aufziehen. Ich esse auch Fisch trotzdem man bei Doku Sendungen gar nicht hinschauen mag was mit dem Thunfisch etc beim fischen veranstaltet wird. Ich möchte auch nie beim [...] mehr...
Ja, natürlich haben Sie recht. Ich habe das auch nur mit einem Augenzwinkern gesagt. In bin halt Aquarianer und mag die Fische gern schwimmen sehen. Angler sind mir aber von ihrer Lebensart her sehr sympathisch, und Fisch esse [...] mehr...
Das ist lobenswert, wird aber wohl eher als Kalauer aufgenommen. Nach dem Motto: Ich kaufe den Fisch ja beim Fischhändler. mehr...
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