Von Frieder Pfeiffer
Staatsoberhäupter sprechen untereinander meist über Handelsabkommen, Schuldenerlass, Kyoto-Protokoll und Anti-Terror-Maßnahmen. Wenn jedoch morgen in Guatemala-Stadt Russlands Präsident Wladimir Putin, Österreichs Kanzler Alfred Gusenbauer und Südkoreas Staatschef Roo Moo-hyun zusammenkommen, wird keine Entscheidung in Entwicklungshilfe- oder Klimaschutzfragen erwartet, auch muss im Anschluss kein Kompromiss schöngeredet werden. Für die Spitzenpolitiker geht es um ja oder nein, um Sieg oder Niederlage - es geht um Sport.
Olympische Ringe während der Spiele in Turin 2006: Kunstschnee keine Alternative
Für Südkoreas Regierung ist das Projekt 2014 die "Nummer eins der nationalen Agenda". Kim Jin-Sun, Chef des Bewerbungskomitees, verspricht sich von den Spielen in seiner Heimat eine Annäherung der beiden koreanischen Staaten und spricht gar von "Aussöhnung" auf der geteilten Halbinsel. Putins Vize Alexander Zhukow geht es um "ein hervorragendes Vermächtnis für Sport und Tourismus". Ein teures zudem: Die russische Regierung investiert eine zweistellige Milliardensumme. In Österreich soll mit Olympischen Spielen der gute Ruf wiederhergestellt werden, den der Dopingskandal der Spiele von Turin zerstört hatte. Etliche Austria-Athleten waren bei einer Dopingrazzia erwischt worden, einige sind inzwischen lebenslänglich gesperrt.
Die Chance nicht nur für Salzburg wäre riesig. 10.000 Journalisten haben von den Winterspielen in Turin 2006 berichtet, in sieben Jahren werden es wohl noch einige mehr sein. Die positive Außenwirkung der TV-Bilder eines von Gastfreundschaft und Begeisterung geprägten Sport-Events hat nicht zuletzt die Fußball-WM in Deutschland bewiesen. Auch die TV-Anstalten sind sich des image- und werbefördernden Effekts bewusst und zahlen dreistellige Millionenbeträge für die Übertragungsrechte. Die Winterspiele im kanadischen Vancouver 2010 sind den Sendern in Amerika und Europa insgesamt über eine Milliarde Dollar wert.
Für die Kandidaten 2014 lohnt sich bereits die Bewerbung, richtig lukrativ wäre der Zuschlag. "Die Spiele könnten den größten Wirtschaftsfaktor für Salzburg nach dem Zweiten Weltkrieg bedeuten", sagt Wilfried Haslauer, stellvertretender Landeshauptmann der Mozartstadt. Durchschnittlich 1800 Arbeitsplätze sollen bei einer erfolgreichen Bewerbung in Salzburg bis 2014 pro Jahr entstehen.
Wo es um so viel geht, wird bis zuletzt gepokert. "Das wird eine knappe Entscheidung", sagt Rogge, "für das IOC ist entscheidend, welches Vertrauen die Mitglieder in die Bewerber haben." Welcher Bewerber im Vorfeld den besten Eindruck auf die Evaluierungskommission gemacht hat (Pyeongchang) oder den größten Zuspruch in der eigenen Bevölkerung genießt (Pyeongchang) spielt keine vordergründige Rolle - ausschlaggebend sind sportpolitische Fragen. Im Netz der Abhängigkeiten und Machtverteilungsspielchen der IOC-Funktionäre wird die Entscheidungsfindung undurchsichtig.
Immerhin hat sich mit Rogge, der 2002 die Nachfolge von Juan-Antonio Samaranch antrat, einiges geändert. Die Zeiten sind vorbei, als sich IOC-Funktionäre von Bewerberstädten fürstlich bewirten ließen. Seit dem Bestechungsskandal bei der Vergabe der Winterspiele 2002 an Salt Lake City bereist allein eine 16-köpfige Evaluierungskommission die möglichen Austragungsorte.
Dennoch bleibt die Wahl für Außenstehende ein Rätsel. Welches IOC-Mitglied bei welcher Konstellation im zweiten Wahlgang, wenn nur noch zwei Städte um den Sieg kämpfen, wo hinwandert, ist völlig offen. Bei der Wahl Turins wurde die bessere Bewerbung Sions übergangen, da man eine erneut Bewerbung Roms als Olympiastadt verhindern wollte. Mit der Zusage an Turin wurde der italienische Drang nach Sommerspielen in der Stadt der Gladiatoren gestoppt.
Derlei Überlegungen könnten auch morgen wieder entscheidend sein. Vielleicht spielt aber auch ein Faktor eine Rolle, der bislang nie zur Diskussion stand. "Die voraussichtlichen Schneebedingungen spielen bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2014 eine entscheidende Rolle", sagt IOC-Boss Rogge, Kunstschnee sei keine Alternative. Als die Mitglieder der Evaluierungskommission im März Salzburg besuchten, liefen sie über grüne Wiesen. In der Verzweiflung kramten die Organisatoren Bilder hervor. Darauf zu sehen: Salzburg im Schnee.
Die Städte im SPIEGEL-ONLINE-Überblick:
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Ich weiß es, ich weiß es. (sags aber nicht, sags aber nicht :P) mehr...
Sotschi ist wirklich cool! Und mit $12000000000 und 7 Jahre man kann alles machen. Herzlich willkommen in 2014! mehr...
cool, sotchi! übernachten entweder in quasi unbewohnbaren oder in 2000-dollars-zimmern! so zumindest lautete die quintessenz des berichts über sotchis unterkünfte auf russia today letzte woche. egal, vergesst die cote d'azur und [...] mehr...
Volle Zustimmung in beiden Punkten! Trotz der wenig erfreulichen Erfahrungen in Nagano ist nicht zu leugnen, dass Asien enfach "mal wieder dran" ist. Die gerechte weltweite Verteilung der Austragungsorte ist ein [...] mehr...
Nachdem die letzten Olympischen Spiele abwechselnd nach Europa und dem Nordamerikanischen Kontinent gegangen sind, kann ich mir nicht vorstellen, das sie 2014 abermals in Europa ausgerichtet werden. Dies würde für Pyeongchang [...] mehr...
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