Gent - "Ich werde mich Ende Juli mit dem Staatsanwalt treffen. Diesen Termin haben wir vereinbart", sagte Jaksche zwei Wochen nach seiner SPIEGEL-Beichte am Rande der Tour de France im belgischen Gent. Der 30-Jährige hatte gestanden, über weite Strecken seiner Karriere gedopt zu haben. Auch mit dem Weltverband UCI und dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) habe er "zeitnahe" Treffen verabredet, so Jaksche weiter.
Seine Anwälte stünden darüber hinaus mit der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) in Kontakt, die ebenfalls Interesse an konkreten Informationen signalisiert hatte. Jaksche hatte auch seine früheren Teamchefs Gianluigi Stanga (Polti), Walter Godefroot (Telekom) und Bjarne Riis (CSC) zum Teil der Beihilfe, zumindest aber der Mitwisserschaft bei Doping-Praktiken beschuldigt.
Angst vor einem Spießrutenlauf bei der Tour habe er nicht, erklärte der frühere Top-Fahrer, der bei der Frankreich-Rundfahrt zweimal unter den besten 20 der Gesamtwertung landete. "Von vielen jungen Fahrern habe ich ja sogar Zuspruch erhalten. Dass einige der älteren Profis das nicht toll finden, ist auch klar. Vor einem Jahr hätte ich wahrscheinlich auch noch so reagiert."
Eine Klage seines ehemaligen Chefs Godefroot erwarte er nicht, sagte Jaksche: "Er weiß ja, dass ich die Wahrheit gesagt habe." Der Radprofi weigerte sich in einem ARD-Interview weiterhin, Namen von Fahrern zu nennen: "Bevor ich etwas gegen einen Fahrer sage, können sie mir beide Beine abhacken".
Das frühere Team der T-Mobile-Profis Patrik Sinkewitz und Michael Rogers (Australien) ist laut ARD-Informationen ins Visier der italienischen Dopingfahnder geraten. Dem Sender liegen belastende Unterlagen aus dem Jahr 2001 gegen die Mannschaft Mapei vor, die heute unter dem neuen Sponsornamen Quickstep im Tour-Peloton fährt. Sinkewitz und Rogers begannen ihre Profikarriere 2001 bei Mapei und wechselten im Vorjahr zu T-Mobile.
Allerdings wies Christian Frommert, Kommunikationschef des Telekom-Konzerns, darauf hin, dass beide lediglich dem Mapei-Nachwuchsteam angehörten: "Sie hatten mit der Profitruppe nichts zu tun und wurden von einem komplett anderen Personenkreis betreut."
Die von den Behörden sichergestellten Papiere sollen belegen, dass im Mapei-Team systematisch mit Epo, Anabolika, Testosteron, Insulin und anderen Substanzen gedopt wurde. Noch können die Ermittler die Unterlagen allerdings keinem Fahrer zuordnen. Für Mapei/Quickstep fuhren damals auch der Zeitfahrweltmeister und derzeitige Träger des Gelben Trikots, Fabian Cancellara (Schweiz, 2001/02) und Weltmeister Paolo Bettini (Italien, seit 1999).
Bereits am Wochenende hatte T-Mobile-Chef Bob Stapleton den Quickstep-Teamchef Patrick Lefevere als Negativbeispiel im Anti-Dopingkampf genannt. "Er ist seit mehr als 30 Jahren in diesem Metier, in Belgien warf ihm eine Zeitung kürzlich systematisches Doping in seinen Teams über Jahre vor. Nun war sein Rennstall der letzte, der die UCI-Erklärung unterschrieben hat. Das ist inakzeptabel", sagte Stapleton.
fpf/sid
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