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23.07.2007
 

Zwei-Klassen-Gesellschaft

"Gruppe der Acht" fährt hinten mit

Von Jörg Schallenberg, Foix

Acht Profiradställe haben sich vor der Tour de France lose zusammengeschlossen: Sie wollen sich ernsthaft mit Doping auseinandersetzen - im Gegensatz zu den anderen Teams. Schaut man sich nun die Ergebnisse an, zeigt sich Erstaunliches.

Wenigstens einmal liegen sie ganz vorn. Cofidis hält die Spitze, Bougyues Telecom ist Dritter, während sich Rabobank und Astana weit hinten durch das Feld quälen. Als die Rennställe der Tour de France an diesem Morgen ihre riesigen Busse zum vorgesehenen "parking équipes" kurz vor der Startlinie zwängen, da sind alle gleich. Gleich vor dem täglichen Improvisationschaos, das eines der größten Ereignisse des Weltsports im Tagesrhythmus in Ortschaften anrichtet, die so gar nicht darauf ausgerichtet sind, 21 Profi-Radteams samt einem gigantischen Tross von Journalisten und Zuschauern kurzzeitig unterzubringen.

Dissidenten-Teams Francaise des Jeux, Cofidis, Credit Agricole: Fernab der Spitze
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AFP

Dissidenten-Teams Francaise des Jeux, Cofidis, Credit Agricole: Fernab der Spitze

Wobei es sich eigentlich nicht um 21 Teams handelt. Sondern um 13 plus 8. Was sich sehr schön am Gesamtklassement der Tour ablesen lässt - eigentlich aber auf einen Eklat zurückgeht. Am Vorabend der diesjährigen Tour de France traf sich die Vereinigung der Profirennställe in London (AIGCP), um neben anderem über das eine oder andere Dopingproblem zu sprechen, das es dem Hörensagen nach geben soll. Jesus Suarez Cueva, Sportlicher Leiter beim zweitklassigen, aber ambitionierten spanischen Radrennstall Relax-Gam, bestritt allerdings schon dies. Er ließ in einer etwas weiter schweifenden Formulierung verlauten, dass Radprofis nicht dopen, sondern nur Medizin nehmen wie andere Sportler auch.

Solche Dialektik vom Manager eines Teams, das gleich mehrere Verdächtige von der Fuentes-Liste der spanischen Polizei unter seine Fittiche genommen hat, versetzte andere Rennleiter in Rage, manche verließen wutentbrannt die Sitzung. Anschließend beschlossen die Chefs von zwei deutschen und sechs französischen Teams, eine eigene, vorerst lose Interessengemeinschaft zu gründen, die sich etwas ernsthafter mit dem Thema Doping auseinandersetzen will als die Konkurrenz.

Sucht man nun, nach der 14. Etappe der Frankreich-Rundfahrt, in den Rennlisten, nach den Fahrern von T-Mobile, Ag2R Prévoyance, Gerolsteiner, Credit Agricole, Bouygues Telecom, Agritubel, Cofidis und La Francaise des Jeux, dann zeigt sich Erstaunliches. Nicht nur beim steilen Anstieg nach Plateau de Baille gestern war kein Profi aus einem dieser Rennställe in einer der Spitzengruppen vertreten - erst auf Platz 16 kam Gerolsteiner-Fahrer Bernhard Kohl ins Ziel.

Auch in der Gesamtwertung muss man mit dem Finger weit, weit nach unten fahren, bis die Radler aus der "Gruppe der Acht" auftauchen.

Abgesehen von T-Mobile-Profi Kim Kirchen auf Rang 14 ist unter den ersten 25 Fahrern im Klassement keiner aus den acht Dissidenten-Teams platziert, erst auf Rang 28 und 29 folgen Sylvain Chavanel (Cofidis) und Markus Fothen von Gerolsteiner. Aus der deutsch-italienischen Sprinter-Equipe Milram ist auch niemand vorn zu entdecken, was allerdings an der eher einseitigen Besetzung liegt, die keinen Fahrer mit Qualitäten für die Gesamtwertung vorsieht.

Dafür finden sich gleich neun Spanier unter den Top 20. Es ist möglicherweise ein Zufall, dass Jörg Jaksche in seinem SPIEGEL-Geständnis Spanien als Paradies für Doper charakterisierte - etwa im Vergleich zu Frankreich mit seinem Anti-Doping-Gesetz. In der Mannschaftswertung belegen Teams, die nicht zur "Gruppe der Acht" gehören, die ersten acht Plätze. Warum nur?

An den mangelnden Kontrollen kann es doch wohl nicht liegen. Am Freitag führte der Weltverband UCI 42 Bluttests bei fünf Teams durch. Gestern griff erstmals die Polizei ein. Auf der Ausweichroute des Rennens, die all jene nehmen, die nicht direkt im Feld mitfahren dürfen, hatten die Flics gleich drei mobile Radarfallen eingerichtet. Ins Netz ging ihnen unter anderem das frühere Team von Lance Armstrong. Der Fahrer eines Begleitfahrzeugs von Discovery Channel war zu schnell unterwegs und musste dafür bezahlen. Allerdings kein Jahresgehalt.

Man kann natürlich angesichts der Zweiteilung von rein sportlichen und wirtschaftlichen Gründen ausgehen. So haben sich Teams wie Astana mit Andreas Klöden und Paolo Salvodelli oder Discovery Channel mit Levi Leipheimer weitaus luxuriösere Einkäufe geleistet als etwa Gerolsteiner, T-Mobile oder Francaise des Jeux.

Durchaus überraschend sind dann aber die Erfolge des britischen Newcomer-Teams Barloworld, das mit einem Mini-Budget von drei Millionen Euro antritt, was etwa einem Viertel des T-Mobile-Etats entspricht. Trotzdem belegen Barloworld-Fahrer Platz zwei der Punktewertung, Platz zwei der Bergwertung und die Plätze zwei und drei bei den besten jungen Fahrern, im Gesamtklassement haben sie zwei Profis unter die besten 25 gebracht. Geschickte Personalpolitik? Geleitet wird das Team übrigens vom Italiener Claudio Corti, der früher den Rennstall Saeco betreute - der unter seiner Führung gleich in mehrere Dopingaffären verwickelt war.

Man kann genauso gut konstatieren, dass eigentlich gerade zwei Frankreich-Rundfahrten parallel stattfinden. Bei der einen nehmen nur acht Mannschaften teil, die den anderen fast immer hinterherfahren. Warum auch immer.

Ob diese Besetzung irgendwann in ferner Zukunft dazu übergeht, gleich eigene Wettbewerbe auszuschreiben und die anderen in voller Fahrt davonsausen zu lassen, gehört sicher auch zu den Themen, die bei den regelmäßigen Treffen der "Gruppe der acht", auch während der Tour, besprochen werden. Doch Offizielles verlautete bislang nicht aus dem deutsch-französischen Kreis. Fragt man etwa Gerolsteiner-Chef Hans-Michael Holczer in diesen Tagen nach Ergebnissen, so breitet er gern die Arme aus und sagt mit möglichst unschuldigem Blick: "On travaille et on ne parle pas." Man arbeitet und spricht nicht darüber. Noch nicht.

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insgesamt 54 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.07.2007 von kastenmeier:

Genau dies habe ich ja gesagt! Sie verschieben die Grenze, jedoch gibt es weiterhin eine und wenn man an die herankommt, schmerzt es - egal ob es die natürliche ist oder die per EPO "korrigierte". Klar, manche [...] mehr...

25.07.2007 von Beate Müller-Thurgau:

Na ja, so berauschend ist er in den Alpen und am letzten Sonntag wirklich nicht gefahren. Aber ich muss Ihnen Recht geben – Kirchen liegt deutlich näher an Rasmussen, Contador etc. als am Zweitbesten aus den Teams der [...] mehr...

24.07.2007 von wühlmaus_reloaded:

Auch das ist wieder eine Milchmädchenrechnung. Wenn alle dopen führt das eben nicht dazu, daß sie eine lockere Radtour veranstalten in einem Tempo welches Nicht-Doper umbringen würde. Jeder muß trotzdem an seine (nun [...] mehr...

24.07.2007 von Der_Rolf:

Da bin ich anderer Ansicht ! "Natürliche Grenzen" ? Doping hat doch gerade das Ziel die Schmerzgrenze künstlich zu verschieben. Eine mangelnde Sauerstoffversorgung führt dazu, dass der Muskel nicht mehr ausreichend [...] mehr...

24.07.2007 von knox-o-knox: Doping ist zulässig

Doping ist bei der Tour zukünftig erlaubt. Es starten zwei Gruppen. Gedopte mit dem Buchstaben "D" auf dem Hintern und Nichgedopte ohne weitere Kennzeichnung. Alle starten gleichzeitig wie bisher auch. Falls ein [...] mehr...

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