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23.07.2007
 

Tour-Überraschung Contador

Junger Mann mit fragwürdiger Vergangenheit

Von Jörg Schallenberg, Loudenvielle-Le Louron

Er ist der Jungstar dieser Tour und einzig verbliebener Konkurrent des dopingverdächtigen Michael Rasmussen um den Gesamtsieg. Doch Alberto Contador eignet sich nur bedingt als Hoffnungsträger des sauberen Radsports.

Wenn Robbie Williams etwas jünger, schlanker und durchtrainierter wäre, dann würde er ein wenig so aussehen wie Alberto Contador. Der 24-jährige Spanier besitzt einige Anlagen zum Popstar - und schon eine Menge Fans. "Contador, Contador", schreien sie verzückt, als der Träger des Weißen Trikots an diesem Morgen in Foix den Teambus von Discovery Channel verlässt.

Discovery-Profi Contador (r.), Tour-Führender Rasmussen: Name auf der Liste
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AP

Discovery-Profi Contador (r.), Tour-Führender Rasmussen: Name auf der Liste

Die folgenden Minuten verbringt der Spanier damit, abwechselnd Dutzende von Autogrammen zu schreiben und die Fragen von Fernsehreportern aus aller Welt zu beantworten. Verwundern kann dieses Interesse nicht, schließlich hat sich Contador als wichtigster Konkurrent des Dänen Michael Rasmussen im Gelben Trikot etabliert - und konnte seine bestechende Form heute auf den folgenden 196 Kilometern der Pyrenäen-Etappe nach Loudenvielle-Le Louron bestätigen.

Bedenkt man, dass abgesehen von seinem Rabobank-Team die meisten Teilnehmer bei der Tour de France froh wären, wenn Rasmussen wegen seiner verpassten Dopingtests endlich aus dem Feld genommen würde, dann könnte der junge Contador der große Hoffnungsträger dieser Frankreich-Rundfahrt sein. Doch leider eignet er sich nicht für diese Rolle.

Junger Mann mit Vergangenheit

Denn sobald man ihn auf seinen prominenten Landsmann Eufemiano Fuentes anspricht, versteht Contador plötzlich noch weniger Englisch als bisher. Und der Pressebetreuer von Discovery schiebt ihn auf seinem Fahrrad schnell Richtung Start.

Der Spanier ist zwar erst 24 Jahre alt, doch er hat schon eine Vergangenheit im Radsport, leider eine ziemlich verdächtige. Profi wurde er 2003 im Once-Team des Spaniers Manolo Saiz - zwei Namen, bei denen sich jedem, der sich halbwegs mit Doping und Radsport auskennt, die Haare aufstellen. Die exzellenten Kontakte des Rennstalls und seines Leiters zu Fuentes beschrieb zuletzt Jörg Jaksche detailliert. Auch im Nachfolgeteam Liberty Seguros startete Contador, der Saiz in Interviews stets in Schutz nahm: "Er war wie ein Vater zu mir."

Saiz' Team wurde allerdings wegen der offensichtlichen Verwicklungen in die "Operacion Puerto" im vergangenen Sommer aufgelöst, nachdem sich der Sponsor zurückgezogen hatte. Auf der ersten Liste von 58 Fahrern, die Kunden beim Blutmischer Fuentes waren, fand sich auch Contadors Name. Bei der Tour 2006 hätte er nicht starten dürfen. Weil Liberty Seguros nicht mehr existierte, konnte er das aber ohnehin nicht.

Doch ähnlich rätselhaft wie weite Teile der spanischen Dopingermittlungen später im Sande verliefen, verschwand später auch Contadors Name von der Fuentes-Liste. Ein Grund dafür war, dass Fuentes angegeben hatte, nie Kontakt mit dem jungen Spanier gehabt zu haben. Es ist allerdings auch nicht bekannt, dass Fuentes jemals irgendeinen Kontakt zu einem der verdächtigen Fahrer eingestanden hätte. Laut "SZ" wurde der Name Contadors von der Liste getilgt, weil sich der Spanier seinem Verband nach einer Razzia bei Fuentes 2006 als Zeuge zur Verfügung gestellt hatte.

Für Discovery Channel war Contadors mutmaßliche Fuentes-Verwicklung kein Grund, von einer Verpflichtung des Supertalents abzusehen. Der Sportliche Leiter Johan Bruyneel sieht die Sache als "erledigt" an. Vor dem Start zur heutigen Touretappe will er nicht groß über die lästige Vergangenheit reden - ihn interessiert viel mehr Contadors Zukunft. "Dieses Jahr ist es wahrscheinlich noch zu früh für ihn, um die Tour zu gewinnen", sagt der Belgier, hält einen Augenblick inne, um den Trubel um seinen Fahrer zu verfolgen - und fährt dann fort: "Aber vielleicht sehen Sie da drüben den neuen Lance Armstrong."

Bruyneel meint das durchaus positiv. Der Mythos Armstrong ist bei Discovery Channel ungebrochen, als Mitbesitzer des Teams ist er im Hintergrund ohnehin noch aktiv. Jenen Armstrong, in dessen Blutproben von 1999 später Epo-Spuren gefunden wurden, kennt man hier nicht. Einen neuen Helden braucht der Rennstall aber dringend, denn Hauptsponsor Discovery steigt nach dieser Saison aus, noch ist kein Nachfolger gefunden. "Es wird nicht leicht, aber wir sind zuversichtlich", sagt Bruyneel und weiß, dass ein Typ wie Contador auf dem Siegerpodium in Paris die Suche nach einem neuen Finanzier einfacher machen könnte.

Dafür nimmt man auch das Risiko in Kauf, trotz der schlechten Erfahrungen mit Ivan Basso erneut einen verdächtigen Fahrer unter Vertrag zu nehmen, obwohl der Fuentes-Fall in sportrechtlicher Hinsicht keinesfalls geschlossen ist. Auch Basso galt nach einem Freispruch des italienischen Radsportverbandes zumindest Discovery-Maßstäben nach als sauber, wurde dann aber in diesem Frühjahr von der italienischen Antidopingkommision überführt. Zähneknirschend musste Bruyneel seinen potentiellen Toursieger wieder feuern.

Nun scheint dem Basso-Ersatz Contador nur noch der zweifelhafte Michael Rasmussen im Weg zu stehen. Im Gegensatz zu einigen Kollegen aus dem Fahrerfeld, die den Träger des Gelben Trikots heute in der "L'Équipe" kritisierten, geht der Spanier dem Thema aus dem Weg. Gestern sagte er im Zielort Plateau-de-Baille: "Nach so einer Etappe will ich mich nur erholen. Man denkt nicht daran, ob Rasmussen da sein sollte oder nicht. Ich hoffe einfach, dass der Beste gewinnen wird."

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Die neuesten Beiträge:
25.07.2007 von unicoma:

Bin mal gespannt, ob, auf Grund des neuen Bluttests, beim Team Rabobank langsam etwas Hektik aufkommt...(wie gern würde ich mal Mäuschen spielen) mehr...

25.07.2007 von who: nuer Test?

Gibt es jetzt einen Sehtest? mehr...

25.07.2007 von Tomislav:

Ganz genau. Es ist eben wie die Jahre zuvor auch, der Sieger ist der, der am cleversten agiert. Bisher konnte niemand den cleversten der Cleveren vom Thron stoßen - LA. mehr...

25.07.2007 von Umberto:

Bei den beiden ersten in der Gesamtwertung kann man sehr wohl klar sehen, nämlich dass die beiden gedopt sind. Und deshalb sind die beiden ganz heisse Favoriten auf den Tour-Sieg, wenn sie sich bis dahin nicht erwischen lassen. mehr...

24.07.2007 von Baschde:

Ja ich denke auch, dass man in der aktuellen Situation kein Favoriten nennen sollte. Bei keinem der Fahrer ist man wirklich sicher, dass er nicht gedopt ist. mehr...

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