Von Wendelin Hübner
"Meine Frau scheint ein wenig Herzklopfen zu haben. Sie steht neben mir und sagt mir immer wieder: 'Komme nur gesund wieder und halte dich tapfer.' Langsam kommt Bewegung in das bunte Feld der Teilnehmer. Mein Frau gibt mir den Abschiedskuss." Mit diesen Sätzen schildert Kurt Stöpel in seinem Buch "Tour de France" die Augenblicke vor dem Start in die Rundfahrt, auf der er zur deutschen Sportlegende wird.
Vor 75 Jahren, im Juli 1932, fährt der Berliner die 295 Kilometer lange Etappe von Caen nach Nantes. Die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel, Stöpel kämpft mit dem Durst, manchmal kann er den Atlantik sehen. Doch Stöpel ist an diesem Tag der schnellste Fahrer, der erste Deutsche, der das berühmte Gelbe Trikot überstreift. Er ist 24 Jahre alt, der Bürgermeister gratuliert, eine Schöne küsst ihn, Stöpel fühlt sich "wie in einem schönen Traum". Am Ende wird er Gesamtzweiter. Der Sportjournalist Hans Blickensdörfer schreibt später von einer "Sensation allerersten Ranges".
Fahrräder begeistern Stöpel schon als kleinen Jungen, mit fünf tritt er auf Kreuzberger Kopfsteinpflaster zum ersten Mal in die Pedale, mit 14 fährt er die ersten Jugendrennen. Der hagere, zähe Junge mit den dünnen Beinen startet sein Training jeden Tag um drei Uhr früh, sieht in den Havelbergen östlich von Berlin die Sonne aufgehen, um 9 Uhr muss er bei der Arbeit sein. Stöpel ist Redaktionsbote der Presseagentur "United Press", eigentlich möchte er Journalist werden. Doch nach Siegen bei den Straßenrennen Berlin-Cottbus-Berlin und Berlin-Köln entschließt er sich, mit dem Radsport sein Geld zu verdienen. "Das wirst du eines Tages bereuen", prophezeit ihm sein Chef.
Doch 1930, in seinem ersten Profi-Jahr, erreicht Stöpel bei der Deutschland-Rundfahrt den zweiten Platz, wird bei der WM Vierter. Bei seiner ersten Tour-Teilnahme 1931 kommt er als 16. ins Ziel. Doch obwohl er ein Jahr später als Fünfter des Giro d'Italia nach Frankreich reist, gilt seine Fahrt ins Gelbe Trikot bei der Tour 1932 als dicke Überraschung. Frankreich, Belgien, Italien – das sind die großen Radsportnationen. Aber Deutschland?
Deutsche Reporter sind gar nicht erst nach Frankreich gefahren, Rennberichte verschickt Martin "Matze" Schmidt, das "Mädchen für alles" im deutschen Team. Als die Nachricht von Stöpels Triumph Deutschland erreicht, ist das den Zeitungen nur eine Randnotiz wert. So hat Stöpel, der drei Fremdsprachen beherrscht, an Ruhetagen immer noch genug Muße, ein wenig Land und Leute kennenzulernen.
In Monaco etwa sucht er einen "Buckligen, dem man über seine Höcker streichen kann", geht ins Casino und sinniert über die Vogeljagd. Verblüffend, wie er noch an den Abenden langer Etappen Kraft findet, für sein Buch die Eindrücke des Tages zu notieren: "Die Wolken hüllten uns ein, als hätten sie Mitleid mit uns keuchenden Ameisen." Prosaisch auch seine Gedanken über die "Mixer", sprich die Doper: "Die Natur lässt sich nicht ungestraft vergewaltigen, jeder Organismus, der durch solche Dosis Gift aufgepeitscht wird, muss eines Tages versagen." Die Franzosen nennen den belesenen Sportler den "Philosoph", für die Deutschen ist er der "Professor".
Am frühen, finsteren Morgen nach seinem Etappensieg startet Stöpel im Fackelschein auf die 387 Kilometer nach Bordeaux. Tour-Chronisten sind sich uneins, ob Stöpel auf der happigen Etappe nun fünf, sechs oder gar sieben Reifenpannen hatte. Sicher ist nur: Es waren genug, um ihm den Gesamtsieg zu vermasseln. Die Sonne sticht, der Atem geht schwer, Stöpel verliert 13 Minuten auf seinen großen Rivalen André Leducq. Der Franzose, der auf eigenen Reifen fährt, und nicht auf den schlechten Gummis, die die Rennleitung Stöpel stellt, gewinnt später die Tour, offiziell mit 24:03 Minuten Vorsprung vor dem Deutschen.
Doch Tour-Begründer Henry Desgrange hatte Zeitgutschriften ins Reglement aufgenommen, wohl weil ihm die Radler auf den Flachetappen zu sehr bummelten. Sein sprintstarker Landsmann Leducq hatte sich so einen Bonus von 24 Minuten herausgefahren. Stöpel war also eigentlich nur drei Sekunden langsamer. Nie wieder sollte er dem Tour-Sieg so nahe sein.
In die Herzen der Franzosen hatte sich Stöpel dennoch gestrampelt. Auf der Pariser Prinzenparkbahn, wo die "Grande Boucle" damals endete, rauscht es am 31. Juli von den Rängen: "Bravo Leducq! Bravo Stöpel!". Leducq schenkt Stöpels Frau den Siegestrauß, rote Rosen. "Madame Stöpel", sagt er, "wir beide, Kurt und ich, haben die Tour de France gewonnen."
Mehr als sechs Jahrzehnte weist die Statistik Stöpel, der im darauffolgenden Jahr nur Zehnter wurde, als erfolgreichsten deutschen Tour-Fahrer aus. Bis Jan Ullrich kommt. Im Juni 1997, kurz bevor der Telekom-Star in die Tour startet, die er als erster Deutscher gewinnen sollte, greift der durstige Stöpel im Altenheim Berlin-Spandau versehentlich nach einer Flasche Reinigungsmittel. Er ist 89 Jahre alt und noch am selben Tag tot. Kurz zuvor hatte er Ullrich noch ein Telegramm geschickt: "Dann gewinnen Sie mal."
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Ist doch klar: Schon weil sich unter den Amateuren dann Fahrer mit Doping einen Vorteil verschaffen würden. Das Problem bleibt doch genau das gleiche wie jetzt - wie halte ich ein Feld von Sportlern sauber? mehr...
Warum nicht eine getrennte Tour fahren a la Profi - Amateur nun alle gedopt --- nicht gedopt Auf diese Weise kann man ja "SPREU VOM WEIZEN" trennen und gleichzeitig eine LANGZEITSTUDIE erstellen und die [...] mehr...
ich schätze mal, daß fremdblutdoping auch ein paar vorteile hat, für die man die gefahren eben in den hintergrund stellt. beim eigenblutdoping muß man sich vorher blut abzapfen lassen. das hat meiner ansicht nach zwei große [...] mehr...
Er hat die großen drei Erdbeer-Pfirsich-Orange-Bällchen aber nur angekostet in der Tüte, allerdings in dieser Reihenfolge... mehr...
Sollte man nie tun, ist sehr unhygienisch ... mehr...
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