Mittwoch, 10. Februar 2010

Sport



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
24.07.2007
 

Tour de France

Blutdoping bei Winokurow - Astana steigt aus

Neuer Skandal bei der Tour de France: Alexander Winokurow ist bei einer Dopingkontrolle positiv getestet worden. Dem Fahrer wurde eine Fremdbluttransfusion nachgewiesen. Das Astana-Team zieht sich ab sofort von der Tour zurück - das Aus auch für Andreas Klöden.

Hamburg - Winokurow ist bei einer Dopingprobe während der laufenden Tour de France am 21. Juli eine Fremdbluttransfusion nachgewiesen worden. Das bestätigte sein Astana-Team am Abend. Zudem erklärte die Mannschaft mit sofortiger Wirkung den Rückzug von der 94. Frankreichrundfahrt. Damit ist die Tour auch für den Deutschen Andreas Klöden beendet.

Die auffälligen Werte Winokurows wurden nach dessen Sieg im Einzelzeitfahren in Albi festgestellt. Dort hatte der Kasache die Konkurrenz nach Belieben beherrscht und mit 1:14 Minuten Vorsprung auf den Australier Cadel Evans gesiegt. "Ich wollte es mir und allen zeigen, dass ich noch nicht geschlagen bin. Ich habe alles aus mir rausgeholt", hatte Winokurow im Ziel gesagt.

Auf der ersten Pyrenäen-Etappe am Sonntag erlitt er einen totalen Einbruch und verlor dabei 28:50 Minuten auf den dänischen Spitzenreiter Michael Rasmussen. Gestern feierte er dann in Loudenvielle-Le Louron seinen zweiten Etappensieg. Bei einem Sturz während der 5. Etappe hatte sich Winokurow eine Knieverletzung zugezogen und musste an beiden Knien genäht werden.

Winokurow fuhr von 2000 bis 2005 für das T-Mobile-Team und war nach einem halben Jahr bei Liberty Seguros zu Astana gewechselt. Um beide Rennställe gibt es seit längerem Dopinggerüchte. Der geständige Dopingsünder Jörg Jaksche hatte unlängst in einem SPIEGEL-Interview über systematisches Blutdoping beim Astana-Vorgängerteam Liberty Seguros berichtet.Laut Jaksche hatte der Rennstall und dessen Chef Manolo Saiz über viele Jahre mit dem umstrittenen Mediziner Eufemiano Fuentes zusammengearbeitet.

DIE TOUR UND IHRE DOPINGFÄLLE

4. November: Im SPIEGEL packt Patrik Sinkewitz über seine Dopingvergehen aus. Demnach habe er seit 2003 Doping betrieben. Damals stand er noch beim belgischen Quick-Step-Team unter Vertrag und manipulierte mit Epo. Als er zu T-Mobile wechselte, habe er mit Doping durch Eigenblutkonserven begonnen, so Sinkewitz, der gleichzeitig zugab, sich am Abend des 7. Junis vor einer Trainingseinheit einen Beutel Testosteron-Gel auf den Oberarm geschmiert zu haben.

31. Juli: Patrik Sinkewitz verzichtet auf die Öffnung seiner B-Probe und gesteht Testosteron-Doping. T-Mobile entlässt den 26-jährigen Profi.

AFP
30. Juli: Zwei Tage nach Ende der Tour gibt der Radsport-Weltverband UCI bekannt, dass die A-Probe einer am 24. Juli entnommenen Blutprobe von Iban Mayo Epo aufweist. Der Spanier wird daraufhin von seinem Team Saunier Duval suspendiert.

25. Juli: Cofidis-Profi Cristian Moreni (l.) wird des Dopings überführt. Der Italiener hatte nach der 11. Etappe einen zu hohen Testosteron-Wert aufgewiesen. Sein Team verlässt die Tour.

24. Juli: Astana-Profi Alexander Winokurow wird positiv getestet. Dem Kasachen wurde nach dem Zeitfahrsieg in Albi eine Fremdbluttransfusion nachgewiesen. Sein Team verlässt die Tour.

19. Juli: Während der Tour wird bekannt, dass der dänische Radsport-Verband Michael Rasmussen, den Spitzenreiter im Gelben Trikot, aus der Nationalmannschaft verbannt hat. Grund: Der Däne soll sich durch falsche Angaben zu seinen Trainingsorten mehrfach Dopingkontrollen enzogen haben. Rasmussen stellt sich als unschuldig dar. Am 25. Juli wird er wegen Lügen über seine Trainings-Aufenthaltsorte von seinem Team Rabobank gefeuert. Der Tour-Sieg, der ihm fast schon sicher schien, ist passé.

30. Juni: Der sechsmalige Tour-Teilnehmer Jörg Jaksche gesteht im SPIEGEL systematisches Doping während seiner gesamten Karriere als Profi seit 1997. Er will als "Kronzeuge" zur Aufklärung beitragen.

8. Juni: Dopingfahnder nehmen beim T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz während eines Trainings in den Pyrenäen eine Urin- und Blutprobe. Während der Tour wird bekannt, dass die A-Probe positiv ist. Sinkewitz beantragt die Öffnung der B-Probe.

21. Mai: Bert Dietz gibt als erster Ex-Telekom-Profi Epo-Doping in den Neunzigerjahren zu. Ihm folgen Christian Henn, Udo Bölts, Rolf Aldag, Erik Zabel und Bjarne Riis.

Anfang Mai: Ivan Basso gesteht, bei der Tour 2006 Blutdoping geplant zu haben und wird wenig später für zwei Jahre gesperrt.

Ende Februar: Der ehemalige Toursieger Jan Ullrich erklärt seinen Rücktritt, bestreitet aber weiter jeden Doping-Betrug. Anfang April steht fest, dass die 2006 während der "Operación Puerto" in Madrid sichergestellten Blutkonserven von ihm stammen.
Am 13. Juli hatte Astana, das unter anderem vom kasachischen Staat finanziert wird, den früheren T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler wegen Testosteron-Dopings entlassen. Kessler droht eine zweijährige Sperre. Der 28-Jährige war bei einer unangemeldeten Trainingskontrolle vor dem Klassiker " Fleche Wallonne" Ende April mit einem extrem überhöhten Testosteron-Wert aufgefallen.

Zudem laufen Ermittlungen gegen den Italiener Eddy Mazzoleni. Bei drei Dopingfällen innerhalb eines Jahres wird eine Radsport-Mannschaft laut Reglement des Weltverbandes UCI für vier Wochen gesperrt.

Winokurow ist der erste Fahrer, der bei der laufenden Tour überführt wurde. Am vergangenen Mittwoch war eine positive Dopingkontrolle (Testosteron) beim verletzt ausgefallenen T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz vom 8. Juni bekanntgeworden.

Durch Blutdoping wird die Erythrozytenzahl im Blut erhöht, so dass eine Verbesserung der Sauerstofftransportkapazität erreicht werden kann. Gesundheitliche Risiken bestehen vor allem bei einer Fremdbluttransfusion - wie im Falle Winokurows. Die Folgen können von allergischen Reaktionen bis hin zu Nierenschädigungen oder auch anderem Infektionen, etwa mit Hepatitis-Erregern reichen.

Blutdoping lässt sich erst seit den Olympischen Spielen 2004 in Athen nachweisen. Damals war Olympiasieger Tyler Hamilton aus den USA als erster Radprofi überführt worden.

ALEXANDER WINOKUROW

DPA
  • geboren am 16.09.1973 in Petropawlowsk/Kasachstan
  • Wohnort Monaco
  • Familienstand verheiratet, drei Kinder
  • Profi seit 1998 bei Casino; Telekom/T- Mobil (2000- 2005), seit 2006 bei Astana/Liberty Seguros
  • Tour de France (6 Teilnahmen): 5 Etappensiege in Gap/2003, Briancon/2005, Paris/2005, Albi/2007 und Loudenvielle- Le Louron/2007; Gesamtwertung: 3./2003, 5./2005
  • Spanien- Rundfahrt Gesamtsieger 2006, 4 Etappensiege (2000/1, 2006/3)
  • Olympia Zweiter im Straßenrennen von Sydney (2000), WM- Dritter im Zeitfahren (2004)
  • Eintagesrennen Sieger Lüttich- Bastogne- Lüttich (2005), Amstel Gold Race (2003)
  • Gesamtsiege Tour de Suisse (2003), Deutschland Tour (2001), Paris- Nizza (2002 und 2003), Kastilien- Rundfahrt (2006), Valencia- Rundfahrt (1998), Dauphine Libere (1998)
pav/sid

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



VOTE

Flucht oder Einsehen?: Wie bewerten Sie den Rückzug des Astana-Teams von der Tour de France?


FORUM

Die Tour - eine einzige Farce? Diskutieren Sie mit anderen Lesern!









Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern