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30.07.2007
 

Verdächtiger Toursieger

Doping-Experte erhebt schwere Vorwürfe gegen Contador

"Der größte Schwindel der Sportgeschichte", "Manipulation", "Betrug": Dopingforscher Franke behauptet, Tour-Sieger Alberto Contador habe mit Insulin und Asthmamitteln gedopt - spanische Ermittler und der Weltverband UCI hätten alles vertuscht.

Hamburg - Franke bezeichnete den Triumph des Spaniers Contador als "größten Schwindel der Sportgeschichte". Er sei im Besitz eines Protokolls von der Hausdurchsuchung beim Madrider Arzt Eufemiano Fuentes, das sich als "voll protokolliertes Doping-Dokument" erweise, sagte der Molekularbiologe im ZDF.

Dopingforscher Werner Franke: Größter Schwindel der Sportgeschichte"
DPA

Dopingforscher Werner Franke: Größter Schwindel der Sportgeschichte"

Danach habe Contador Insulinpräparate genommen: HMG Lepori zum Erhöhen der körpereigenen Testosteronsynthese sowie das Asthmamittel Trigon. "Ich habe die Dinge vor mir, ich kann sie direkt entziffern, welche Mittel genommen worden sind." Und weiter: "Dieser Herr Contador ist mehrfach geführt in den Listen, auch in den eigenen Entdeckungslisten der Guardia Civil."

Franke greift den Weltverband UCI und die spanischen Ermittler an: Es habe "in der jüngsten Zeit einen Vertrag gewissermaßen gegeben von der internationalen Radsport-Union UCI und den spanischen Justizbehörden, die das alles vertuscht haben und einfach gelogen haben". Spanien habe sich hier "das größte Ding aller Zeiten geleistet", so Franke.

Es sei ihm gelungen, sich in den Besitz der Unterlagen zu bringen. "Diese Befunde sind halt in meiner Aktentasche gelandet, das passiert manchmal, und ich hab sie dann gleich dem Bundeskriminalamt weitergegeben." Diese "auch weltweit korrupte Situation in verschiedenen Bereichen" werde in höchsten Kreisen "zumindest in Spanien akut gedeckt".

Contador hat jegliche Doping-Vorwürfe abgestritten. Es sei alles bloß "ein Irrtum" gewesen, sagte der Radprofi.

Auch Jörg Jaksche belastet Contador in der "Süddeutschen Zeitung" indirekt. "Ich habe natürlich niemals direkt gesehen, wie Contador gedopt wurde (...) Wenn du allerdings nicht gerade verweiblicht gewesen bist, gab es damals wohl keinen anderen Grund als Doping, um zum Gynäkologen Fuentes zu gehen", so Jaksche. Der deutsche Radprofi spricht auch von seiner gemeinsamen Zeit mit Contador im Rennstall Liberty Seguros. In den Fuentes-Akten sei erwähnt, dass die U23-Mannschaft, für die Contador damals fuhr, ebenfalls schon Wachstumshormone und Testosteron erhalten habe. Jaksche hatte zuvor im SPIEGEL seine Doping-Vergangenheit gebeichtet.

"Die Polizei hat sauber gearbeitet, aber offenbar werden Namen gefiltert und herausgenommen. Von den 250 Blutbeuteln sind doch 150 noch nicht identifiziert, warum?", fragt Jaksche weiter. Spanien sei das Problem zu groß geworden, "weil es sich nicht nur auf Radsport beschränkt".

Über Contador sagte Jaksche in einem Interview mit dem Radiosender Bayern 3: "Ich war auch zehn Jahre in der Situation, dass ich lügen musste. Ich würde ihn auch gar nichts fragen, weil ich seine Antwort wahrscheinlich gar nicht akzeptieren könnte."

Contador wird verdächtigt, Kunde des vermeintlichen Dopingarztes Fuentes gewesen zu sein, auch wenn sein Name von der Liste mutmaßlicher Kunden wieder verschwunden ist. Von 2003 bis 2006 fuhr Contador in den Teams des Spaniers Manolo Saiz. Der einst mächtige Rennstall-Boss steht seit Mai 2006 im Mittelpunkt der "Operación Puerto".

fpf/sid

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