Nie zuvor zeigte sich der moderne Hochleistungssport derart durch Skandale erschüttert, wie dies in diesen Wochen der Fall ist. Nie zuvor war die Sportberichterstattung im Fernsehen, im Hörfunk und in der Presse so wenig unterhaltend, es sei denn, dass der Skandalberichterstattung ein ganz besonderer Unterhaltungswert zugemessen werden kann.
Radprofi Christian Moreni bei der Tour 2007: Jene bedrohen, die den Sport gefährden
Der deutsche Hochleistungssport hat dabei ohne Zweifel ein ganz besonderes Problem. Er kann ganz gewiss nicht von sich behaupten, das beste Anti-Doping-System zu haben. Er sollte auch nicht wider besseren Wissens die Meinung propagieren, dass seine Athleten engagierter und genauer kontrolliert werden als die der internationalen Konkurrenz. Er muss vielmehr konstatieren, dass es außer Italienern, Dänen, Amerikanern, Kasachen und Spaniern vor allem auch deutsche Athleten sind, die des Doping-Betrugs im Radsport verdächtigt sind, und dass es deutsche Athleten waren, die den Betrug eingestanden haben.
Auch über die Formen und Methoden der Leistungsmanipulation lässt sich aufzeigen, dass der deutsche Hochleistungssport in einer beispiellosen Weise vom Phänomen des Doping-Betruges belastet ist: Es waren deutsche Athleten, die zuerst Urinproben manipulierten (Grit Breuer 1992 in Südafrika). Es waren deutsche Trainer, die ihren Urin anstelle der Athleten bei Dopingkontrollen abgaben - geschehen Anfang der neunziger Jahre, als der damalige Leichtathletik-Bundestrainer Karlheinz Steinmetz dem Diskuswerfer Alwin Wagner bei einer Dopingkontrolle "half". Es waren deutsche Athleten, die als erste bei Kontrollen der Manipulation mittels technischer Instrumente überführt wurden und es waren deutsche Athleten, die zuerst mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol anzutreffen waren (Katrin Krabbe und Breuer 1992).
Gewiss haben auch Amerikaner, Russen, Chinesen, Engländer, Franzosen und Spanier gedopt. Gewiss wird heute auch in Kasachstan, in Russland, in der Ukraine, ja in jedem Land, in dem Hochleistungssport betrieben wird, der Versuch unternommen, die Gegner mittels medikamentöser Manipulation zu betrügen. Wer wie Deutschland nachweislich ein umfassendes Doping-Problem aufzuweisen hat, dem hilft es allerdings nicht, wenn er mit dem Finger auf andere zeigt. So wie es leider noch viel zu oft Funktionäre, Athleten und Trainer in Deutschland tun.
Der deutsche Hochleistungssport ist zunächst und zuallererst selbst gefordert, alles zu tun, um international seine Glaubwürdigkeit zurückzuerlangen. Ist er dazu bereit, so muss er sich der Reichweite des Doping-Problems bewusst werden und er muss die notwendigen Schritte aus sich selbst heraus organisieren. Er benötigt dazu aber auch qualifizierte Partnerschaften, ohne die ein erfolgreicher Doping-Kampf nicht geführt werden kann.
Gefordert ist dabei die Partnerschaft mit der Wirtschaft, den Medien und dem Staat. Längst wäre es wünschenswert gewesen, dass Sponsoren ihr Engagement zu Gunsten des Sports beenden, wenn sich der gesponserte Sport nur unzureichend, zögerlich oder gar nicht im Anti-Doping-Kampf engagiert. Längst wäre es wünschenswert gewesen, dass die Medien eine Partnerschaft mit einer Sportart aufkündigen, wenn die Verantwortlichen dieser Sportart, keine Gewähr für das Prinzip des Fairplay bieten, und längst wäre es erforderlich gewesen, dass der Staat seine Sportförderung überdenkt. Dass er bei andauerndem Betrug die Rückerstattung von Fördermitteln einklagt, um auf diese Weise dem Steuerzahler gerecht zu werden.
Dies alles, das wird heute selbst den letzten Zweiflern klar, - obgleich der Sachverhalt des umfassenden Doping-Betrugs nunmehr bereits 30 Jahre besteht -, wird ohne eine gesetzliche Unterstützung durch den Staat keinen Erfolg haben. Ein Anti-Doping-Gesetz ist deshalb zwingend angebracht und der Sachverhalt des Sportbetrugs ist unter Strafe zu stellen. Die beschlossenen Veränderungen des Arzneimittelgesetzes weisen wohl in eine gute Richtung, sie können jedoch allenfalls als eine "Good-Will-Erklärung" verstanden werden.
Der Sport sollte sich mit seiner Sportgerichtsbarkeit um seine eigenen Belange kümmern. Der Staat hingegen sollte mit seinem Machtmonopol all jene bedrohen, die den Sport gefährden: die Ärzte, die Trainer, die Manipulateure, die Drogendealer, die Athleten, die Funktionäre. All jene müssen bedroht werden, die glauben, dass man sich über Sportbetrug bereichern kann. Dabei müsste es zu einer Selbstverständlichkeit werden, dass Sportverbände die Staatsanwaltschaft über positive Doping-Proben sofort und unmittelbar informieren, was die Möglichkeit einer wirkungsvolleren Ermittlung zur Folge hätte. In der heutigen Praxis besteht für beschuldigte Sportler zu viel Zeit, um jegliche Verbindungen zu möglichen Hintermännern und weitere belastende Indizien verschwinden zu lassen. Nicht weniger konsequent müssen überführte Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Auch das kann nur ein Anti-Doping-Gesetz mit Straftatbestand gewährleisten.
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Doping ist das Ende des Radsports mehr...
Worauf beziehen Sie diese harte Kritik? Auf den Kampf gegen Doping oder auf die sportlichen Leistungen? Wäre ersteres der Fall, sähe ich Deutschland eher auf einer leicht ansteigenden Straße im Gegensatz zu Spanien. mehr...
Daß es sich um einen Kompromiß handelt, offenbar ist dieses Land zu nichts anderem mehr in der Lage, zeigt daß hier wieder mehr Schein als Sein gilt. Statt knallharter Vorgaben an Sportler, Hintermänner und auch die Justiz, [...] mehr...
Und ich dachte, dass ist schon lange so. Typischer Fall von Denkste. http://www.dfb.de/index.php?id=500014&no_cache=1&tx_dfbnews_pi1[showUid]=11991&cHash=6f0bd29765 mehr...
Hm, da konnte ich mich jetzt überhaupt nicht mehr dran erinnern, obwohl mir der Name irgendwie bekannt vorkommt. Shame on me!! Sind nicht am letzten Spieltag zum ersten Mal bei JEDEM Spiel kontrollen durchgeführt worden oder [...] mehr...
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