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13.08.2007
 

Deutschlandtour

Gefangen im alten System

Von Dirk Brichzi, Sonthofen

Jens Voigt führt, Erik Zabel gewinnt Sprints: Die Deutschlandtour präsentiert sich fast wie in vergangenen Tagen. Doch der Schein trügt. Eine positive Dopingprobe würde das Rennen sofort zur Skandal-Rundfahrt machen. Tour-Direktor Kai Rapp vermutet noch genug schwarze Schafe im Feld.

"Eine einmalige Gelegenheit", dröhnt es aus dem Lautsprecher in der Nähe des Ziels in Sonthofen. "Das original T-Shirt zur Deutschland-Tour für nur fünf Euro", wird in der Nähe des Starts offeriert, "alle Größen, auch für Kinder". Im Kofferraum des Autos liegen auch noch Caps mit Tour-Logo, ebenfalls für fünf Euro. "Unglaublich, aber wahr: Nehmen Sie Ihre Erinnerungen mit nach Hause. Für nur fünf Euro." Ist die Deutschlandtour nur noch ein Auslaufmodell?

Sprinter Zabel (l.), Führender Voigt: Gesichter aus alten Tagen
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DPA

Sprinter Zabel (l.), Führender Voigt: Gesichter aus alten Tagen

T-Shirts verkaufen die fliegenden Händler jedenfalls noch, als die Fahrer schon längst in den Hotels verschwunden sind, und ein wenig kehrt in Sonthofen die Idylle scheinbar vergangener Tage zurück. Die Zuschauer feiern die Fahrer, der Bürgermeister singt wie in jedem Etappenort ein Hohelied auf die Stadt, die Profis, den sauberen Sport und schimpft auf die "bösen Doper". Überhaupt, sagt der Parkplatzwächter und schüttelt den Kopf, das Thema überlagere alles, "es wird ja kaum noch über den Sport geredet. Dabei sind das doch tolle Leistungen, die die Fahrer vollbringen."

Die Doping-Fälle der vergangenen Wochen und die Geständnisse der vergangenen Monate haben auch das Leben von Kai Rapp verändert. "Veranstaltungs-Leiter bin ich eigentlich kaum noch", sagt der Chef der Deutschlandtour SPIEGEL ONLINE, "Anti-Doping-Organisator würde da eher passen." Spätestens nach den Vorfällen und Dopingfällen bei der Tour de France war klar: Die Deutschlandtour konnte nicht durch die Lande fahren, als sei nichts passiert.

"Bleib sauber - live clean"

Rapp legte kurz vor dem Start einen Maßnahmenkatalog im Kampf gegen Doping vor. Sieben Punkte, die sogar das Fernsehen davon überzeugten, Live-Bilder von der Rundfahrt zu zeigen. Einige medienwirksame Punkte sind darunter, "für die Galerie", wie Rapp sagt, etwa, dass die Unterzeichnung der Ehrenerklärung für einen neuen Radsport Voraussetzung für den Start ist. Vor Gericht, das weiß auch Rapp, ist diese Erklärung ihr Papier nicht wert. Und der Streit um den Start des Teams Elk-Haus Simplon zeigt auch dem Veranstalter die Grenzen auf. Der österreichische Rennstall hatte mit einer einstweiligen Verfügung seinen Start erwirkt.

Die Kampagne "Bleib sauber - live clean" dürfte Doper auch kaum abschrecken. Mehr Erfolg verspricht er sich von der Anwendung des Ethik-Codes, der verhinderte, dass das Astana-Team nach den Dopingfällen Alexander Winokurow, Matthias Kessler und Andrej Kaschetschkin im Feld mitradelt. Das Chaperon-System, bei dem die Fahrer direkt im Ziel abgefangen und zur Dopingkontrolle begleitet werden, hört sich dank des französischen Namens toll an und macht Eindruck, hat auch nach Ansicht von Rapp noch Lücken. "Das muss eigentlich von einer unabhängigen Institution durchgeführt werden. So besteht ja von unserer Seite aus die Möglichkeit zur Manipulation", so der Tour-Chef.

Harter, weiter Weg

Rapp macht sich keine Illusionen. "Das ist eine Deutschlandtour mit neuen Ansätzen, aber im alten System", sagt er. Und mit alten Gesichtern: Jens Voigt statt Linus Gerdemann fährt in Gelb, der geständige Doping-Sünder Erik Zabel gewinnt statt Gerald Ciolek einen Sprint. Fast wie in alten Tagen. Damit hat Rapp jedoch kein Problem. "Bei Zabel ist mir wichtig, dass er Doping zugegeben hat. Dass er es heute nicht mehr macht, nehme ich ihm definitiv ab."

Doch verschärfter Kampf gegen Doping erhöht auch die Chance einer positiven Probe, jeden Tag könnte es auch einen Fahrer bei der Deutschlandtour treffen. "Angst darf man nicht haben", so Rapp, auch wenn er wisse, dass "dann nicht fair mit uns umgegangen wird." Ein positiver Dopingbefund sei kein Skandal. "Es gibt noch genug schwarze Schafe, warum soll es immer nur andere Veranstalter treffen?", sagt er.

Der Weg zur Deutschlandtour, wie Rapp sie sich vorstellt, ist noch hart und weit, die Ausgabe 2007 ist nur ein erster kleiner Schritt. Morgen fährt der Tross über die Grenze nach Österreich, hinauf nach Sölden. Die entscheidende Etappe, Jens Voigt will sein Gelbes Trikot verteidigen und seinen Rundfahrt-Sieg von 2006 wiederholen. Ihm im Nacken sitzt Levi Leipheimer, Dritter der Tour de France, der 2005 die Deutschland-Tour gewann und derzeit 27 Sekunden Rückstand hat. Wer morgen Abend Gelb trägt, hat gute Chancen, dies auch am Samstag in Hannover überzustreifen. Durch die Ausfälle von Andy Schleck und Fabian Cancellara hat der Deutsche zwei wichtige CSC-Helfer an seiner Seite verloren. Beide mussten heute die Tour aufgeben.

Voigt und Leipheimer, zwei Gesichter aus den alten Tagen. Der Amerikaner darf sich ein neues Team suchen, sein Rennstall Discovery Channel löst sich Ende des Jahres auf. Kein großer Verlust, findet Rapp. "Für die einzelnen Fahrer tut es mir sicherlich leid", sagt er. "Dem Radsport wird dadurch jedoch kein großer ethischer Schaden zugefügt."

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