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05.10.2007
 

Zeitungsbericht

Sprinterin Jones gesteht Doping

Jahrelang wurde sie verdächtigt, jetzt soll Marion Jones Dopingbetrug gestanden haben: Nach dem Bericht einer US-Zeitung gab die dreimalige Olympiasiegerin zu, vor ihren Erfolgen bei den Olympischen Spielen im Jahr 2000 in Sydney mit Steroiden gedopt zu haben.

Washington - Wie die "Washington Post" in ihrer Internet-Ausgabe gestern unter Berufung auf einen Brief des ehemaligen US-Sprintstars an Freunde und Familienmitglieder weiter berichtete, habe Jones demnach von 1999 an zwei Jahre lang Steroide genommen. Eine Vertrauensperson habe die wesentlichen Angaben in dem Brief gegenüber der "Washington Post" bestätigt.

Ehemalige US-Sprinterin Jones nach Olympiasieg 2000: Zwei Jahre lang Steroide geschluckt
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REUTERS

Ehemalige US-Sprinterin Jones nach Olympiasieg 2000: Zwei Jahre lang Steroide geschluckt

Jones schrieb nach den Angaben, sie habe die Substanz, im Sportlerkreisen als "The clear" bekannt, von ihrem damaligen Trainer Trevor Graham erhalten. Graham habe ihr erklärt, es handele sich um ein Nahrungsergänzungsmittel. Jedoch hätte sie misstrauisch werden müssen, als Graham ihr empfohlen habe, das Nahrungsergänzungsmittel geheim zu halten. Außerdem habe sie nach der Einnahme des Präparats eine leistungssteigernde Wirkung gespürt.

"Ich möchte mich für alles entschuldigen. Es tut mir Leid, dass ich alle in vielen Sachen enttäuscht habe", zitiert die Zeitung die Vertrauensperson, der eine Kopie des Briefes vorlag. Persönlich war Jones nach Angaben der "Washington Post" nicht zu erreichen. Graham wollte auf Anfrage des Mediums keinen Kommentar abgeben. Jones wolle vor einem Bundesgericht heute in New York zugeben, dass sie in zwei Anklagepunkten gelogen habe.

Die Sprinterin erwähne in dem Brief zudem, dass sie im Zusammenhang mit einem Scheck über 25 000 Dollar gelogen habe. Das Geld habe sie zwar 2005 von ihrem ehemaligen Freund und Vater des gemeinsamen Sohnes, Tim Montgomery, bekommen, dies aber gegenüber den Untersuchungsbehörden bestritten. Der ehemalige 100-Meter-Weltrekordler Montgomery hatte damals angegeben, die Summe stamme aus dem Verkauf eines Wagens und sei eine Teilrückzahlung an Jones, bei der er sich 50.000 Dollar geliehen habe. In diesem Jahr hatte sich schließlich Montgomery schuldig bekannt, in millionenschwere Bank-Betrüge und Geldwäsche beteiligt gewesen zu sein. Er soll am 1. November verurteilt werden.

"Das ist beängstigend, ich hatte geglaubt, sie ist sauber. Ich bin geschockt", sagte der ehemalige US-Sprinter John Drummond, der in Sydney Olympiasieger mit der 4x100-Meter-Staffel wurde. "Es ist wie der alte Spruch, dass Betrüger niemals gewinnen. Egal, wie glorreich und glamourös die Dinge auch aussehen mögen, letztlich werden sie gefasst und bezahlen ihren Preis. Wir sollten keine Angst vor der Wahrheit haben, es ist traurig, dass es so weit gekommen ist. Solche Sachen schaden der Leichtathletik", so Drummond weiter.

Lange im Schatten des Dopingverdachts

In der Vergangenheit war Jones immer wieder mit Doping in Verbindung gebracht worden. So stand ihr Name nach amtlichen Angaben auf der Kundenliste des Balco-Unternehmens, das bis zur Aufdeckung 2003 US-Spitzensportler mit Steroiden versorgt hat.

Im Dezember 2004 eröffnete das Internationale Olympische Komitee (IOC) ein Untersuchungsverfahren gegen Jones wegen Dopings und im Juni 2006 wurde bei den US-Leichtathletikmeisterschaften in ihrer A- Probe Epo nachgewiesen. Da die B-Probe jedoch negativ ausfiel, galt Jones bislang offiziell weiterhin als unschuldig. Ebenfalls 2004 hatte Balco-Gründer Victor Conte im US-Fernsehen ausgesagt, dass Jones vor und während der Spiele in Sydney Stereoide, Wachstumshormone und andere illegale Substanzen genommen habe.

Außerdem, so Conte damals, habe er der Athletin während eines Meetings 2001 gezeigt, wie sie sich Wachstumshormone injiziere. Zudem habe er in Telefonkonferenzen mit Jones und Graham über die Doping- Kur des Leichtathletik-Stars gesprochen. Auf Grund dieser Behauptungen hatte Jones Conte auf 25 Millionen Dollar (17,7 Mio. Euro) verklagt und per richterlicher Anordnung erklären lassen, dass sie niemals verbotene Mittel genommen habe und bei ihr 160 negative Dopingtests durchgeführt worden seien, fünf davon in Sydney. Beide Seiten einigten sich 2005 auf die Zahlung einer nicht genannten Summe. "Dieser Prozess hat mich viel Geld gekostet, aber ich habe damals die Wahrheit gesagt und das mache ich jetzt auch", so Conte gestern.

Umstrittene Thanou könnte profitieren

Jones droht aufgrund der Doping-Verstrickungen die Aberkennung ihrer fünf Medaillen (drei Mal Gold, zwei Mal Bronze) von Sydney 2000. Mit der zweifelhaften Folge, dass die Griechin Ekaterini Thanou im Fall einer Disqualifikation von höchstwahrscheinlich nachträglich zur Goldmedaillengewinnerin über 100 Meter gekürt werden würde. Die heute 33-jährige Thanou, die in Sydney Zweite geworden war, hatte 2004 in Athen mit ihrem Sprinter-Kollegen Kostas Kenteris für einen der größten Skandale in der Olympia-Geschichte gesorgt. Beide waren am Tag vor der Eröffnungsfeier von den Spielen ausgeschlossen worden, weil sie sich durch Flucht aus dem Athletendorf einer Dopingkontrolle entzogen hatten. Später wurden sie für zwei Jahre bis Ende 2006 gesperrt.

fpf/dpa/sidv

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