Von Sebastian Moll, New York
New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg ist eigentlich kein Typ, der aus sich herausgeht. Im Gegenteil, wenn es etwas gibt, was die New Yorker an dem seit sechs Jahren regierenden Mann nicht mögen, dann ist es, dass er bisweilen unterkühlt wirkt. Doch als Paula Radcliffe an einem strahlend schönen Spätherbsttag im laubbunten Central Park die Äthiopierin Gete Wami um den Marathonsieg übersprintete, konnte der Medien-Milliardär nicht mehr an sich halten: "Das war ein Traumfinale an einem traumhaften Tag", jubelte Bloomberg begeistert.
Der heutige Tag war in Manhattan ein scharfer Kontrast zum Vortag, als die Wolken grau über der Stadt hingen und der Wind kühl durch die Häuserschluchten pfiff. Ein paar tausend Leute waren gestern trotzdem in den Central Park gekommen um die US-Olympiaausscheidungen im Marathon zu betrachten, doch sie bekamen nicht nur einen Weltklasse-Lauf geboten, wie es die Plakate in den U-Bahnen seit Wochen angekündigt hatten, sondern vor allem auch eine Tragödie. Der 28 Jahre alte Ryan Shay war nach nur neun Kilometern zusammengebrochen und wenig später im Lenox Hill Hospital gestorben. Auch 24 Stunden später, nach einer Autopsie, stand die Ursache seines plötzlichen Todes noch immer nicht fest.
Schon alleine deshalb war Bloomberg wohl froh, dass seine Stadt trotz allem heute wie jedes Jahr ein großes Marathonfest feierte. An der First Avenue standen die Menschen schon früh um acht vier Reihen tief, um die Rollstuhlfahrer zu bejubeln und rockten zu den alle zehn Blocks postierten Bands. "Der Marathon ist für mich das das größte Ereignis des Jahres neben der St. Patrick's Day Parade", sagte Charlie McCorkell, ein 62 Jahre alter Bankangestellter aus Queens, der ausnahmsweise auch heute mit der U-Bahn nach Manhattan gefahren war. Nur der irische Nationalfeiertag geht für den Sohn irischer Einwanderer über den Marathon.
Das mitreißende Frauenrennen war der Höhepunkt der euphorischen Marathon-Party. Radcliffe und die Berlin-Siegerin Wami hatten sich schon auf dem ersten Kilometer von den übrigen Favoritinnen, inklusive der bereits zweimal in New York erfolgreichen Jelena Prokopcuka, abgesetzt. Von da an war der Marathon ein reines Duell. Bis zum Columbus Circle am Südwest-Eingang des Central Park, nur 400 Meter vor dem Ziel, liefen die beiden Frau Kopf an Kopf. Dann verpulverte Wami bei einem Angriff ihre Kräfte und Radcliffe konnte, unter dem für sie charakteristischen heftigen Kopfnicken, auf der ansteigenden Zielgerade davonziehen.
Radcliffe bewies mit ihrem Rennen, dass sie im Frauenmarathon noch immer das Maß aller Dinge ist. Das war vor New York alles andere als selbstverständlich. Ihren letzten Marathon war Radcliffe vor genau zwei Jahren an gleicher Stelle gelaufen. Im vergangenen Jahr war sie bereits mit ihrer Tochter Isla schwanger, die am 17. Januar dieses Jahres zur Welt kam. Somit hatte Radcliffe gerade einmal neun Monate Zeit, sich nach anderthalb Jahren wieder in Weltspitze vorzuarbeiten.
Allerdings hatte sie während ihrer Schwangerschaft nicht etwa ihr Training unterbrochen. Bis kurz bevor die Wehen einsetzten, lief Radcliffe täglich mindestens eine Stunde mit einem Puls von höchsten 160 Schlägen pro Minute und hielt sich auf dem Standfahrrad fit. Das Comeback war minutiös durchgeplant, der Termin der Mutterschaft bewusst zwischen zwei Olympische Spiele gelegt worden. Dennoch war unklar, wie schnell sie ihre Form wiedererlangen würde. Einen so raschen Wiedereinstieg und ein Training durch die gesamte Schwangerschaft hindurch hatte bislang noch keine Ausdauerathletin gewagt.
New York war der Test dafür, ob dieses Experiment gelingen würde. "Das lief wohl ganz gut", feixte Radcliffe kurz nach ihrem Sieg. Dabei hatte sich das Projekt unmittelbar nach der Geburt von Ilsa gar nicht so gut angelassen. Zunächst holte sich Radcliffe einen Ermüdungsbruch am Steißbein und nach einer achtwöchigen Pause auch noch eine Schleimbeutelentzündung am Fuß. Deshalb glaubte die Britin heute auch, noch immer nicht bei voller Kraft zu sein. Bis Peking, davon ist sie überzeugt, wird sie jedoch stark genug sein, um das "traumatische Erlebnis von Athen", wie sie ihre Aufgabe bei den Olympischen Spielen 2004 bezeichnet, vergessen zu machen.
Das Männerrennen bot zwar kein dramatisches Duell, hatte jedoch mit seinen ständigen unruhigen Attacken in der Spitzengruppe seinen eigenen Reiz. Am Ende gewann der Kenianer Martin Lel mit einem Sprint vor dem Marrokaner Aderrahan Goumri. Lel hatte seine Attacke exakt an derselben Stelle gesetzt, an der nur eine Viertelstunde zuvor Radcliffe ihrer Konkurrentin enteilt war.
Während eine Stunde später im Central Park eine laute R'n'B-Band den endlosen Strom der 39.000 Finisher ins Ziel wummerte, atmete in der "Tavern on the Green" am Parkrand die Renndirektorin Mary Wittenberg tief durch. "Diesen Tag der Heilung haben wir dringend gebraucht. Was gestern passiert ist, war das Schlimmste, was wir jemals durchgemacht hatten", sagte Wittenberg. Heute hingegen sei einer der schönsten Tage in der Geschichte des New Yorker Marathons gewesen. Das Wochenende war eine rasante, emotionale Achterbahnfahrt – aber so etwas sind New Yorker ja gewöhnt.
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- Vor wem oder was laufen Sie eigentlich weg? - Sie brauchen in der Tat eine "verständnisvolle Frau" ... - Der arme Sohnemann! mehr...
Hallo, für alle die gern draußen unterwegs sind durften wir einige an Trail- und Outdoor Schuhen testen und haben so fast 25 Schuhe getestet von klassich bis sportlich und von Lauf bis Winterschuhe. [...] mehr...
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Maik sollte sich lieber in Ruhe auf sich selbst besinnen. Gelingt ihm das nicht, wurde er tatsächlich von einer grimmigen Märchenfee verhext. mehr...
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