Von Sascha Klettke und Frieder Pfeiffer
Seit Wochen schon necken sich die Berliner und Bamberger Fans im Internetforum Schönen Dunk, morgen spielen ihre Teams endlich gegeneinander. "Rivalität ist im Sport etwas Gutes", sagt Alba Manager Marco Baldi. "Klar, dass die Anspannung steigt, wenn die beiden Leuchttürme der Liga aufeinander treffen."
Brose Basket gegen Alba Berlin (Samstag, 15 Uhr in Nürnberg) - das ist mehr als ein Spiel zweier Mannschaften. Es ist das Duell der beiden größten deutschen Basketball-Unternehmen. Zusammen genommen ist der Etat beider Clubs etwas größer als ein Jahresgehalt von Dirk Nowitzki (etwa 13 Millionen Euro). Damit haben Bamberg und Berlin weit mehr Geld zur Verfügung als ihre 16 Konkurrenten in der Basketball-Bundesliga. Und die beiden Clubs haben auch die meisten Zuschauer in der Halle: Mehr als 6000 pro Spiel, der Durchschnitt in der BBL liegt bei 3400.
Beide Mannschaften sind mit vielen neuen Spielern in die Saison gestartet. Bei Alba Berlin wurde nach dem überraschenden Aus in der ersten Playoff-Runde der vergangenen Spielzeit gegen Quakenbrück ein Neuanfang gewagt. Die wohl wichtigste Entscheidung: Trainer Hendrik Rödl musste gehen, das Alba-Management holte den 39-jährige Serben Luca Pavicevic. Der war früher ein erfolgreicher Aufbauspieler und in seinen ersten vier Jahren als Trainer schnitten seine Mannschaften besser ab, als vorher zu erwarten war.
Der tanzende Trainer
Seit der Verpflichtung des Serben spielt Alba eigentlich durchgehend in Überzahl: Der Trainer tanzt hinter, auf und vor der Seitenlinie, als würde Starkstrom durch die Feldbegrenzung fließen. Sein ganzer Körper kommentiert die Aktionen seiner Spieler und der Schiedsrichter. Marco Baldi nennt ihn "einen Basketball-Intellektuellen mit Temperament".
Bobby Brown, 23-jähriger Aufbauspieler der Berliner, betritt nie die gegnerische Hälfte, ohne sich bei Pavicevic den folgenden Spielzug anzeigen zu lassen. Der US-Amerikaner lässt sich bereitwillig dirigieren. Dabei wäre er selbst wohl meistens in der Lage, die richtige Option zu wählen - auch deshalb wurde er vom angesehenen US-Basketball-Dienst DraftExpress nach seinem Gala-Auftritt im Uleb-Cup gegen Bosna Sarajewo als Rookie des Jahres geadelt.
Doch den Ton bei Alba gibt ganz klar Pavicevic an. Weder die Lautstärke seiner Ansagen, als auch der Blick, der sie begleitet, lässt daran einen Zweifel. Im Spiel gegen Sarajewo gab er seinem Nachwuchsspieler Philip Zwiener dermaßen laut und unmissverständlich zu verstehen, wie wenig er mit dessen Spiel zufrieden sei, dass sich der 22-Jährige nicht einmal traute, in die Augen seines Trainers zu schauen. Doch wer glaubte, Pavicevic würde seinen Schützling nun dauerhaft auf die Bank setzen oder dieser würde sich in der Kabine verkriechen, der sollte sich getäuscht sehen. Zwiener wurde neben Brown zum entscheidenden Mann in der Schlussphase der Partie, holte in Folge alle seine sechs Punkte und tanzte nach Abpfiff strahlend über das Parkett. Ganz so wie sein Trainer während des Spiels auf der Seitenlinie.
"Am zweiten Tag ist es schlimmer"
Das Marathon-Match mit fünf Verlängerungen, das Alba zahlreiche Einträge in die Basketball-Rekordlisten brachte, wird den Spielern auch noch in Nürnberg in den Knochen stecken. "Am zweiten Tag ist es schlimmer als direkt danach", sagt Alba-Kapitän Femerling im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE über die Regeneration. Mit dem Training wurde trotzdem schon begonnen: "Wir haben jetzt keine Zeit, Wunden zu lecken", sagte der Center der Nationalmannschaft, der nach mehreren Jahren im Ausland zu Alba zurückgekehrt ist.
Dass Trainer Pavicevic und Spieler wie Femerling geholt wurden, war das Ergebnis gründlicher Überlegungen, was man über die derzeitige Mannschaftsaufstellung kaum sagen kann: Über die entscheidet der Krankenstand. Der als Kopf der Mannschaft vorgesehene Aufbauspieler Goran Jeretin riss sich das Kreuzband noch im Trainingslager. Zum Glück für Alba übertraf der als Backup vorgesehene Bobby Brown, der frisch vom College geholt wurde, alle Erwartungen. Zu seiner Entlastung wurde vor einigen Wochen Alexander Rasic von Dynamo Moskau ausgeliehen.
Kaum hatte die Saison begonnen, da zog sich Nationalspieler Johannes Herber einen Kreuzbandanriss zu. Auch er fällt für mehrere Monate aus. Vom mit viel Vorschusslorbeeren eingekauften Ex-NBA-Center Michael Bradley (Dallas) trennte sich Alba. Offensichtlich hatten er und Chef Pavicevic unterschiedliche Vorstelllungen.
Neben den Langzeitverletzten stehen im Moment noch Nachwuchs-Aufbauspieler Nico Simon (Rückenbeschwerden), Power Forward Dragan Dojcin (Reizung der Achillessehne) und Forward Dijon Thompson (Knöchelverletzung) bei Alba auf der Krankenliste.
Alba sucht nach Verstärkung
"Diese Ausfälle können wir nur mit viel Kraft, Konzentration und Aufopferungswillen ausgleichen", sagt Mannschaftskapitän Femerling. Das lasse sich aber nicht die ganze Saison durchhalten. Manager Baldi hofft auf die Genesung der Kranken und sucht nach Verstärkung. "Das können ein oder zwei Spieler sein, aber sie müssen zu unserer Spielweise passen", sagt Baldi. Im Moment seien diese aber nicht einfach zu finden.
So treten die Berliner gegen Bamberg mit knapper Besetzung an - und treffen dabei auf zwei alte Bekannte: Die Nationalspieler Ademola Okulaja und Demond Greene haben schon im Alba-Trikot gespielt. Greene wurde vom neuen Trainer Pavicevic als einer seiner ersten Amtshandlungen aussortiert. Das Kapitel Berlin habe er abgehakt, sagt Greene, als SPIEGEL ONLINE ihn beim Uno-Spielen stört: "Alles vorbei. Das gehört dazu." In Bamberg sei er zufrieden, "weil wir gut spielen und die Truppe klasse ist".
Gut spielen, das heißt für die Bamberger vor allem gute Verteidigung: Keine andere Mannschaft in der Bundesliga lässt so wenig gegnerische Punkte zu: 59 im Durchschnitt. Und kein Team schenkt dem Gegner so viele Körbe ein wie Alba Berlin: 84 im Schnitt. Die beste Defense spielt also gegen die beste Offense der Liga.
Das verspricht ein spannendes Spiel für die Fans und ein schweres für die Spieler: "Wir fahren dahin, um alles zu geben", sagt Alba-Center Femerling, "aber die werden es uns wahrscheinlich nicht leicht machen."
Das Spiel wird vom rbb-Fernsehen ab ca. 15.20 Uhr live übertragen, der BR zeigt ab 17 Uhr eine längere Zusammenfassung.
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