Von Horst Köder
Januar: Das Jahr beginnt mit einem literarischen Paukenschlag: Eva Herman ("Das Prinzip Arche Noah") veröffentlicht überraschend ein neues Buch: "Das Petri-Prinzip". These: Die Familie als Hort des Friedens, des Zusammenhalts und der gemeinsamen Kochabende hat ausgedient, nur die Anglerschaft mit ihren Werten, der Entspannung und der Geduld kann die hektische Welt noch vor dem totalen gesellschaftlichen Verfall retten. Die Kritiker sind milde gestimmt, selbst Noch-"Emma"-Chefin Alice Schwarzer verfasst eine leise Eloge auf das Buch ("Wir Frauen sollten uns auch mal an den See setzen").
Der Schmöker verkauft sich blendend und löst nach gefühlten 300 Wochen Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg" als Nummer eins der Bestseller-Listen ab. Doch dann folgt der Auftritt Hermans bei Johannes B. Kerner. Wann ihr denn die Idee für das Buch gekommen sei, fragt der Moderator. "Damals auf der Autobahn...", antwortet Herman - Möööp! Kerner keucht, die ebenfalls eingeladene Schwarzer röchelt, doch der vermeintliche Rauswurf (Kerner: "Ich verabschiede mich jetzt von Frau Herman") verpufft, weil die Sendung sowieso zu Ende ist. Hermans Abschiedsworte: "Petri Dank!"
März: Aufruhr in der Biathlon-Szene: Nach Protesten von Tierschützern und einer einstweiligen Verfügung wird das Schießen gestrichen, dafür müssen die Athleten nun zwischendurch Fische angeln. Dumm nur: Bei den ersten Fischathlon-Weltmeisterschaften ist der dafür vorgesehene See zugefroren, was den Eisangel-erfahrenen Finnen und Russen entscheidende Vorteile verschafft. Die verbitterte Konkurrenz spricht gar von "Techno-Doping". Deutschlands Vorzeige-Athletin Magdalena Neuner schnallt aus Protest die Skier ab, setzt sich an die Strecke und spielt Harfe. Bei den Männern siegt wieder einmal der Norweger Ole Einar Björndalen, obwohl er zehn Strafminuten aufgebrummt bekam, weil er keinen Fisch gefangen hat.
Juni: Deutschland erlebt bei der Fußball-EM sein zweites Cordoba. Im Halbfinale verliert das deutsche Team 0:1 gegen Österreich (Eigentor Ballack), weil der zuvor in vier Spielen 17 Mal erfolgreiche Torjäger Miroslav Klose lieber Forellen in einem nahe gelegenen Fluss angelt und deshalb völlig den Spieltermin vergisst. Teamchef Jogi Löw schäumt zunächst vor Wut, kühlt aber nach zwei lecker zubereiteten Regenbognern schnell wieder ab. Trotz laufenden Vertrages tritt Löw zurück, um sich, wie er sagt, "den wichtigen Dingen des Lebens" zuzuwenden. Später knipst ihn ein "Bild"-Leserreporter, wie er im Mannschaftsbus das neue Buch von Eva Herman liest. Klose entschuldigt sich später mit einer ganzseitigen Anzeige im " Blinker", dem Zentralorgan der Anglerschaft, bei den Fans. Die Anhänger werfen ihm jedoch Halbherzigkeit vor, weil er seinen Text mit den Worten "Ich würde jederzeit eine Stunde am Wasser einer Stunde auf dem Rasen vorziehen" schließt.
Juli: Die angeblich "runderneuerte" Tour de France droht nach 25 Dopingfällen in den ersten beiden Tagen erneut im Chaos zu versinken. Tourchef Christian Prudhomme sieht nur einen Ausweg: Die nächste Etappe wird am Wasser entschieden, die Radprofis müssen angeln. Selbst da können sie nicht von ihren verbotenen Mittelchen lassen und injizieren Epo in ihre Köderfische ("Dann hält der länger durch"). Altstar Erik Zabel bleibt jedoch sauber ("Das kann ich meinem Sohn nicht antun"), fängt den dicksten Fisch des Tages und gewinnt nach zuvor 70 zweiten Plätzen endlich mal wieder eine Etappe. Im Überschwang zieht er sich bei der Siegerehrung sein altes Telekom-Trikot an.
August: Panik beim Internationalen Olympischen Komitee: Alle 4800 zufällig und garantiert nicht gezielt genommenen Trainingsproben in den Wochen vor Peking waren schwer positiv. IOC-Präsident Jacques Rogge zieht die Notbremse, streicht alle Sportarten außer Dressurreiten und nimmt noch Angeln in den Disziplinen "Allgemein" und "Fliegenfischen" ins Programm. Die "Blinker"-Redaktion geht für Deutschland ins Rennen, in der Disziplin "Allgemein" feiern Lütticken, Stilke und Szameit den ersten deutschen olympischen Dreifachsieg bei den Sommerspielen seit den Florettfechterinnen Fichtel, Bau und Funkenhauser 1988 in Seoul. Lütticken vergießt auf dem Podest sogar ein paar Tränen. Im Fliegenfischen ist das Team des Fliegenfischer-Forums unschlagbar, vor allem dank der hohen B-Note in der künstlerischen Teildisziplin "geschmeidiges Fuchteln".
November: Die bildgewaltige "Blinker"-Titelstory "Die 68er am Baggersee" lässt die Feuilletonisten verzückt juchzen und bestimmt wochenlang die gesellschaftliche Debatte. Anne Will fragt in ihrer Sendung "Sollen wir jetzt alle angeln gehen?", Frank Schirrmacher schreibt im "FAZ"-Leitartikel, bei der demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft seien wir bald ein Volk von Anglern, und Maybrit Illner flirtet nach ihrer Trennung von Telekom-Chef Obermann in ihrer Sendung ungeniert mit Olympiasieger Lütticken. Selbst vor der Politik macht der Siegeszug des Angelns nicht halt: Im Wahlkampf für 2009 setzt sich Bundeskanzlerin Merkel mit Rute an der Spree, SPD-Chef Beck fischt in der heimischen Pfalz an der Mosel. Sportler des Jahres wird überraschend Erik Zabel. Seine Dankesworte: "Petri Heil!"
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Angler-Leidenschaft = Sinn für Gemütlichkeit ( Angler sind die Freizeitpunks der Neuzeit - Früher noch SexPistols und CLASH, heute eine Forelle oder Lachs auf dem Griller ) Brot + Zeit = Brotzeit [...] mehr...
... dass das catch and release in Deutschland verboten ist... Ich angle auch eher um der Natur zuzusehen, Greifvögel zu beobachten, leckeres Bierchen in der Abendsonne auf dem Boot zu genießen, mit Freunden zu lachen und zu [...] mehr...
Ja, kyon. Man kann alles von einer grausamen Seite aufziehen. Ich esse auch Fisch trotzdem man bei Doku Sendungen gar nicht hinschauen mag was mit dem Thunfisch etc beim fischen veranstaltet wird. Ich möchte auch nie beim [...] mehr...
Ja, natürlich haben Sie recht. Ich habe das auch nur mit einem Augenzwinkern gesagt. In bin halt Aquarianer und mag die Fische gern schwimmen sehen. Angler sind mir aber von ihrer Lebensart her sehr sympathisch, und Fisch esse [...] mehr...
Das ist lobenswert, wird aber wohl eher als Kalauer aufgenommen. Nach dem Motto: Ich kaufe den Fisch ja beim Fischhändler. mehr...
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