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06.01.2008
 

Dakar-Absage

Meuterei und Millionenklagen

Die Veranstalter der Rallye Dakar erwägen eine Veränderung des Rennens. Dabei sind neue Austragungsorte nicht ausgeschlossen. Zunächst müssen sie sich aber mit Forderungen nach Schadensersatz beschäftigen. Es geht um Millionen-Beträge.

Hamburg - Die Organisatoren der Rallye Dakar erwägen eine Verlegung des legendären Rennens an einen anderen Austragungsort. "Es sind alle Pisten offen", sagte Rallye-Leiter Étienne Lavigne dem Radiosender France Info. Demnach soll es bereits nächste Woche ein Treffen mit allen Teams geben, um die Möglichkeiten für das kommende Jahr zu erörtern.

Motorrad-Piloten bei der Rallye Dakar: "Nicht alles auf den Kopf stellen"
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DPA

Motorrad-Piloten bei der Rallye Dakar: "Nicht alles auf den Kopf stellen"

Im SPIEGEL hat der deutsche Fahrer Dirk von Zitzewitz eine Rückkehr nach Afrika aufgrund der terroristischen Bedrohung in Mauretanien ausgeschlossen: "Wir müssen uns andere Ziele suchen, in Südamerika, China oder Russland", sagte der Co-Pilot des Volkswagen-Teams.

Lavigne schloss eine Verlegung nach Südamerika oder Asien nicht aus. Der Franzose betonte aber, dass zu Afrika "seit 30 Jahren exzellente Beziehungen" bestehen. Auch Patrice Clerc, Präsident des Ausrichters Amaury Sport Organisation (Aso), bestätigte die Überlegungen: "Wir haben Projekte - Strecken mit und ohne Sand", sagte Clerc der französischen Zeitung "Le Parisien".

"Die Dakar ist im Motorsport eine bekannte Größe, es gibt wenige Events mit einer so großen Tradition. Man sollte jetzt nicht alles auf den Kopf stellen", sagte VW-Motorsportdirektor Kris Nissen. "Die Organisatoren und alle Teilnehmer brauchen jetzt ein paar Wochen Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Die kompletten Auswirkungen sind noch nicht abschätzbar", so Nissen weiter.

Außer der unsicheren Zukunft der Rallye müssen sich die Organisatoren vor allem mit Forderungen nach finanzieller Entschädigung auseinandersetzen. Durch die Absage sind vielen Teilnehmern Schäden in Millionenhöhe entstanden. Frankreichs Sportminister Bernard Laporte räumte ein, dass die Absage "katastrophale wirtschaftliche Konsequenzen" für die Länder hat, durch die die Rallye geführt hätte.

Das Wüstenrennen hätte in Portugal, Marokko, Mauretanien und dem Senegal Station gemacht. Die portugiesische Stadt Portimão kündigte bereits eine Klage auf Schadensersatz an. Auch der senegalesische Hotelverband will wegen der entgangenen Einnahmen rechtliche Schritte prüfen.

Rallye-Leiter Lavigne wies die Forderungen zurück: "Diejenigen, die an Dakar teilnehmen, kennen sehr genau die Bedingungen für Rückzahlungen", sagte er der französischen Tageszeitung "L'Équipe". Die Startgebühren von rund zwölf Millionen Euro soll den 570 gemeldeten Teilnehmern bis Ende Februar zurückgezahlt werden.

Nach einer Schätzung des Magazins "auto, motor und sport" hat VW für das Abenteuer Rallye Dakar etwa 30 Millionen Euro pro Jahr ausgegeben. Mitsubishi soll rund 20 Millionen investiert haben.

"Für die Werksteams ist es nur ein Rennen weniger im Kalender, für Privatiers jedoch eine Katastrophe. Für mich ist der Mythos Dakar schwer beschädigt", sagte Ellen Lohr. Die Deutsche wollte in diesem Jahr zum vierten Mal in ihrer Karriere an der Rallye teilnehmen.

Noch drastischer formulierte der frühere VW-Werkspilot Robby Gordon seine Enttäuschung: "Ich werde nicht wiederkommen und zu Hause schauen, ob es einen Weg gibt, die Veranstalter zu verklagen", sagte der US-Amerikaner.

Am Freitag hatte die Aso die Rallye nur einen Tag vor dem geplanten Start abgesagt. Grund war eine Reisewarnung des französischen Außenministeriums für Mauretanien. Dort waren an Heiligabend vier französische Touristen ermordet worden. Die Tat wurde Terroristen der al-Qaida zugeschrieben. 8 der 15 Rennetappen hätten durch Mauretanien geführt.

hut/sid/dpa

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